Strom für die Landwirtschaft: Tarif, Verbrauch und Stromsteuer-Entlastung
Gewerbestrom · Landwirtschaft

Strom für die Landwirtschaft: Tarif, Verbrauch und Stromsteuer-Entlastung

Welcher Stromtarif zu deinem Hof passt, wie viel Strom Melkanlage und Kühlung brauchen und wie du dir als Landwirt die Stromsteuer erstatten lässt.

8 Minuten Lesezeit Quellen: § 9b StromStG, § 3 EnWG, Landwirtschaftskammer NRW Aktualisiert am 29. September 2026
Inhalt anzeigen
  1. Besonderheiten
  2. Stromverbrauch auf dem Hof
  3. Passender Tarif
  4. Stromsteuer-Entlastung
  5. Spitzen und Leistungspreis
  6. Strom sparen im Stall
  7. Solarstrom vom Stalldach
  8. In fünf Schritten
  9. Stromkostenrechner
  10. Persönlich prüfen lassen
  11. Häufige Fragen
  12. Fazit
  13. Quellen

Kurz gesagt: Landwirtschaftliche Betriebe kaufen Strom meist als Gewerbekunden ein. Wichtig sind drei Dinge: den Betriebsstrom vom Wohnhaus trennen, den Tarif zum Verbrauchsprofil des Hofs passend wählen und die Stromsteuer-Entlastung nach § 9b StromStG beantragen. Sie senkt die Stromsteuer für betrieblich genutzten Strom von 2,05 auf 0,05 Cent pro Kilowattstunde, abzüglich eines Sockelbetrags von 250 Euro im Jahr.

Melkanlage, Milchkühlung, Lüftung, Fütterung, Trocknung, Bewässerung: Auf einem Hof laufen viele Verbraucher, manche täglich, andere nur wenige Wochen im Jahr. Entsprechend unterschiedlich sehen die Stromrechnungen aus, vom kleinen Nebenerwerb bis zum Milchviehbetrieb mit Leistungsmessung.

Hier erfährst du, welcher Tarif zu deinem Betrieb passt, wie viel Strom typische Anlagen brauchen, wie die Stromsteuer-Entlastung für Landwirte funktioniert und wo sich im Stall am meisten sparen lässt.

Das Wichtigste in Kürze
  • Bis 10.000 kWh betrieblichem Verbrauch gilt ein Hof nach § 3 Nr. 57 EnWG noch als Haushaltskunde, darüber kaufst du als Gewerbekunde ein.
  • Landwirte können sich 20 Euro je Megawattstunde Stromsteuer erstatten lassen, soweit der Betrag 250 Euro im Jahr übersteigt.
  • Eine Milchkuh braucht laut Landwirtschaftskammer NRW rund 400 kWh Strom im Jahr, etwa 60 Prozent davon für die Milchgewinnung.
  • Vorkühler, drehzahlgeregelte Vakuumpumpen und Wärmerückgewinnung senken den Verbrauch deutlich.

Was Strom in der Landwirtschaft besonders macht

Ein landwirtschaftlicher Betrieb verbraucht Strom anders als ein Büro oder ein Laden. Manche Lasten laufen jeden Tag zu festen Zeiten, etwa das Melken morgens und abends. Andere kommen saisonal und dann mit hoher Leistung, zum Beispiel Getreidetrocknung, Bewässerungspumpen oder Kühlräume in der Erntezeit.

Dazu kommt, dass Hof und Wohnhaus oft auf demselben Grundstück liegen. Für Tarif, Abrechnung und Stromsteuer macht es aber einen Unterschied, ob Strom betrieblich oder privat genutzt wird. Getrennte Zähler oder ein geeichter Zwischenzähler schaffen hier Klarheit. Wie das geht, zeigt unser Ratgeber zum Zwischenzähler.

Wie viel Strom braucht ein Hof?

Wie hoch der Verbrauch ist, hängt stark von der Betriebsart ab. Für Milchviehbetriebe gibt es belastbare Richtwerte: Laut Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen liegt der Stromverbrauch in Betrieben mit rund 100 Milchkühen bei etwa 400 kWh pro Kuh und Jahr, das sind 5 kWh je 100 Liter Milch.

Bereich im MilchviehbetriebAnteil am Stromverbrauch
Milchgewinnung (Melken, Milchkühlung, Reinigung)rund 60 %
Fütterungrund 35 %
Beleuchtung und Entmistungrund 5 %
Richtwerte für Betriebe mit rund 100 Milchkühen. Quelle: Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Stand 2014. Dein Betrieb kann je nach Technik deutlich abweichen.

Für einen Betrieb mit 100 Kühen ergibt das rund 40.000 kWh im Jahr (eigene Rechnung). Ackerbaubetriebe mit Getreidetrocknung, Schweine- und Geflügelhaltung mit Lüftung und Heizung oder Gemüsebau mit Kühlhaus haben ganz andere Profile. Den besten Überblick gibt die eigene Jahresabrechnung, bei großen Betrieben der Lastgang.

Welcher Stromtarif passt zum Hof?

Das Energiewirtschaftsgesetz zieht eine klare Grenze. Nach § 3 Nr. 57 EnWG gehört zu den Haushaltskunden auch, wer Strom für berufliche, landwirtschaftliche oder gewerbliche Zwecke kauft, solange der Jahresverbrauch dafür 10.000 kWh nicht übersteigt. Kleine Nebenerwerbsbetriebe können deshalb oft normale Stromtarife nutzen.

Darüber kaufst du als Gewerbekunde ein. Gewerbestromtarife unterscheiden sich vor allem bei Laufzeit, Preisgarantie und Abrechnung. Worauf du achten solltest, erklärt unser Ratgeber Gewerbestrom vergleichen. Verbraucht dein Betrieb mehr als 100.000 kWh im Jahr, wird in der Regel eine registrierende Leistungsmessung eingebaut. Dann zahlst du zusätzlich einen Leistungspreis für deine höchste Lastspitze.

bis 10.000 kWh betrieblicher VerbrauchHaushaltskunde
über 10.000 kWhGewerbekunde
über 100.000 kWh in der NiederspannungLeistungsmessung
Grobe Einordnung nach Jahresverbrauch. Grundlage: § 3 Nr. 57 EnWG; die 100.000-kWh-Grenze für die Leistungsmessung erklären wir im Ratgeber zum RLM-Zähler.

Stromsteuer-Entlastung für Landwirte

Die Stromsteuer beträgt nach § 3 StromStG 20,50 Euro je Megawattstunde, also 2,05 Cent pro Kilowattstunde. Unternehmen der Land- und Forstwirtschaft können sich nach § 9b StromStG davon 20 Euro je Megawattstunde erstatten lassen. Für den betrieblichen Strom bleiben dann rechnerisch 0,05 Cent pro Kilowattstunde übrig (eigene Rechnung).

Die wichtigsten Bedingungen:

  • Land- und Forstwirtschaft: Begünstigt sind nach § 2 Nr. 5 StromStG Unternehmen, die dem Abschnitt A der Klassifikation der Wirtschaftszweige zuzuordnen sind, dazu Teichwirtschaft und Fischzucht.
  • Nur betrieblicher Strom: Strom für das private Wohnhaus zählt nicht. Strom für Elektromobilität ist ausdrücklich ausgenommen.
  • Sockelbetrag: Erstattet wird nur, soweit der Entlastungsbetrag im Jahr 250 Euro übersteigt. Lohnend wird es also ab etwa 12.500 kWh betrieblichem Verbrauch (eigene Rechnung).
  • Antrag beim Hauptzollamt: Mit Formular 1453, laut Zoll im Regelfall bis zum 31. Dezember des Folgejahres.
Stromsteuer auf 40.000 kWh (20,50 € je MWh)820 €
Entlastung 20 € je MWh, abzüglich Sockelbetrag 250 €550 €
Verbleibende Stromsteuer im Jahr270 €
Beispiel Milchviehbetrieb mit 100 Kühen und 40.000 kWh betrieblichem Verbrauch. Eigene Rechnung, netto, ohne Gewähr. Ob dein Betrieb begünstigt ist, prüft das Hauptzollamt.

Wie der Antrag im Detail abläuft, erklärt unser Ratgeber zur Energie- und Stromsteuer-Rückerstattung für Unternehmen.

Saisonale Spitzen: hohe Leistung und Leistungspreis

Größere Betriebe mit Leistungsmessung zahlen einen Leistungspreis, der sich nach der höchsten Viertelstunde im Jahr richtet. Laufen Trocknung, Kühlung und Melken gleichzeitig, kann eine einzige Spitze in der Ernte das ganze Jahr teurer machen. Wie der Preis berechnet wird, zeigt unser Ratgeber zum Leistungspreis.

Für Betriebe, die nur zeitweise eine hohe Leistung brauchen, müssen Netzbetreiber nach § 19 Abs. 1 StromNEV zusätzlich eine Abrechnung mit Monatsleistungspreisen anbieten. Bei Trocknungs- oder Bewässerungsanlagen, die nur wenige Monate laufen, kann das günstiger sein. Hilfreich ist außerdem, große Verbraucher zeitversetzt zu starten, siehe Peak Shaving.

Strom sparen im Stall: Anlagen effizient betreiben

Weil die Milchgewinnung den größten Anteil hat, liegen dort auch die größten Hebel. Die Landwirtschaftskammer NRW nennt Beispiele:

  • Vorkühler: Ein Vorkühler, der die Milch vor dem Tank mit Wasser herunterkühlt, kann den Strombedarf der Milchkühlung um bis zu 50 Prozent senken.
  • Drehzahlgeregelte Vakuumpumpe: Im Beispiel der Kammer sinkt der Verbrauch bei sechs Stunden Melkzeit am Tag von 12.000 auf 7.200 kWh im Jahr.
  • Wärmerückgewinnung: Die Abwärme der Milchkühlung erzeugt je Liter Milch rund 0,6 Liter warmes Wasser von etwa 55 Grad.
  • LED und Steuerung: Beleuchtung und Lüftung mit Zeit- und Sensorsteuerung laufen nur, wenn sie gebraucht werden.

Energieeffizienz beginnt schon bei der Anschaffung: Wer eine neue Maschine, Melktechnik oder eine Wärmepumpe für das Wohnhaus plant, sollte den Stromverbrauch mitrechnen. Er fällt langfristig jedes Jahr an und entscheidet mit darüber, ob sich die Investition wirtschaftlich rechnet.

Photovoltaik und Agri-PV: Solarstrom für den Hof

Große Dachflächen machen Photovoltaik für viele Betriebe interessant. Entscheidend ist, wie viel des Solarstroms der Hof selbst nutzen kann, denn selbst verbrauchter Strom ersetzt teuren Netzstrom. Melken findet allerdings meist morgens und abends statt, wenn die Anlage wenig liefert. Kühlung, Lüftung und Fütterung laufen dagegen auch tagsüber. Ein Speicher kann die Lücke teilweise schließen.

Neben dem Dach gibt es Agri-PV. Dabei werden Solarmodule über oder zwischen landwirtschaftlich genutzten Flächen aufgeständert, die Fläche bleibt für Acker- oder Obstbau nutzbar. Die Aufständerung der Module macht solche Anlagen technisch und rechtlich aufwendiger als eine Solaranlage auf dem Dach, etwa im Genehmigungsverfahren. Für den Einstieg in die eigene Stromerzeugung ist das Stalldach deshalb meist der einfachere Weg. Worauf du bei Stall, Scheune und Förderung achten solltest, zeigt unser Ratgeber Photovoltaik in der Landwirtschaft.

Was eine Anlage kostet, zeigt unser Ratgeber zu den PV-Anlage Kosten, was du für eingespeisten Strom bekommst, der Beitrag zur Einspeisevergütung.

In fünf Schritten zu niedrigeren Stromkosten

Verbrauch trennenBetrieb und Wohnhaus über eigene Zähler oder einen geeichten Zwischenzähler erfassen.
Jahresverbrauch einordnenLiegt der betriebliche Verbrauch unter 10.000 kWh, über 10.000 kWh oder über 100.000 kWh? Danach richtet sich der passende Tarif.
Tarif vergleichenLaufzeit, Preisgarantie und Preis pro kWh gegenüber dem aktuellen Vertrag prüfen.
Stromsteuer-Entlastung beantragenMit Formular 1453 beim Hauptzollamt, im Regelfall bis 31. Dezember des Folgejahres.
Großverbraucher prüfenVakuumpumpe, Milchkühlung und Trocknung auf Einsparmöglichkeiten und gleichzeitige Spitzen ansehen.
Tipps & Tricks
  1. Notiere die Zählerstände von Betrieb und Wohnhaus am selben Tag, so bleiben die Mengen sauber getrennt.
  2. Sammle die Jahresrechnungen, die du für den Antrag beim Hauptzollamt brauchst.
  3. Prüfe vor der Ernte, welche Großverbraucher gleichzeitig laufen würden.
  4. Vergleiche den Tarif spätestens, wenn die Preisgarantie ausläuft.
  5. Rechne vor einer neuen Melktechnik den Stromverbrauch der Vakuumpumpe mit ein.
Ganter Energie Spezial-Tipp

Viele Höfe lassen die Stromsteuer-Entlastung liegen, weil sie den Antrag für zu aufwendig halten oder den Betriebsstrom nicht vom Wohnhaus getrennt haben. Dabei lohnt er sich schon ab rund 12.500 kWh betrieblichem Verbrauch, und die Frist läuft bis Ende des Folgejahres. Wer jetzt einen Zwischenzähler setzt, schafft die Grundlage für die nächsten Anträge.

Stromtarif für deinen Hof prüfen lassen

Schick uns die letzte Jahresrechnung deines Betriebs. Wir ordnen Verbrauch und Preis ein und prüfen passende Gewerbestromangebote aus unserem Partnernetzwerk, auch für mehrere Zähler. Du entscheidest selbst.

Wir vergleichen Angebote aus unserem Partnernetzwerk, keinen vollständigen Markt. Für dich ist die Prüfung kostenlos; kommt ein Vertrag zustande, erhalten wir eine Vergütung vom Anbieter. Wir versprechen keine bestimmte Ersparnis und beraten nicht steuerlich. Informationen zur Verarbeitung deiner Angaben findest du im Datenschutz.

Häufige Fragen zu Strom in der Landwirtschaft

Brauche ich als Landwirt einen Gewerbestromtarif?

Bis 10.000 kWh betrieblichem Verbrauch im Jahr giltst du nach § 3 Nr. 57 EnWG noch als Haushaltskunde. Darüber kaufst du als Gewerbekunde ein und nutzt in der Regel Gewerbestromtarife.

Bekommen Landwirte die Stromsteuer zurück?

Ja. Unternehmen der Land- und Forstwirtschaft können nach § 9b StromStG 20 Euro je Megawattstunde für betrieblich genutzten Strom erstattet bekommen, soweit der Betrag 250 Euro im Jahr übersteigt. Der Antrag geht mit Formular 1453 an das Hauptzollamt.

Bis wann muss ich die Stromsteuer-Entlastung beantragen?

Laut Zoll im Regelfall bis zum 31. Dezember des Jahres, das auf das Verbrauchsjahr folgt. Für Strom aus 2026 also bis Ende 2027.

Wie viel Strom verbraucht eine Milchkuh im Jahr?

Laut Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen rund 400 kWh pro Kuh und Jahr in Betrieben mit etwa 100 Kühen, das sind 5 kWh je 100 Liter Milch. Rund 60 Prozent davon entfallen auf die Milchgewinnung.

Zählt der Strom fürs Wohnhaus auf dem Hof mit?

Für die Stromsteuer-Entlastung nicht, sie gilt nur für betrieblich genutzten Strom. Am einfachsten ist die Abgrenzung mit getrennten Zählern oder einem geeichten Zwischenzähler.

Was ist bei saisonalen Verbrauchern wie der Getreidetrocknung zu beachten?

Bei Leistungsmessung bestimmt die höchste Viertelstunde im Jahr den Leistungspreis. Für nur zeitweise hohe Leistung müssen Netzbetreiber nach § 19 Abs. 1 StromNEV auch Monatsleistungspreise anbieten.

Wo lässt sich im Milchviehbetrieb am meisten Strom sparen?

Bei der Milchgewinnung: Ein Vorkühler kann den Strombedarf der Milchkühlung um bis zu 50 Prozent senken, eine drehzahlgeregelte Vakuumpumpe spart im Beispiel der Landwirtschaftskammer NRW 4.800 kWh im Jahr.

Lohnt sich Photovoltaik auf dem Stalldach?

Das hängt vor allem davon ab, wie viel Solarstrom der Hof selbst nutzen kann. Kühlung, Lüftung und Fütterung laufen auch tagsüber, das Melken dagegen meist morgens und abends. Ein Speicher kann die Lücke teilweise schließen.

Fazit: Trennen, vergleichen, Entlastung holen

Strom auf dem Hof ist kein Nebenposten. Wer Betrieb und Wohnhaus sauber trennt, den Tarif zum Verbrauchsprofil wählt und die Stromsteuer-Entlastung nach § 9b StromStG nutzt, senkt die Kosten ohne großen Aufwand. Der zweite Hebel liegt im Stall: Milchkühlung, Vakuumpumpe und gleichzeitige Spitzen in der Ernte.

Christian Grünefeld · Ganter Energie

Ganter Energie vermittelt Strom- und Gastarife für Haushalte und Gewerbe. Die Angaben hier sind Orientierung anhand der genannten Quellen, Stand 29.09.2026. Beispielrechnungen sind eigene Rechnung. Der Artikel ersetzt keine steuerliche Beratung; über die Stromsteuer-Entlastung entscheidet das Hauptzollamt.

Quellen und Stand der Angaben

Gesetzestexte · Wortlaut geprüft am 29. September 2026

Weiterführend · Links geprüft am 29. September 2026