Photovoltaik für Unternehmen: Kauf, Pacht oder Contracting im Vergleich
Solarstrom vom eigenen Firmendach senkt Stromkosten und macht planbarer. Welche Modelle es gibt, was Förderung und Steuern bringen und wie du die richtige Größe findest.
Inhalt anzeigen
Kurz gesagt: Photovoltaik lohnt sich für Unternehmen vor allem dann, wenn ein großer Teil des erzeugten Stroms tagsüber im Betrieb selbst verbraucht wird. Du kannst die Anlage kaufen, über Kredit oder KfW finanzieren, pachten oder per Contracting ohne eigene Investition nutzen. Welches Modell passt, hängt von Kapital, Dachfläche, Verbrauchsprofil und steuerlicher Situation ab.
Strom vom eigenen Firmendach ist für viele Betriebe einer der wirksamsten Hebel gegen hohe Energiekosten. Eine Photovoltaikanlage wandelt Sonnenlicht in elektrische Energie um, und jede Kilowattstunde, die du selbst verbrauchst, musst du nicht teuer aus dem öffentlichen Stromnetz kaufen. Gleichzeitig verbessert Solarstrom die CO2-Bilanz deines Unternehmens, ein Punkt, der bei Kunden, Banken und Nachhaltigkeitsberichten immer wichtiger wird.
Dieser Ratgeber gibt dir den Überblick: welche Modelle es gibt, was Anlagengröße und Steuern bedeuten, welche Fördermittel es gibt und wie du die Wirtschaftlichkeit für deinen Standort prüfst. Zu vielen Punkten findest du vertiefende Artikel.
- Entscheidend ist der Eigenverbrauch: Solarstrom, den dein Betrieb selbst nutzt, ersetzt teuren Netzstrom.
- Modelle: Kauf, Finanzierung (zum Beispiel KfW 270), Pacht, Contracting oder Dachvermietung.
- Wichtige Schwellen: 30 kWp je Einheit bei der Einkommensteuer, 100 kW bei der Einspeisevergütung.
- Steuerlich: lineare Abschreibung, bei kleineren Betrieben zusätzlich Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibung nach § 7g EStG.
Warum Photovoltaik für Unternehmen so interessant ist
Im Gewerbe passt Photovoltaik oft besser als im Privathaushalt. Der Grund ist das Verbrauchsprofil: Büros, Werkstätten, Kühlräume, Produktionsanlagen und Ladenflächen brauchen Strom vor allem dann, wenn die Sonne scheint. Der erzeugte Strom lässt sich so direkt im Betrieb verbrauchen, statt ihn zu einer niedrigen Vergütung ins öffentliche Netz einspeisen zu müssen.
Dazu kommen weitere wirtschaftliche Vorteile: Der Strom vom Dach ist über die Lebensdauer der Anlage planbar, macht dich unabhängiger von Preisschwankungen am Strommarkt und ist ein sichtbarer Beitrag zu nachhaltigem Wirtschaften. Für viele Betriebe wird das zum Wettbewerbsvorteil, etwa bei Ausschreibungen, in Lieferketten mit Klimazielen oder gegenüber Kunden, die auf den CO2-Fußabdruck achten.
Wie stark die Stromkosten sinken, hängt vor allem von deinem Eigenverbrauchsanteil, der Sonneneinstrahlung am Standort, der Ausrichtung der Dachfläche und deinem heutigen Strompreis ab. Welche Bestandteile deinen Gewerbestrompreis ausmachen, erklärt unser Ratgeber Was kostet Gewerbestrom?.
Kaufen, pachten oder Contracting: die Modelle für Photovoltaik im Unternehmen
Die IHK Berlin nennt mehrere typische Betriebsmodelle für Photovoltaik im Gewerbe, darunter Eigenversorgung mit Überschusseinspeisung, Volleinspeisung, Direktlieferung an Dritte, Contracting und Dachverpachtung. Für die meisten Betriebe laufen die Überlegungen auf vier Wege hinaus:
Kauf und Finanzierung bringen die höchste Ersparnis über die Laufzeit, weil keine Marge eines Dritten im Strompreis steckt. Du trägst dafür die Investitionskosten, das Betriebsrisiko und die Wartung. Pachten oder mieten senkt die Einstiegshürde, ist über die Laufzeit aber meist teurer als ein Kauf, darauf weist auch die Verbraucherzentrale hin. Beim Contracting plant, finanziert und betreibt ein Dienstleister die Anlage, und du kaufst den Solarstrom zu einem festen Preis. Wie das im Detail funktioniert, zeigt unser Ratgeber PV-Contracting. Wer den Strom gar nicht selbst braucht, kann sein Dach für Photovoltaik vermieten.
Kapital vorhanden, hoher TagesverbrauchDu willst die maximale Ersparnis
Kein Kapital binden, Verbrauch am TagBetrieb und Wartung sollen andere übernehmen
Große Dachfläche, kaum EigenverbrauchZum Beispiel Lager oder Logistik
Gebäude gemietetEigentümer entscheidet über das Dach
Anlagengröße: Was 30 kWp und 100 kW für dein Unternehmen bedeuten
Die Leistung der Photovoltaikanlage wird in Kilowatt peak (kWp) angegeben. Für Unternehmen spielen zwei Schwellen eine große Rolle, weil sich an ihnen steuerliche und energierechtliche Regeln ändern:
Für viele kleinere Betriebe ist eine Anlage um 30 kWp ein guter Einstieg, mehr dazu im Ratgeber PV-Anlage 30 kWp. Größere Dachanlagen auf Hallen erreichen schnell 100 kWp und mehr. Was dann auf dich zukommt, zeigt unser Ratgeber PV-Anlage 100 kWp. Worauf es bei Statik und Dachaufbau ankommt, zeigen die Ratgeber Photovoltaik auf dem Hallendach und Photovoltaik auf dem Flachdach. Wichtig: Die richtige Anlagengröße richtet sich nicht nach der Dachfläche allein, sondern danach, wie viel Strom dein Betrieb tatsächlich verbrauchen kann. Den Überschuss nimmt der Netzbetreiber zwar ab, die Einspeisung bringt aber deutlich weniger als der eingesparte Netzstrom.
Investition, Förderprogramm und Finanzierung
Die Investitionskosten einer Photovoltaikanlage für Unternehmen hängen von Anlagengröße, Dachart, Montagesystem, Wechselrichter, Solarmodulen und einem eventuellen Batteriespeicher ab. Einen Überblick über aktuelle Preise gibt unser Ratgeber zu den Kosten einer PV-Anlage.
Das wichtigste bundesweite Förderprogramm für gewerbliche Anlagen ist der KfW-Kredit 270 „Erneuerbare Energien Standard“. Laut Merkblatt der KfW finanziert er Photovoltaik-Anlagen auf Dächern, an Fassaden und als Freiflächenanlagen sowie Batteriespeicher, mit bis zu 100 Prozent der förderfähigen Kosten und bis zu 150 Millionen Euro pro Vorhaben. Den Antrag stellst du vor Beginn des Vorhabens bei einem Finanzierungspartner, meist deiner Hausbank. Weitere Fördermittel von Ländern und Kommunen stellen wir im Ratgeber Photovoltaik-Förderung vor.
Bei Förderkrediten gilt meist: erst Antrag, dann Auftrag. Wer die Anlage schon verbindlich bestellt hat, bevor der Antrag gestellt ist, riskiert die Förderung. Kläre die Reihenfolge deshalb früh mit deiner Bank.
Steuerlich richtig planen: Abschreibung und Umsatzsteuer
Eine Photovoltaikanlage im Betriebsvermögen wird über ihre Nutzungsdauer abgeschrieben. Grundlage ist die AfA-Tabelle des Bundesfinanzministeriums für allgemein verwendbare Anlagegüter, danach wird bei Photovoltaikanlagen mit einer Nutzungsdauer von 20 Jahren gerechnet. Die Werte sind Orientierungswerte, im Einzelfall kann die Nutzungsdauer abweichen. Kleinere und mittlere Betriebe haben zusätzliche Abschreibungsmöglichkeiten: Nach § 7g EStG kannst du vorab einen Investitionsabzugsbetrag von bis zu 50 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungskosten bilden und im Jahr der Anschaffung und den vier Folgejahren eine Sonderabschreibung von bis zu 40 Prozent nutzen, sofern die Gewinngrenze von 200.000 Euro nicht überschritten wird. Details und ein Rechenbeispiel stehen im Ratgeber Abschreibung PV-Anlage.
Bei der Umsatzsteuer gilt: Der Nullsteuersatz nach § 12 Abs. 3 UStG betrifft Anlagen auf oder in der Nähe von Wohngebäuden sowie öffentlichen und gemeinnützigen Gebäuden. Für eine Anlage auf einer reinen Gewerbeimmobilie zahlst du in der Regel die normale Umsatzsteuer, kannst sie als vorsteuerabzugsberechtigtes Unternehmen aber meist als Vorsteuer geltend machen. Weil sich die Regeln für Einkommensteuer, Gewerbesteuer und Umsatzsteuer überschneiden, solltest du die Planung mit deiner Steuerberatung abstimmen.
Pflicht zur Solaranlage bei Neubau und Dachsanierung
Einige Bundesländer schreiben Photovoltaik inzwischen vor. In Baden-Württemberg gilt die Pflicht laut Umweltministerium seit dem 1. Januar 2022 für neue Nichtwohngebäude und neue Parkplätze mit mehr als 35 Stellplätzen und seit dem 1. Januar 2023 auch bei einer grundlegenden Dachsanierung. Andere Länder haben eigene Regeln mit abweichenden Stichtagen und Ausnahmen. Planst du einen Neubau oder eine Dachsanierung, prüfe früh, was in deinem Bundesland gilt. Eine anstehende Dachsanierung ist ohnehin der beste Zeitpunkt für eine Solaranlage, weil Gerüst und Dacharbeiten nur einmal anfallen.
Wirtschaftlichkeit prüfen: So gehst du vor
Ob sich eine Photovoltaikanlage für dein Unternehmen rechnet und wann sie sich amortisiert, lässt sich mit wenigen Daten gut abschätzen. Entscheidend ist, wie viel des erzeugten Stroms du selbst verbrauchen kannst. Den Rest speist du ins öffentliche Stromnetz ein, bei Anlagen bis 100 kW gegen die EEG-Vergütung, darüber über die Direktvermarktung. Die aktuellen Sätze findest du im Ratgeber Einspeisevergütung.
Wie du den Lastgang anforderst, erklärt der Ratgeber Lastgang anfordern und auswerten. Nach der Inbetriebnahme musst du die Anlage beim Netzbetreiber und im Marktstammdatenregister melden, die Schritte zeigt PV-Anlage anmelden.
Speicherlösungen und Lastspitzen
Ein Batteriespeicher verschiebt Solarstrom vom Mittag in den Nachmittag oder Abend und erhöht so den Eigenverbrauch. Im Gewerbe kann er außerdem Lastspitzen kappen und damit den Leistungspreis senken, der bei Betrieben mit registrierender Leistungsmessung einen großen Teil der Netzkosten ausmacht. Ob sich ein Speicher lohnt, hängt stark vom Lastprofil ab. Mehr dazu in den Ratgebern Gewerbespeicher und Peak Shaving.
Passend dazu: PPA Strom und Direktvermarktung von PV-Strom.
- Plane die Anlage nach deinem Tagesverbrauch, nicht nach der maximalen Dachfläche.
- Kombiniere eine anstehende Dachsanierung mit der Solaranlage, das spart Gerüst und doppelte Arbeiten.
- Stelle den Förderantrag vor der Auftragsvergabe.
- Achte bei Angeboten auf Garantien für Solarmodule und Wechselrichter sowie auf einen Wartungsvertrag.
- Prüfe nach der Inbetriebnahme deinen Stromliefervertrag für den Reststrom, denn dein Verbrauchsprofil ändert sich.
Rechne jedes Modell mit denselben Annahmen. Viele Angebote nutzen unterschiedliche Strompreise, Eigenverbrauchsquoten und Preissteigerungen, dadurch wirkt mal der Kauf, mal das Contracting günstiger. Wenn du deinen heutigen Arbeitspreis, deinen Lastgang und eine einheitliche Preisannahme vorgibst, werden die Angebote wirklich vergleichbar.
Photovoltaik für dein Unternehmen prüfen lassen
Du willst wissen, welches Modell für deinen Betrieb am meisten bringt? Schick uns deine letzte Jahresstromrechnung, wenn vorhanden deinen Lastgang, und ein paar Angaben zu deinem Dach. Wir beraten dich unverbindlich, ordnen Kauf, Finanzierung und Contracting für deinen Fall ein und sagen dir, welche nächsten Schritte sinnvoll sind. Du entscheidest selbst.
Häufige Fragen zu Photovoltaik für Unternehmen
Lohnt sich Photovoltaik für Unternehmen?
Meist dann, wenn der Betrieb einen großen Teil des Solarstroms tagsüber selbst verbraucht. Jede selbst genutzte Kilowattstunde ersetzt teuren Netzstrom, während eingespeister Strom deutlich weniger einbringt. Wie hoch die Ersparnis ist, hängt von Verbrauchsprofil, Dach und Strompreis ab.
Welche Modelle gibt es für eine Solaranlage auf dem Firmendach?
Kauf, Finanzierung zum Beispiel über die KfW, Pacht oder Miete, Contracting und die reine Dachvermietung. Die IHK Berlin nennt außerdem Volleinspeisung, Direktlieferung und Anlagensplitting als Varianten.
Gibt es eine Förderung für Photovoltaik im Unternehmen?
Ja, bundesweit vor allem den KfW-Kredit 270 „Erneuerbare Energien Standard“. Er finanziert laut KfW bis zu 100 Prozent der förderfähigen Kosten, bis zu 150 Millionen Euro pro Vorhaben, auch für Batteriespeicher. Der Antrag läuft über die Hausbank vor Vorhabensbeginn.
Wie wird eine PV-Anlage im Betrieb abgeschrieben?
Linear über die Nutzungsdauer, nach der AfA-Tabelle des Bundesfinanzministeriums wird mit 20 Jahren gerechnet. Kleinere Betriebe können zusätzlich den Investitionsabzugsbetrag von bis zu 50 Prozent und eine Sonderabschreibung von bis zu 40 Prozent nach § 7g EStG nutzen.
Sind Einnahmen aus der Solaranlage steuerfrei?
Nach § 3 Nr. 72 EStG sind Einnahmen aus Anlagen bis 30 kWp je Wohn- oder Gewerbeeinheit einkommensteuerfrei, insgesamt höchstens bis 100 kWp pro Steuerpflichtigem oder Mitunternehmerschaft. Größere Anlagen werden regulär versteuert.
Gilt der Nullsteuersatz auch für Gewerbe-Photovoltaik?
In der Regel nicht. Der Nullsteuersatz nach § 12 Abs. 3 UStG betrifft Anlagen auf oder nahe Wohngebäuden sowie öffentlichen und gemeinnützigen Gebäuden. Unternehmen zahlen meist 19 Prozent Umsatzsteuer, können sie aber als Vorsteuer abziehen.
Ab welcher Größe ist die Direktvermarktung Pflicht?
Die feste Einspeisevergütung gibt es nur für Anlagen bis 100 kW. Größere Anlagen müssen ihren Strom direkt vermarkten und erhalten dafür die Marktprämie, erklärt die Clearingstelle EEG|KWKG.
Brauche ich einen Batteriespeicher?
Nicht zwingend. Ein Speicher erhöht den Eigenverbrauch und kann Lastspitzen senken. Ob sich das rechnet, hängt von deinem Lastprofil ab, vor allem davon, wie viel Strom du abends brauchst und wie hoch dein Leistungspreis ist.
Muss ich bei einem Neubau eine Solaranlage bauen?
In einigen Bundesländern ja. In Baden-Württemberg gilt sie zum Beispiel seit 2022 für neue Nichtwohngebäude und seit 2023 bei einer grundlegenden Dachsanierung. Die Regeln unterscheiden sich je nach Bundesland.
Fazit: Photovoltaik lohnt sich, wenn sie zum Verbrauch passt
Photovoltaik für Unternehmen ist kein Selbstläufer, aber für viele Betriebe eine der besten Energielösungen. Entscheidend ist, dass die Anlage zu deinem Verbrauchsprofil passt und du das passende Modell wählst: Kauf oder Finanzierung für die höchste Ersparnis, Contracting, wenn du kein Kapital binden willst, Dachvermietung, wenn du den Strom selbst kaum nutzt. Plane Förderung, Steuern und Anlagengröße von Anfang an mit, dann wird die Solaranlage zu einem echten Baustein deiner Energieversorgung.
Quellen und Stand der Angaben
Gesetzestexte · Wortlaut geprüft am 29. September 2026
- EStG: § 3 Nr. 72 – Steuerfreiheit kleiner PV-Anlagen · § 7g – Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibung
- UStG: § 12 Abs. 3 – Nullsteuersatz für Photovoltaik
Weiterführend · Links geprüft am 29. September 2026
- IHK Berlin: Photovoltaik im Gewerbe – Betriebsmodelle
- KfW: Merkblatt Kredit 270 Erneuerbare Energien Standard – Stand Mai 2025
- Clearingstelle EEG|KWKG: Einspeisevergütung und Direktvermarktung – Grenze 100 kW
- Bundesfinanzministerium: AfA-Tabellen – Nutzungsdauer
- Umweltministerium Baden-Württemberg: FAQ Photovoltaikpflicht






