Agri-Photovoltaik: Wie Agri-PV Landwirtschaft und Stromerzeugung für die Energiewende verbindet
Ernte und Solarstrom auf derselben Fläche: Wie Agri-PV-Anlagen aufgebaut sind, welche Vor- und Nachteile sie haben und was EEG, Baurecht und Direktzahlungen für landwirtschaftliche Betriebe regeln.
Inhalt anzeigen
Kurz gesagt: Agri-PV (Agri-Photovoltaik) nutzt dieselbe Fläche gleichzeitig für Landwirtschaft und Stromerzeugung. Die Solarmodule stehen hoch aufgeständert über den Kulturen oder bodennah in Reihen, zwischen denen weiter bewirtschaftet wird. Erfüllt die Anlage die DIN SPEC 91434 und gehen höchstens 15 Prozent der Fläche verloren, bleiben laut GAP-Direktzahlungen-Verordnung 85 Prozent der Fläche förderfähig. Kleinere Projekte bis 2,5 Hektar sind unter Bedingungen im Außenbereich privilegiert.
Landwirtschaftliche Flächen sind knapp, und Freiflächenanlagen stehen oft in Flächenkonkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Agri-PV setzt auf die Doppelnutzung der Fläche. Die Nutzung der Fläche für Ernte und Solarstromproduktion macht die Landnutzung effizienter: Der Landwirt erntet weiter und erzeugt zusätzlich Solarstrom für den eigenen Betrieb oder das Netz.
In diesem Ratgeber erfährst du, wie Agri-PV-Anlagen aufgebaut sind, welche Vorteile und Nachteile sie haben, was das EEG, das Baurecht und die Direktzahlungen regeln und wann sich Agri-Photovoltaik für landwirtschaftliche Betriebe lohnen kann.
- Agri-PV verbindet landwirtschaftliche Nutzung und Stromerzeugung auf derselben Fläche.
- Es gibt hoch aufgeständerte Anlagen über den Kulturen und bodennahe Anlagen, oft mit senkrechten Modulreihen.
- Maßstab für die Planung ist die DIN SPEC 91434.
- Nach § 12 GAPDZV bleiben 85 Prozent der Fläche für Direktzahlungen förderfähig, wenn höchstens 15 Prozent verloren gehen.
- Nach § 35 Abs. 1 Nr. 9 BauGB sind Anlagen bis 2,5 Hektar je Hofstelle unter Bedingungen privilegiert.
Was ist Agri-PV? Landwirtschaft und Stromerzeugung auf einer Fläche
Bei klassischen PV-Freiflächenanlagen dient der Boden fast nur der Energieerzeugung. Agri-Photovoltaik dagegen ist so geplant, dass die landwirtschaftliche Produktion im Vordergrund bleibt. Die PV-Module verschatten einen Teil des Bodens, die Bewirtschaftung mit üblichen Maschinen soll aber weiter möglich sein.
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, kurz Fraunhofer ISE, forscht seit Jahren zu Agri-PV und sieht darin einen Weg, Flächeneffizienz und Klimaziele zu verbinden. Es hat dazu auch einen Leitfaden veröffentlicht. Zusätzlich können die Module Kulturen vor Extremwetter wie Hagel und starker Hitze schützen. Aus der Erzeugung von Strom entsteht für landwirtschaftliche Betriebe so eine zweite Einnahmequelle und mehr Wertschöpfung im ländlichen Raum.
Bauformen der Agri-PV-Anlage: Solarmodule hoch aufgeständert oder bodennah
Agri-PV-Anlagen lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen. Welche passt, hängt von Kultur, Maschinen und Standort ab.
- Hoch aufgeständerte Anlagen: Bei dieser Aufständerung stehen die Module auf einer Unterkonstruktion mehrere Meter über dem Boden. Darunter ist weiter Anbau möglich, etwa von Sonderkulturen wie Obst, Beeren oder Wein, die vom Teilschatten und Schutz profitieren können.
- Bodennahe Anlagen: Die bodennahen PV-Module stehen in Reihen, oft senkrecht mit beidseitig aktiven Modulen. Zwischen den PV-Modulen wird Ackerbau betrieben oder Grünland genutzt, etwa zur Weidenutzung.
Synergien, Vorteile und Nachteile von Agri-PV-Anlagen
Agri-PV schafft Synergien, ist aber aufwendiger als eine normale Freiflächenanlage.
- Doppelnutzung: Der Acker bleibt landwirtschaftlich nutzbar, die Konkurrenz um Boden sinkt.
- Schutz der Kulturen: Teilschatten und Abdeckung können vor Hagel, Hitze und Starkregen schützen.
- Zusätzlicher Ertrag: Solarstrom für den Eigenverbrauch des Hofs oder zur Einspeisung.
- Direktzahlungen: Bei Einhaltung der Vorgaben bleibt der größte Teil förderfähig.
Dem stehen Nachteile gegenüber:
- Höhere Kosten: Die Unterkonstruktion hoch aufgeständerter Anlagen ist aufwendiger als bei Freiflächenanlagen.
- Planung: Kultur, Maschinenbreiten und Modulabstände müssen zusammenpassen.
- Geringerer Lichteinfall: Nicht jede Kultur verträgt Schatten, die Sonneneinstrahlung am Boden sinkt.
- Genehmigung: Größere Projekte brauchen meist einen Bebauungsplan.
Agri-PV-Anlage und Recht: EEG, Baurecht und Direktzahlungen für landwirtschaftlich genutzte Flächen
Im EEG zählt Agri-PV zu den besonderen Solaranlagen nach § 48 Abs. 1 Nr. 5 EEG, etwa auf Ackerflächen mit gleichzeitigem Nutzpflanzenanbau oder auf Dauergrünland. Die Anforderungen legt die Bundesnetzagentur fest. Für Anlagen, die ausreichend hoch oder senkrecht aufgeständert sind, sieht Absatz 1b einen höheren Wert vor.
Im Baurecht sind besondere Solaranlagen nach § 35 Abs. 1 Nr. 9 BauGB im Außenbereich privilegiert, wenn sie in räumlich-funktionalem Zusammenhang mit einem landwirtschaftlichen oder gartenbaulichen Betrieb stehen, die Grundfläche 25.000 Quadratmeter nicht überschreitet und je Hofstelle nur eine Anlage betrieben wird. Größere Agri-PV-Anlagen brauchen in der Regel einen Bebauungsplan der Gemeinde.
Für die EU-Direktzahlungen regelt seit 2023 § 12 GAPDZV, dass Agri-PV auf landwirtschaftlich genutzten Flächen förderfähig bleiben kann. Voraussetzung ist unter anderem, dass die Bewirtschaftung mit üblichen landwirtschaftlichen Methoden, Maschinen und Geräten möglich bleibt, die DIN SPEC 91434 eingehalten wird und die landwirtschaftlich nutzbare Fläche um höchstens 15 Prozent sinkt. Dann sind 85 Prozent der Fläche förderfähig.
Für welche landwirtschaftlichen Betriebe lohnt sich Solarstrom per Agri-PV?
Agri-PV kann sich lohnen, wenn eine Fläche nahe am Hof liegt, ein Netzanschluss in erreichbarer Entfernung ist und die Kultur zur Bauform passt. Betriebe mit hohem Stromverbrauch, etwa für Kühlung, Bewässerung oder Stall, können einen Teil des Solarstroms selbst nutzen. So wird der Strom aus erneuerbarer Energie direkt am Hof verbraucht.
Oft sind aber PV-Anlagen auf Stall-, Scheunen- oder Hallendächern der einfachere erste Schritt: keine Fläche geht verloren, und das Genehmigungsverfahren ist meist schlanker. Mehr dazu findest du im Ratgeber Photovoltaik in der Landwirtschaft und bei der Photovoltaik auf dem Hallendach.
Agri-Photovoltaik planen: So gehst du vor
- Kläre den Netzanschluss früh, er entscheidet oft über das Projekt.
- Sprich mit der Landwirtschaftsbehörde, bevor du Direktzahlungen einplanst.
- Achte bei Pachtverträgen auf Laufzeit, Rückbau und Bewirtschaftung.
- Prüfe Dachflächen am Hof als günstigere Alternative.
- Lass dir die Einhaltung der Norm schriftlich bestätigen.
Auch mit eigener Solaranlage braucht der Hof Strom aus dem Netz, vor allem nachts und im Winter. Prüfe mit dem kostenlosen Tarifcheck, ob dein Stromtarif noch passt.
Photovoltaik für deinen Hof prüfen lassen
Du überlegst, ob Agri-PV, eine Anlage auf dem Stalldach oder eine Verpachtung zu deinem Betrieb passt? Schick uns deine letzte Jahresstromrechnung und ein paar Angaben zu Flächen und Dächern. Wir schauen auf Verbrauch und Möglichkeiten und sagen dir, welche Fragen du klären solltest. Du entscheidest selbst.
Häufig gestellte Fragen zu Agri-PV
Was ist Agri-PV?
Agri-Photovoltaik nutzt dieselbe Fläche gleichzeitig für Landwirtschaft und Stromerzeugung. Die Module stehen über den Kulturen oder in Reihen, zwischen denen bewirtschaftet wird.
Was regelt die DIN SPEC 91434?
Die Norm vom Deutschen Institut für Normung beschreibt Anforderungen an Agri-PV-Anlagen, damit die landwirtschaftliche Nutzung im Vordergrund bleibt. Sie ist Maßstab für die Direktzahlungen nach § 12 GAPDZV.
Bekomme ich für Agri-PV-Flächen weiter Direktzahlungen?
Ja, wenn die Voraussetzungen des § 12 GAPDZV erfüllt sind. Dann sind 85 Prozent der Fläche förderfähig.
Brauche ich für Agri-PV eine Baugenehmigung?
Anlagen bis 25.000 Quadratmeter Grundfläche sind nach § 35 Abs. 1 Nr. 9 BauGB unter Bedingungen privilegiert. Größere Anlagen brauchen meist einen Bebauungsplan.
Welche Kulturen eignen sich für Agri-PV?
Unter hoch aufgeständerten Anlagen oft Sonderkulturen wie Obst oder Beeren, die vom Schutz profitieren. Bodennahe Anlagen passen zu Ackerbau und Grünland zwischen den Reihen.
Wird Agri-PV über das EEG gefördert?
Agri-PV zählt nach § 48 Abs. 1 Nr. 5 EEG zu den besonderen Solaranlagen. Für hoch oder senkrecht aufgeständerte Anlagen sieht § 48 Abs. 1b EEG einen höheren Wert vor.
Ist eine Anlage auf dem Stalldach nicht einfacher?
Oft ja. Dächer kosten keine Fläche und sind meist einfacher zu genehmigen. Agri-PV ist eher eine Ergänzung, wenn die Dachflächen genutzt sind.
Fazit: Agri-PV verbindet Ernte und Energiewende
Agri-PV ermöglicht eine Mehrfachnutzung der Fläche, verbessert die Flächennutzung und kann Kulturen schützen. Dafür ist die Planung anspruchsvoller als bei einer Freiflächenanlage. Wer die Vorgaben von Norm, EEG, BauGB und GAPDZV einhält, kann Stromerzeugung und Landwirtschaft sinnvoll kombinieren. Für viele Höfe bleibt das eigene Dach der einfachste Einstieg.
Quellen und Stand der Angaben
Gesetzestexte · Wortlaut geprüft am 29. September 2026
- § 48 EEG – besondere Solaranlagen · § 35 BauGB – Bauen im Außenbereich
Weiterführend · Links geprüft am 29. September 2026
- Becker Büttner Held: Agri-PV und EU-Direktzahlungen – § 12 GAPDZV, 06.07.2023
- Fraunhofer ISE: Agri-Photovoltaik – Bauformen, DIN SPEC 91434






