Lastgang anfordern und auswerten: 5 Schritte für Unternehmen
Gewerbestrom · Messung und Lastgang

Lastgang anfordern und auswerten: 5 Schritte für Unternehmen

Dein Lastprofil praktisch nutzen: Daten beschaffen, richtig lesen und konkrete Prüfaufträge für deinen Betrieb ableiten.

10 Minuten LesezeitQuellen: Netzbetreiber · UBA · NRW.Energy4ClimateStand: 9. September 2026
Inhaltsverzeichnis
  1. Lastgang und Lastprofil
  2. Daten anfordern
  3. Anfragevorlage
  4. Messwerte prüfen
  5. Excel-Auswertung
  6. Grundlast und Lastspitzen
  7. Maßnahmen ableiten
  8. 5 praktische Tipps
  9. Daten für den Vergleich
  10. Persönlicher Tarifcheck
  11. Häufige Fragen
  12. Fazit

Kurz gesagt: Fordere deinen Lastgang für zwölf vollständige Monate als CSV- oder Excel-Datei an. Prüfe Lieferstelle, Einheit, Zeitstempel und fehlende Werte. Danach vergleichst du Arbeitstage, Nächte und Wochenenden. So erkennst du, wann dein Betrieb Strom benötigt und welche Auffälligkeiten du genauer untersuchen solltest.

Die Jahresrechnung zeigt, wie viel Strom dein Unternehmen bezogen hat. Sie zeigt aber kaum, wann Maschinen, Kühlung und Ladepunkte gleichzeitig laufen. Genau hier hilft die Analyse des Lastgangs: Aus einer langen Zahlenreihe wird ein nachvollziehbares Bild deines Betriebsalltags.

Was ist ein Lastgang? Das gemessene Lastprofil kurz erklärt

Ein Lastgang beschreibt den zeitlichen Verlauf der abgenommenen Leistung an einem Anschluss. Beim Stromlastgang wird diese häufig viertelstündlich dargestellt. Die Lastkurve macht Verbrauchsmuster sichtbar: eine dauerhaft laufende Kühlung, den Produktionsstart am Morgen oder längere Betriebszeiten an bestimmten Wochentagen.

Ein gemessenes Lastprofil beruht auf individuellen Messwerten. Standardlastprofile bilden dagegen typische Verläufe für Kundengruppen ab. Ein SLP-Profil ersetzt deshalb keine eigene Messung. Die Grundlagen erläutert unser Ratgeber zum Lastprofil beim Strom. Hier geht es um die praktische Arbeit mit deiner Datei.

Ob ein RLM-Zähler, ein Smart Meter oder ein anderer Messaufbau vorliegt, solltest du vor der Anfrage klären. Intelligente Stromzähler beziehungsweise intelligente Messsysteme liefern nicht automatisch genau das Exportformat, das du benötigst. Einzelheiten zur registrierenden Leistungsmessung und zur oft genannten Grenze von 100.000 kWh findest du im Ratgeber zum RLM-Zähler.

Schritt 1: Lastgangdaten beim Betreiber anfordern

Schau zunächst im Kundenportal deines Energieversorgers oder Messstellenbetreibers nach einem Verbrauchsdaten-Export. Fehlt er, frage deinen Lieferanten oder den zuständigen Betreiber nach dem richtigen Ansprechpartner. Bei Netzbetreibern unterscheiden sich Zugang und Zusatzleistungen. Netze BW beschreibt beispielsweise die Bereitstellung über den Lieferanten sowie zusätzliche Übermittlungsangebote. Eine tägliche Lieferung kann dennoch Viertelstundenwerte enthalten.

Bitte um zwölf vollständige Monate, möglichst bis zum letzten abgeschlossenen Monat. Bei einem neuen Standort fragst du den gesamten verfügbaren Zeitraum an. Halte Firmenname, Lieferadresse und Marktlokations-ID bereit. Die Zählernummer kann ergänzen; ein Zählerwechsel innerhalb des Jahres muss nachvollziehbar bleiben.

Von der Anfrage zur brauchbaren Auswertung

1. AnfordernLieferstelle + Zeitraum + Dateiformat
2. PrüfenEinheit + Zeitbezug + Datenqualität
3. ZuordnenBetriebszeiten + Geräte + Maßnahmen
Eigene Übersicht: Erst eine geprüfte Datenbasis erlaubt eine sinnvolle betriebliche Interpretation.

Diese Angaben gehören in die Anfrage

  • Strombezug der eindeutig benannten Lieferstelle und gewünschter Zeitraum.
  • Viertelstundenwerte als CSV oder Excel, einschließlich Einheit und Intervalllänge.
  • Erklärung, ob der Zeitstempel Beginn oder Ende des Intervalls bezeichnet.
  • Zeitzone, Umgang mit Sommerzeit sowie Kennzeichnung von Ersatzwerten und Datenlücken.
  • Bei Eigenerzeugung: Bezug und Einspeisung getrennt sowie eindeutige Messkanäle.
  • Hinweis auf mögliche Kosten, bevor eine kostenpflichtige Zusatzleistung beauftragt wird.

Anfragevorlage für deinen Lastgang erstellen

Trage Standort und Zeitraum ein. Die Vorlage wird hier im Browser erstellt; sie wird nicht versendet. Ergänze vor dem Versand die Marktlokations-ID und deine Kontaktdaten.

Schritt 2: Messwerte, Zeitraum und Einheit prüfen

Bewahre die Originaldatei unverändert auf und arbeite mit einer Kopie. Prüfe, ob Standort und Messkanal stimmen: Ein Einspeisegang oder Blindenergiekanal ist nicht dein Strombezug. Die Bezeichnung der Spalte muss erklären, was tatsächlich gemessen wurde.

kWh und kW sind nicht austauschbar. Kilowattstunden beschreiben Energie, Kilowatt die Leistung. Enthält eine Zeile die Energiemenge einer Viertelstunde, ergibt sich die mittlere Leistungsaufnahme durch Multiplikation mit vier. Steht dort bereits mittlere Leistung in kW, darfst du nicht nochmals mit vier multiplizieren. Bei fortlaufenden Zählerständen benötigst du zuerst korrekt gebildete Differenzen; Zählerwechsel und Rücksetzungen müssen berücksichtigt werden.

Eine Stunde richtig zusammenrechnen

IntervallbeginnEnergie je 15 Min.Mittlere Leistung
10:00 Uhr5 kWh20 kW
10:15 Uhr8 kWh32 kW
10:30 Uhr12 kWh48 kW
10:45 Uhr7 kWh28 kW
Eigenes Beispiel: Insgesamt 32 kWh Strom in einer Stunde; die höchste Viertelstundenleistung beträgt 48 kW. Die vier Leistungswerte zu 128 kW zu addieren ergibt keinen sinnvollen Stundenverbrauch.

Datenlücken und Zeitumstellung erkennen

Ein normaler Tag hat 96 Viertelstunden. Bei lokaler Zeitdarstellung können Tage mit Zeitumstellung anders aussehen. Prüfe deshalb die mitgelieferte Zeitzone, bevor du scheinbar doppelte Zeiten löschst. Sortiere die Daten chronologisch und suche nach Sprüngen, Leerstellen und ungewöhnlichen Nullserien.

Fehlende Daten bedeuten nicht, dass nichts verbraucht wurde. Frage bei unklaren Kennzeichnungen nach. § 55 MsbG behandelt auch Ersatzwerte und vorläufige Werte. Solche Werte sollten in deiner Auswertung erkennbar bleiben. Vergleiche außerdem die summierte Energie mit der Rechnung für denselben Zeitraum und denselben Messumfang; eine Abweichung kann auch aus unterschiedlichen Stichtagen entstehen.

Schritt 3: Den Lastgang in Excel auswerten

Importiere die CSV-Datei mit passendem Trennzeichen und Dezimalformat. Kontrolliere einige Zeilen gegen das Original: Aus „12,5“ darf weder Text noch „125“ werden. Prüfe Datumswerte besonders bei internationalen Formaten. Marktlokations-IDs behandelst du als Text, damit Kennungen erhalten bleiben.

  1. Spalten ordnen: Zeitstempel, Messwert, Einheit und Qualitätskennzeichen getrennt lassen.
  2. Leistung ergänzen: Stehen Viertelstunden-kWh in B2, lautet die Formel für mittlere kW in C2: =B2*4. Nur für tatsächlich 15 Minuten lange Intervalle verwenden.
  3. Energie summieren: Für das Beispiel oben liefert =SUMME(B2:B5) genau 32 kWh. Bei Leistungswerten zuerst jeden Wert mit seiner Intervalldauer in Stunden multiplizieren.
  4. Hilfsspalten anlegen: Datum, Uhrzeit, Wochentag und betriebliche Kategorien wie Arbeitstag, Feiertag oder Betriebsferien ergänzen.
  5. Diagramme bilden: Zeit auf die waagerechte Achse, mittlere kW auf die senkrechte. Vergleiche ähnliche Wochen und gleiche Zeitfenster.

Eine Jahresansicht zeigt die grobe Schwankung, kann einzelne Spitzen aber verdecken. Zoome anschließend in auffällige Tage. Bei einem Vergleich von Lastprofilen müssen Intervalllänge, Skala und Messumfang übereinstimmen. Eine nach Leistung sortierte Dauerlinie zeigt, wie lange bestimmte Leistungsniveaus auftreten; die zeitliche Reihenfolge geht dabei verloren.

Schritt 4: Grundlast und Lastspitzen im Lastgang erkennen

Betrachte zuerst Nächte, Samstage und Sonntage sowie Betriebsferien. Welche Verbraucher müssen weiterlaufen? Welche Anlagen könnten eigentlich aus sein? Der niedrigste Einzelwert allein beschreibt noch keine verlässliche Grundlast. Mehrere vergleichbare, störungsfreie Zeitfenster sind aussagekräftiger.

Drei Auffälligkeiten – drei Prüfaufträge

Nachts konstant 12 kWKühlung, Server, Lüftung und Stand-by zuordnen
Spitze beim SchichtbeginnGleichzeitige Maschinenstarts und Ladepunkte prüfen
Wochenende wie WerktagSchaltzeiten und Sonderbetrieb abgleichen
Fiktive Beobachtungen, keine Messdaten eines Kunden. Jede Auffälligkeit ist ein Prüfhinweis und noch kein Nachweis für Verschwendung.

Für Bürogebäude zeigt mission E von NRW.Energy4Climate, warum der Bedarf außerhalb der Arbeitszeit relevant ist. Übertrage solche Beobachtungen nur auf passende Betriebsbedingungen: Ein Kühlhaus lässt sich nachts nicht wie ein Büro abschalten.

Notiere bei den höchsten Viertelstunden Datum, Uhrzeit, Betriebszustand und gleichzeitig aktive Anlagen. Die Spitzenlast im Datensatz ist ein Intervallmittelwert; ein sehr kurzer Einschaltstrom kann damit nicht detailliert bewertet werden. Für einzelne Maschinen können zusätzliche Messungen notwendig sein.

Schritt 5: Lastganganalyse für Energiemanagement und Lastmanagement nutzen

Ordne jede Beobachtung einem Verantwortlichen und einer konkreten Frage zu. Beispielsweise: Warum läuft die Lüftung sonntags? Kann ein Ladevorgang später beginnen? Das Umweltbundesamt empfiehlt bei der energetischen Bewertung, wesentliche Energieverbraucher und betriebliche Veränderungen einzubeziehen. Der Energieverbrauch allein erklärt eine höhere Auslastung oder eine zusätzliche Schicht nicht.

Für die nächste Bewertung helfen Peak Shaving zur Lastspitzenkappung und die Wirtschaftlichkeitsprüfung von Gewerbespeichern.

Lastverschiebung bedeutet, einen steuerbaren Verbrauch zeitlich zu verlagern. Dadurch sinkt die Energiemenge nicht zwangsläufig. Lastmanagement kann gleichzeitige Lastspitzen begrenzen, wenn Prozesse und technische Steuerung das zulassen. Welches Sparpotenzial für Unternehmen daraus entsteht, hängt unter anderem vom Leistungspreis, den Netzentgelten und den Vertragsbedingungen ab. Ein niedrigerer Spitzenwert an einem Tag garantiert keine niedrigere Jahresabrechnung.

Halte Ausgangszustand, Maßnahme und Ergebnis fest. Vergleiche anschließend möglichst ähnliche Produktionsbedingungen und Temperaturen. Das UBA beschreibt die Überwachung und Nachverfolgung von Abweichungen als Bestandteil des Energiemanagements. Eine regelmäßige Prüfung hilft mehr als ein einmalig gespeichertes Diagramm.

Was zeigt der Lastgang bei Photovoltaik?

Mit einer PV-Anlage zeigt der Bezug am Netzanschluss nur die Energie, die zusätzlich aus dem Stromnetz kommt. Selbst verbrauchte Erzeugung fehlt in dieser Reihe. Ein kleiner Netzbezug mittags bedeutet deshalb nicht automatisch einen niedrigen Betriebsverbrauch. Für die Planung brauchst du passend abgegrenzte Daten zu Bezug, Einspeisung und Erzeugung. Bei Speichern werden zusätzlich Lade- und Entladeflüsse relevant. Eine PV-Anlage kann Spitzen nicht zuverlässig abdecken, wenn diese bei geringer Sonneneinstrahlung auftreten.

5 Tipps für eine verlässliche Lastganganalyse

  1. Ein vollständiges Jahr als Ausgangspunkt nehmen.
    Ergänze Hinweise auf Umbauten, Betriebsferien und neue Anlagen, damit Veränderungen erklärbar bleiben.
  2. Original und Arbeitsdatei getrennt aufbewahren.
    Dokumentiere jede Bereinigung. Lösche auffällige Messwerte nicht allein, weil sie ungewöhnlich wirken.
  3. Den Betriebsplan danebenlegen.
    Schichtzeiten, Reinigung und Wartung erklären Verbrauchsverhalten oft besser als der Kalender allein.
  4. Erst Ursachen prüfen, dann investieren.
    Ein Lastgang zeigt den Anschluss insgesamt. Er beweist nicht, welches einzelne Gerät die Ursache ist.
  5. Ergebnisse wiederholt kontrollieren.
    Prüfe nach einer Änderung, ob die erwartete Wirkung eintritt und der Betrieb weiterhin zuverlässig läuft.

Geprüfte Lastgangdaten für den Gewerbestromvergleich

Für einen Angebotsvergleich sind Jahresverbrauch, Lieferstelle und eine aktuelle, vollständige Datenreihe hilfreich. Kläre mit dem Empfänger zuerst, welche Angaben wirklich benötigt werden. Ein Standort mit gleichem Verbrauch in kWh pro Jahr kann ein anderes Verbrauchsmuster haben als ein Betrieb mit stark konzentriertem Energiebezug.

Der Lastgang ersetzt keinen vollständigen Preisvergleich. Prüfe zusätzlich Laufzeit, Preisbestandteile und Vertragsbedingungen. Unser Ratgeber zum Gewerbestromvergleich führt dich durch diese Punkte.

Dein nächster Schritt

Passende Angebote persönlich prüfen lassen

Wir prüfen passende verfügbare Gewerbestromangebote aus unserem Netzwerk. Für eine erste Anfrage reichen Postleitzahl, ungefährer Jahresverbrauch und die Information, ob für deinen Anschluss Lastgangdaten vorliegen. Über die Eignung und Annahme entscheidet der jeweilige Anbieter.

Unser Tarifcheck ist für dich kostenlos. Bei einem vermittelten Vertragsabschluss kann Ganter Energie eine Provision erhalten. Kein vollständiger Marktvergleich. Bitte sende für die erste Anfrage keine vollständigen Rechnungen oder Verträge. Informationen zum Umgang mit deinen Angaben findest du in unserer Datenschutzerklärung.

Häufige Fragen zum Lastgang

Woher bekomme ich meinen Lastgang?

Prüfe zunächst das Kundenportal. Frage andernfalls deinen Stromlieferanten oder den zuständigen Betreiber nach dem Export und dem richtigen Ansprechpartner. Benenne Lieferstelle, Zeitraum und gewünschtes Format.

Welchen Zeitraum sollte ich anfordern?

Zwölf vollständige Monate sind eine gute Ausgangsbasis, um saisonale Unterschiede zu erkennen. Bei neuen Standorten nutzt du die verfügbare Datenhistorie und kennzeichnest ihre Grenzen.

Ist der Lastgang dasselbe wie der Jahresverbrauch?

Nein. Der Jahresverbrauch ist eine Energiemenge. Die Datenreihe zeigt zusätzlich, wann Energie bezogen wurde und wie sich die mittlere Leistung verändert.

Kann ich einen Lastgang in Excel auswerten?

Ja. Prüfe zunächst Zeitstempel, Einheit und Datenqualität. Danach kannst du Energie summieren, Betriebszeiten vergleichen und chronologische Diagramme erstellen.

Warum darf ich fehlende Werte nicht durch null ersetzen?

Null würde behaupten, dass kein Verbrauch stattgefunden hat. Eine Datenlücke bedeutet dagegen, dass ein Wert fehlt. Frage nach korrigierten Daten und dokumentiere Ersatzwerte.

Was ist der Unterschied zwischen kW und kWh im Lastgang?

kWh beschreibt Energie, kW Leistung. Eine Energiemenge von 5 kWh in 15 Minuten entspricht 20 kW mittlerer Leistung. Bereits vorhandene kW-Werte werden nicht nochmals mit vier multipliziert.

Kann ich mit dem Lastgang automatisch Stromkosten sparen?

Nein. Er hilft, Auffälligkeiten und mögliche Maßnahmen zu erkennen. Ob daraus Einsparungen entstehen, hängt von der Ursache, der Umsetzung sowie Preisen und Vertragsbedingungen ab.

Zeigt ein Lastgang auch den Verbrauch einzelner Maschinen?

Am Netzanschluss zeigt er den gesamten dort erfassten Bezug. Für die sichere Zuordnung zu einzelnen Maschinen benötigst du betriebliche Informationen oder zusätzliche Messungen.

Fazit: Erst Daten prüfen, dann Maßnahmen ableiten

Fordere eine sauber zugeordnete Datenreihe an, prüfe Einheiten und Lücken und verknüpfe die Ergebnisse mit deinem Betriebsalltag. So wird aus dem Lastgang eine nachvollziehbare Grundlage für Maßnahmen und die nächste Angebotsprüfung.

Christian Grünefeld · Ganter Energie

Quellenstand: 9. September 2026. Rechenbeispiele und Beobachtungen sind fiktiv. Für die Auswertung gelten die Erläuterungen zu deiner konkreten Messdatei.