Netzentgelte 2027: Was sich beim Strompreis ändert
Netzentgelte 2027 · Jahresupdate

Netzentgelte 2027: Was sich beim Strompreis ändert

Zum 1. Januar 2027 steigen die Stromnetzentgelte im Bundesschnitt um 1,9 Prozent, weil der Bundeszuschuss gekürzt wird. Was davon bei dir ankommt, entscheidet sich im Netzgebiet und in deinem Liefervertrag.

9 Minuten LesezeitQuellen: Verivox/dpa, Netztransparenz, § 24c EnWGStand: 19. Oktober 2026
Inhaltsverzeichnis
  1. Was sich 2027 ändert
  2. Warum sie steigen
  3. Regionale Unterschiede
  4. Anteil am Strompreis
  5. Weitergabe im Liefervertrag
  6. Netzentgelte selbst finden
  7. Gewerbe und dynamische Tarife
  8. Häufige Fragen
  9. Fazit
  10. Persönliche Anfrage

Kurz gesagt: Die Stromnetzentgelte steigen zum 1. Januar 2027 im Bundesschnitt um 1,9 Prozent — rund 8 Euro brutto im Jahr bei 4.000 kWh. Ursache ist der gekürzte Bundeszuschuss. Regional geht die Entwicklung auseinander: im Westen eher nach oben, im Osten teils nach unten.

Im Jahr 2026 hat ein Bundeszuschuss die Netzentgelte gedämpft – eine Entlastung für Stromkunden. Für 2027 dreht sich die Richtung, weil der Zuschuss kleiner wird. Die Zahl von 1,9 Prozent klingt dabei harmloser, als sie sich anfühlt — denn sie ist ein Bundesschnitt, und der sagt über deine Rechnung erst einmal nichts.

Dieser Ratgeber zeigt dir, was für 2027 belegt ist, woran der Anstieg hängt und wie du prüfst, was in deinem Netzgebiet gilt. Wenn du zuerst die Grundlagen brauchst: im Beitrag Was sind Netzentgelte? steht, wofür du sie überhaupt zahlst. Den Rückblick auf das Zuschussjahr findest du unter Netzentgelte 2026.

Das Wichtigste in Kürze

Die Auswertung der bisher veröffentlichten Preisblätter ergibt für 2027 bundesweit plus 1,9 Prozent bei Strom. Grund ist die Kürzung des Bundeszuschusses zu den Übertragungsnetzkosten auf 5,525 Milliarden Euro. Die Entgelte sind noch vorläufig: Die endgültigen Preisblätter kommen bis Jahresende, und das Zuschussgesetz muss erst beschlossen werden. Ob die Erhöhung auf deiner Rechnung landet, hängt von deinem Vertrag ab — nicht automatisch vom Bundesschnitt.

Netzentgelte 2027: Was sich zum Jahreswechsel ändert

Das Vergleichsportal Verivox hat die bislang veröffentlichten Preisblätter der Verteilnetzbetreiber ausgewertet. Ergebnis für Strom: ein Anstieg von 1,9 Prozent im Bundesschnitt zum 1. Januar 2027. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch sind das rechnerisch rund 8 Euro brutto mehr im Jahr. Quelle: dpa-Meldung zur Verivox-Auswertung vom 17. Oktober 2026.

Zwei Einordnungen sind dabei wichtig. Erstens ist das eine Portalauswertung, keine amtliche Bilanz: Sie beruht auf den Preisblättern, die bis Mitte Oktober vorlagen. Zweitens handelt es sich um die vorläufigen Netzentgelte für 2027. Die endgültigen Werte veröffentlichen die Netzbetreiber bis zum Jahresende.

Beim Gas fällt der Anstieg deutlicher aus: rund 3 Prozent im Bundesschnitt, etwa 19 Euro brutto mehr im Jahr bei 20.000 Kilowattstunden. Zu den Netzentgelten für Gas und ihrem Stufenmodell findest du Details unter Netzentgelte Gas.

Warum die Netzentgelte 2027 steigen: der gekürzte Bundeszuschuss

2026 hat der Bund einen Teil der Übertragungsnetzkosten übernommen, damit sie nicht über die Entgelte bezahlt werden müssen. Rechtsgrundlage dafür ist § 24c EnWG, finanziert wurde aus dem Klima- und Transformationsfonds. Für 2027 wird dieser Zuschuss kleiner: von 6,5 auf 5,525 Milliarden Euro, also knapp eine Milliarde Euro weniger.

Die Rechnung dahinter ist einfach. Die Netzkosten selbst verschwinden nicht, wenn der Zuschuss sinkt — sie werden nur wieder stärker über die Entgelte verteilt. Genau das ist der Grund, warum die Entgelte steigen, obwohl sich an den Netzen selbst nichts Dramatisches geändert hat.

Vom Bundeshaushalt zur Stromrechnung
Kleinerer ZuschussDer Bund finanziert 2027 weniger Übertragungsnetzkosten als 2026.
Höhere ÜbertragungsnetzentgelteDer verbleibende Teil wird über die Entgelte verteilt.
Örtliches VerteilnetzDie Kosten werden an die nachgelagerten Verteilnetze weitergereicht und fließen in das Preisblatt deines Netzbetreibers ein.
Dein LiefervertragErst hier entscheidet sich, ob und wann die Änderung bei dir ankommt.
Der Anstieg entsteht nicht im Netz, sondern im Bundeshaushalt. Bei dir ankommt er erst über den Liefervertrag.

Noch offen: Das Gesetz zum Zuschuss für 2027 ist zum Stand dieses Beitrags nicht beschlossen. Kommt es nicht rechtzeitig zustande, können die Netzentgelte höher ausfallen als die jetzt veröffentlichten vorläufigen Werte. Als Stichtag wird der 7. Dezember 2026 genannt.

Regional sehr unterschiedlich: warum West steigt und Ost teils sinkt

Der Bundesschnitt von 1,9 Prozent verdeckt eine große Spreizung. In den alten Bundesländern steigen die Netzkosten im Schnitt um etwa 10 Euro im Jahr, in den neuen Bundesländern fallen sie dagegen niedriger aus und sinken um etwa 3 Euro. Am stärksten steigen sie in Hamburg.

Das klingt widersprüchlich, hat aber einen nachvollziehbaren Hintergrund: Seit 2025 können besonders durch den Ausbau erneuerbarer Energien belastete Netzgebiete einen Teil ihrer Kosten bundesweit verteilen. Davon profitieren vor allem Netzgebiete im Norden und Osten — und zwar unabhängig davon, wie sich der Bundeszuschuss entwickelt. Beide Effekte überlagern sich, und je nach Netzgebiet gewinnt der eine oder der andere.

Eine Rangliste der Bundesländer hilft dir deshalb nur zur Orientierung. Entscheidend ist dein Netzbetreiber, nicht dein Bundesland. Die aktuellen Werte im Ländervergleich findest du in unserer Übersicht Netzentgelte nach Bundesländern, die Preisblätter großer Netzbetreiber unter Netzentgelte der Netzbetreiber.

Wie viel vom Strompreis sind Netzentgelte überhaupt?

Netzentgelte machen laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) etwa ein Viertel des Strompreises für private Haushalte aus. Das ist der Grund, warum 1,9 Prozent mehr Netzentgelt nicht 1,9 Prozent mehr Stromrechnung bedeuten. Ein Viertel von plus 1,9 Prozent landet rechnerisch bei knapp einem halben Prozent auf den Gesamtpreis — wenn sich sonst nichts ändert.

Den Rest deines Strompreises machen die Beschaffung durch den Lieferanten, Steuern und Abgaben, Umlagen und die Vertriebsmarge aus. Diese Bestandteile bewegen sich unabhängig voneinander. Es kann also passieren, dass dein Preis bei steigenden Netzentgelten gleich bleibt — oder trotz moderater Netzentgelte deutlich steigt. Wie sich die Teile zusammensetzen, erklärt der Beitrag Strompreis pro kWh, die längere Entwicklung der Beitrag Strompreisentwicklung.

Muss dein Stromanbieter die Erhöhung weitergeben?

Automatisch passiert hier nichts. Ob und wann du von höheren Netzentgelten etwas merkst, hängt an deinem Vertrag.

VertragssituationWas 2027 zu erwarten ist
GrundversorgungPreisanpassungen sind hier üblich und werden in der Regel zum Jahreswechsel umgesetzt. Der Grundversorger muss die Änderung vorab mitteilen.
Laufzeitvertrag mit EnergiepreisgarantieGarantiert ist meist nur der Energieanteil. Netzentgelte, Steuern und Umlagen sind häufig ausdrücklich ausgenommen und können weitergegeben werden.
Laufzeitvertrag mit umfassender PreisgarantieDeckt in der Regel auch die staatlich und regulatorisch gesetzten Bestandteile ab. Was genau gilt, steht in den Vertragsbedingungen.
Dynamischer TarifDer Börsenanteil schwankt ohnehin. Netzentgelte sind hier ein fester Aufschlag und wirken ab Januar in neuer Höhe.

Wird dein Preis erhöht, bekommst du ein Schreiben — und daraus leitet sich dein nächster Schritt ab. Die Mitteilung muss den Grund, den Umfang und den Hinweis auf dein Sonderkündigungsrecht enthalten. Fehlt davon etwas, kann die Erhöhung angreifbar sein. Wichtig für 2027: Das Sonderkündigungsrecht greift auch dann, wenn der Lieferant die Erhöhung mit gestiegenen Netzentgelten begründet. Die Fristen und eine Vorlage findest du unter Sonderkündigungsrecht Strom.

Tipps & Tricks

Fünf Punkte, die du im Preisbrief prüfen solltest

  1. Datum und Stichtag: Ab wann gilt der neue Preis, und wann ist der Brief bei dir eingegangen?
  2. Genannter Grund: Steht konkret da, warum erhöht wird — oder nur eine Floskel zur Marktlage?
  3. Höhe getrennt nach Bestandteil: Wie viel davon ist Netzentgelt, wie viel Beschaffung? Nur so erkennst du, ob die Erhöhung plausibel ist.
  4. Hinweis auf das Sonderkündigungsrecht: Er muss im Schreiben stehen.
  5. Deine Frist: Die Kündigung muss den Lieferanten spätestens erreichen, wenn die neuen Preise gelten. Erst neuen Vertrag sichern, dann kündigen.

Netzentgelte 2027 auf deiner Rechnung und im Preisblatt finden

Auf der Jahresrechnung stehen die Netzentgelte als eigene Position, oft zusammengefasst als „Netznutzung" oder „Netzentgelte inklusive Messstellenbetrieb". Getrennt ausgewiesen sind in der Regel ein Arbeitspreis in Cent pro Kilowattstunde und ein Grundpreis in Euro pro Jahr.

Für die genauen Werte brauchst du das Preisblatt deines Netzbetreibers — nicht deines Lieferanten. Das sind zwei verschiedene Unternehmen, und der Netzbetreiber steht ebenfalls auf deiner Rechnung. So gehst du vor:

  1. Netzbetreiber auf der Stromrechnung ablesen.
  2. Auf dessen Internetseite den Bereich „Netzentgelte Strom" öffnen.
  3. Das Preisblatt für 2027 wählen — und darauf achten, ob es als vorläufig oder endgültig gekennzeichnet ist.
  4. Die Abrechnungsvariante ohne Leistungsmessung nehmen, wenn das deinem Anschluss entspricht.
  5. Für den Vergleich zusätzlich das Preisblatt 2026 öffnen und denselben Jahresverbrauch zugrunde legen.

Ein Hinweis zur Vergleichsdisziplin: Ein veröffentlichter Arbeitspreis der Höchstspannungsebene ist kein Haushaltspreis. Wenn du Zahlen aus zwei Jahren gegenüberstellst, müssen Verbrauch, Preisbasis (netto oder brutto) und Netzebene zusammenpassen — sonst ist das Ergebnis unbrauchbar. Rechnen kannst du die Differenz mit dem Netzkosten-Vergleichsrechner im Beitrag zu 2026; die Logik ist für 2027 dieselbe.

Du hast schon einen Preisbrief bekommen und willst wissen, was die Erhöhung dich im Jahr kostet?

Strompreiserhöhung berechnen
Alter Preis, neuer Preis, dein Verbrauch — und du siehst die Jahresdifferenz.

Was gilt für Gewerbe und dynamische Tarife?

Für Gewerbebetriebe mit Standardlastprofil gilt im Grundsatz dasselbe: Der Netzanteil steigt dort, wo das örtliche Preisblatt ihn erhöht, und der Liefervertrag entscheidet über die Weitergabe. Der Unterschied liegt im Hebel — bei höherem Verbrauch summiert sich auch ein kleiner Prozentsatz. Bei Betrieben mit registrierender Lastgangmessung kommt der Leistungspreis hinzu, und der reagiert auf deine Lastspitzen, nicht auf die Jahresverbrauchsmenge. Dort lohnt der Blick in den Lastgang oft mehr als der in den Prozentsatz.

Bei dynamischen Tarifen ist das Netzentgelt ein fester Bestandteil neben dem schwankenden Börsenpreis. Wer steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpe oder Wallbox betreibt, kann zusätzlich von den Regelungen nach § 14a EnWG und — wo angeboten — von dynamischen Netzentgelten betroffen sein. Das ist eine eigene Rechnung und nicht mit dem Bundesschnitt zu verwechseln.

Preisbrief bekommen? Wir rechnen nach

Wenn dein Lieferant zum Jahreswechsel erhöht, kannst du deinen Tarif von uns prüfen lassen — mit deinem tatsächlichen Verbrauch und deinen Vertragsbedingungen. Der Tarifcheck zeigt dir, ob ein Wechsel in deinem Fall etwas bringt.

Der Tarifcheck ist für dich kostenlos und unverbindlich. Kommt ein vermittelter Vertrag zustande, erhält Ganter Energie eine Provision. Eine bestimmte Ersparnis wird nicht garantiert. Für Betriebe gibt es den Gewerbestrom-Vergleich.

Häufige Fragen zu den Netzentgelten 2027

Steigen die Netzentgelte 2027?

Ja. Nach Auswertung der bisher veröffentlichten Preisblätter steigen die Stromnetzentgelte zum 1. Januar 2027 im Bundesschnitt um 1,9 Prozent, die Gasnetzentgelte um rund 3 Prozent. Die Werte sind noch vorläufig; die endgültigen Preisblätter kommen bis Jahresende.

Wie viel mehr zahle ich konkret?

Für einen Haushalt mit 4.000 kWh Stromverbrauch sind rund 8 Euro brutto im Jahr genannt, bei 20.000 kWh Gas rund 19 Euro. Das sind Bundesschnitte. In den alten Bundesländern liegt der Wert eher bei 10 Euro, in den neuen Bundesländern können die Netzkosten um etwa 3 Euro sinken.

Warum steigen die Netzentgelte, obwohl sie 2026 gesunken sind?

2026 hat ein Bundeszuschuss von 6,5 Milliarden Euro die Übertragungsnetzkosten gedämpft. Für 2027 sinkt dieser Zuschuss auf 5,525 Milliarden Euro. Der Teil, der nicht mehr aus dem Bundeshaushalt kommt, wird wieder über die Entgelte verteilt.

Können die Netzentgelte 2027 noch höher ausfallen?

Ja, das ist möglich. Das Gesetz zum Zuschuss für 2027 ist zum Stand dieses Beitrags nicht beschlossen. Kommt es nicht rechtzeitig zustande, liegen die endgültigen Netzentgelte über den jetzt veröffentlichten vorläufigen Werten.

Muss mein Stromanbieter die höheren Netzentgelte weitergeben?

Verpflichtet ist er dazu nicht, möglich ist es in vielen Verträgen. Eine Energiepreisgarantie deckt meist nur den Energieanteil ab und nimmt Netzentgelte ausdrücklich aus. Was in deinem Fall gilt, steht in den Vertragsbedingungen.

Habe ich ein Sonderkündigungsrecht, wenn mit Netzentgelten begründet wird?

Ja, bei einer einseitigen Preiserhöhung besteht das Sonderkündigungsrecht unabhängig davon, womit der Lieferant sie begründet. Die Kündigung muss den Lieferanten spätestens erreichen, wenn die neuen Preise gelten. Schließe vorher einen neuen Vertrag ab, damit du nicht in der teureren Ersatzversorgung landest.

Wo finde ich die Netzentgelte für meine Adresse?

Auf der Internetseite deines Netzbetreibers im Bereich „Netzentgelte Strom". Den Netzbetreiber liest du auf deiner Stromrechnung ab — er ist nicht identisch mit deinem Stromlieferanten.

Kann ich wegen hoher Netzentgelte den Netzbetreiber wechseln?

Nein. Der Netzbetreiber ist an deine Adresse gebunden. Wechseln kannst du nur den Lieferanten — und damit den Teil des Preises, der nicht aus dem Netz kommt.

Fazit: Der Bundesschnitt ist nicht deine Rechnung

Für 2027 steht die Richtung fest: Der Zuschuss sinkt, die Netzentgelte steigen im Schnitt leicht. Für deinen Strompreis 2027 sind aber drei andere Dinge entscheidend — das Preisblatt deines Netzbetreibers, der Anteil der Netzentgelte am Gesamtpreis und die Frage, ob dein Vertrag eine Weitergabe überhaupt zulässt. Wenn der Preisbrief kommt, prüfe ihn Position für Position, statt den Bundesschnitt auf deinen Verbrauch zu rechnen.

Christian Grünefeld · Ganter Energie

Fachstand: 19. Oktober 2026. Jahresupdate zu den Netzentgelten 2027. Quellenstand: 19. Oktober 2026. Die Entgelte für 2027 sind vorläufig.