Strompreis Gewerbe: Was kostet Gewerbestrom pro kWh?
Der Preis pro Kilowattstunde besteht aus fünf Blöcken. Nur einen davon verhandelst du — zwei sind gesetzlich fixiert, einer hängt an deinem Netzgebiet.
Inhaltsverzeichnis
- Durchschnittswerte 2026
- Woraus sich die Gewerbestrom-Kosten zusammensetzen
- Beschaffung und Vertrieb
- Netzentgelte und Messstellenbetrieb
- Umlagen 2026
- Stromsteuer und Konzessionsabgabe
- Rechenweg pro kWh am Beispiel
- Warum sich der Rechenweg mit Leistungsmessung ändert
- Lohnt sich Gewerbestrom?
- 5 Praxistipps für den Kostenvergleich
- Passende Angebote persönlich prüfen lassen
- Häufige Fragen zum Thema Gewerbestrom
- Fazit
Kurz gesagt: Der Strompreis für Gewerbe lag im 1. Halbjahr 2026 laut Statistischem Bundesamt im Schnitt bei 23,66 Cent je kWh für Betriebe mit 20 bis 500 MWh Jahresverbrauch, ohne Mehrwertsteuer. Dein eigener Preis pro Kilowattstunde besteht aus fünf Blöcken. Nur einen davon verhandelst du, zwei sind gesetzlich fixiert, einer hängt an deinem Netzgebiet — und einen kannst du dir als produzierender Betrieb teilweise zurückholen.
Was kostet Gewerbestrom wirklich? Die ehrliche Antwort: Das hängt von fünf Blöcken ab, die sich sehr unterschiedlich verhalten. Die Gewerbestrom-Kosten eines Betriebs stecken jedenfalls nicht in einer einzigen Zahl. Ein Angebot über „22 Cent pro Kilowattstunde“ sagt für sich genommen wenig. Entscheidend ist, welche Bestandteile in diesem Preis pro kWh schon enthalten sind und welche noch dazukommen. Genau daran scheitern die meisten Rechnungen zu den eigenen Stromkosten.
Dieser Ratgeber zerlegt den Gewerbestrompreis in seine Bestandteile und rechnet ihn für einen Beispielbetrieb einmal komplett durch — vom Arbeitspreis über Netzentgelte, Abgaben und Umlagen bis zur Stromsteuer. Wenn du dagegen Angebote gegenüberstellen und den Anbieter wechseln möchtest, findest du das im Ratgeber Gewerbestrom vergleichen.
Gewerbestrom bezeichnet dabei kein eigenes Produkt, sondern eine Vertragsform für Gewerbe und Unternehmen — vom Selbstständigen mit Büro über Handwerksbetriebe bis zu kleinen und mittleren Unternehmen. Auch Freiberufler mit eigenen Geschäftsräumen fallen darunter. Wer darf Gewerbestrom beziehen? Grundsätzlich jeder Gewerbetreibende, Freiberufler oder Selbstständige mit eigenem Liefervertrag – ausschlaggebend ist der Verwendungszweck, nicht die Rechtsform. Von Industriestrom unterscheidet ihn vor allem die Größenordnung: Gewerbestromtarife decken typischerweise den Bereich unterhalb von 100.000 kWh pro Jahr ab, darüber, also bei mehr als 100.000 kWh, gelten andere Abrechnungsregeln. Der Strompreis für Gewerbe folgt dabei 2026 denselben Bausteinen wie im Vorjahr — nur mit anderen Beträgen.
Leg deine letzte Jahresabrechnung bereit, dazu das aktuelle Preisblatt deines Netzbetreibers und deinen Liefervertrag. Aus der Abrechnung brauchst du den Jahresverbrauch in kWh, die Marktlokations-ID und die Angabe, ob dein Zähler nach Standardlastprofil oder mit registrierender Leistungsmessung abgerechnet wird. Der monatlich gezahlte Abschlag hilft dir nicht weiter — maßgeblich ist der abgerechnete Stromverbrauch eines vollen Jahres.
Strompreis Gewerbe 2026: Durchschnittswerte im Überblick
Wie hoch der Strompreis für Gewerbe im Schnitt liegt, erheben zwei Stellen regelmäßig. Das Statistische Bundesamt (Destatis) ermittelt jedes Halbjahr die Preise für Nicht-Haushaltskunden, der BDEW wertet neu abgeschlossene Verträge kleiner und mittlerer Industriebetriebe aus. Beide Werte sind Durchschnitte über viele Netzgebiete und Tarife. Sie helfen dir, ein Angebot einzuordnen, ersetzen aber nicht die Rechnung mit deinem eigenen Verbrauch.
| Quelle | Kundengruppe | Strompreis |
|---|---|---|
| Destatis, 1. Halbjahr 2026 | Nicht-Haushalte mit 20 bis 500 MWh im Jahr | 23,66 ct/kWh |
| Destatis, 1. Halbjahr 2026 | alle Nicht-Haushalte | 17,64 ct/kWh |
| Destatis, 1. Halbjahr 2026 | Nicht-Haushalte über 150.000 MWh im Jahr | 12,67 ct/kWh |
| BDEW, 2026 | kleine und mittlere Industrie, 160.000 kWh bis 20 Mio. kWh, Mittelspannung | 17,2 ct/kWh |
Für die meisten kleineren Betriebe ist die Destatis-Klasse von 20 bis 500 MWh die passende Orientierung, das sind 20.000 bis 500.000 kWh im Jahr. Liegt ein Angebot deutlich über diesem Durchschnitt, lohnt ein genauer Blick auf den Arbeitspreis. Liegt es deutlich darunter, prüfe, ob Netzentgelte, Umlagen und Steuern schon enthalten sind. Die Destatis-Werte sind vorläufig, weil der geplante Industriestrompreis darin noch nicht berücksichtigt ist.
Strompreisentwicklung für Gewerbe und Industrie
Laut Destatis sank der Strompreis für Nicht-Haushalte mit 20 bis 500 MWh im 1. Halbjahr 2026 um 9,6 Prozent gegenüber dem 2. Halbjahr 2025. Gegenüber dem 1. Halbjahr 2021 lag er aber noch 15,8 Prozent höher. Der BDEW-Durchschnitt für kleine und mittlere Industriebetriebe fiel von 24,5 Cent je kWh im Jahr 2023 auf 17,2 Cent im Jahr 2026. Für 2026 senkt unter anderem der Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten die Netzkosten, mehr dazu weiter unten. Wie sich die Preise über die Jahre entwickelt haben, zeigt der Ratgeber Strompreisentwicklung.
Stromtarif für Gewerbe: Festpreis oder flexibel?
Ob dein Strompreis stabil bleibt, hängt auch vom Stromtarif ab. Ein Festpreis schützt vor Preisschwankungen. Ein flexibler Tarif mit Spot-Anteil folgt den Preisen an der Strombörse und kann günstiger oder teurer ausfallen, je nachdem, wie stark die Börsenpreise schwanken. Welche Strategie zu deinem Energiebedarf passt, erklärt der Ratgeber Energiebeschaffung. Für Gewerbe und Industrie gilt dasselbe wie für einen Privathaushalt: Wer Stromtarife vergleicht, rechnet immer mit dem jährlichen Stromverbrauch, ob im Bürogebäude, in der Werkstatt oder in der Produktion.
Die fünf Blöcke: Woraus sich die Gewerbestrom-Kosten zusammensetzen
Jede Kilowattstunde, die dein Betrieb bezieht, trägt fünf Kostenblöcke. Sie unterscheiden sich grundlegend darin, wie viel Einfluss du auf sie hast:
Die Einordnung deiner Lieferstelle und Nutzung behandelst du vor dem Vergleich mit den Voraussetzungen für Gewerbestrom.
Beschaffung und VertriebDer Energiepreis deines Lieferanten, inklusive seiner Marge und Risikoaufschläge
verhandelbarNetzentgelte und MessstellenbetriebVom örtlichen Netzbetreiber festgelegt, von der Bundesnetzagentur genehmigt
standortabhängigUmlagenBundesweit einheitlich, jährlich von den Übertragungsnetzbetreibern veröffentlicht
fixStromsteuerGesetzlich festgelegt — mit Entlastungsmöglichkeit für bestimmte Betriebe
teilweise erstattbarKonzessionsabgabeFür die Nutzung öffentlicher Wege, gedeckelt durch Verordnung
fixAlle folgenden Beträge verstehen sich netto. Die Umsatzsteuer von 19 Prozent kommt am Ende obendrauf, ist für dich als vorsteuerabzugsberechtigtes Unternehmen aber ein durchlaufender Posten und für den Kostenvergleich unerheblich.
Arbeitspreis für Beschaffung und Vertrieb: der verhandelbare Teil im Gewerbestromtarif
Dieser Block deckt den Einkauf der Energie an der Börse oder über bilaterale Verträge, die Bewirtschaftung des Portfolios, Vertriebskosten und die Marge des Lieferanten. Er ist der einzige echte Verhandlungsgegenstand — und je nach Vertragsmodell auch der einzige, der sich innerhalb der Laufzeit ändern kann.
Bei Gewerbekunden wird er meist als Arbeitspreis in Cent pro Kilowattstunde ausgewiesen, teils ergänzt um einen Grundpreis pro Jahr. Wichtig beim Lesen eines Gewerbestromtarifs: Manche Stromanbieter weisen einen reinen Energiepreis aus, andere einen bereits um Abgaben und Umlagen erhöhten „Gesamtarbeitspreis“. Zwei Zahlen, die nach demselben aussehen, können deshalb Blöcke enthalten, die sich um mehrere Cent unterscheiden.
Was kostet Gewerbestrom als Ökostrom? Ob du konventionellen Strom oder Ökostrom beziehst, wirkt sich ebenfalls nur hier aus: Ein Ökostromtarif verändert weder Netzentgelte noch Abgaben, sondern allein den Energiepreis. Wie stark die Angebote verschiedener Energieversorger variieren, hängt außerdem vom Zeitpunkt der Beschaffung am Energiemarkt ab — zwei Gewerbestromtarife mit identischer Laufzeit können zu völlig unterschiedlichen Einkaufspreisen kalkuliert worden sein.
Auf diesen Block wirken auch Laufzeit und Preisgarantie: Beide verändern nicht die Höhe der übrigen Bestandteile, sondern nur, wie lange der Energiepreis fest steht. Welche Konditionen dabei sinnvoll sind und welche Kündigungsfrist dazu passt, gehört in den Angebotsvergleich und nicht in die Kostenrechnung — deshalb bleibt es hier beim Hinweis.
Netzentgelte und Messstellenbetrieb: der standortabhängige Teil im Strompreis
Die Netzentgelte bezahlen Transport und Verteilung des Stroms. Sie sind der individuellste Block: Es gibt keinen bundesweit einheitlichen Betrag, sondern für jedes Netzgebiet ein eigenes Preisblatt. Die Kalkulationsgrundlage steht in der Stromnetzentgeltverordnung. Rechtsgrundlage: § 17 StromNEV. Wie unterschiedlich die Netzentgelte je nach Stadt ausfallen, zeigen unsere Seiten zu Berlin, Hamburg, Köln und Essen.
Netzentgelte 2026: was der Bundeszuschuss am Strompreis ändert
Für 2026 kommt eine Besonderheit hinzu: Der Bund bezuschusst die Übertragungsnetzkosten mit 6,5 Milliarden Euro und dämpft damit die Netzentgelte. Wie stark sich das bei dir auswirkt, hängt vom Netzgebiet ab — Die Übertragungsnetzentgelte werden dadurch deutlich gesenkt, doch die Entlastung kann regional erheblich variieren. Unternehmen spüren den Zuschuss tendenziell stärker als Haushalte, weil sie näher am Übertragungsnetz angeschlossen sind. Quelle: Bundesregierung zum Netzentgeltzuschuss 2026. Was das konkret bedeutet, steht im Ratgeber Netzentgelte 2026; die Grundlagen erklärt Was sind Netzentgelte.
Messstellenbetrieb: der übersehene Festbetrag
Der Messstellenbetrieb wird separat abgerechnet und taucht als jährlicher Festbetrag auf. Er gehört in die Rechnung, wird beim Angebotsvergleich aber gern übersehen, weil er nicht im Cent-Preis steckt.
Abgaben und Umlagen 2026: drei Posten, bundesweit gleich
Die Übertragungsnetzbetreiber haben die netzentgeltbasierten Umlagen für 2026 am 24. Oktober 2025 veröffentlicht. Für nicht privilegierte Letztverbraucher — also den normalen Gewerbebetrieb ohne besondere Ausgleichsregelung — gelten diese Werte:
Gegenüber 2025 sind das rund elf Prozent mehr. Den größten Sprung macht die KWKG-Umlage, die Offshore-Netzumlage steigt das vierte Jahr in Folge. Quelle: Veröffentlichung der Übertragungsnetzbetreiber auf netztransparenz.de. Was hinter den einzelnen Umlagen steckt, erklärt der Ratgeber KWKG-Umlage.
Diese Umlagen sind entfallen
Zwei Umlagen, die du auf älteren Rechnungen noch findest, gibt es nicht mehr: Die EEG-Umlage entfiel zum 1. Juli 2022, die Umlage für abschaltbare Lasten wird seit 2023 nicht mehr erhoben. Wenn ein Angebot sie noch aufführt, ist es veraltet.
Stromsteuer und Konzessionsabgabe pro Kilowattstunde
Stromsteuer: 2,05 Cent — für das produzierende Gewerbe auf 0,05 Cent gesenkt
Der reguläre Stromsteuersatz liegt bei 2,05 Cent je Kilowattstunde und ist seit 2003 unverändert. Für Unternehmen des Produzierenden Gewerbes sowie der Land- und Forstwirtschaft gibt es nach § 9b Stromsteuergesetz eine Entlastung von 2,00 Cent je Kilowattstunde. Effektiv bleiben damit 0,05 Cent. Seit 2026 ist diese Entlastung dauerhaft im Gesetz verankert und nicht mehr befristet. Quelle: Bundesfinanzministerium zu den Änderungen 2026.
Unterlagen und unterschiedliche Entlastungswege findest du im Ratgeber zur Strom- und Energiesteuerentlastung für Unternehmen.
Zwei Punkte werden dabei oft übersehen. Erstens: Die Entlastung wird nicht automatisch verrechnet, sondern muss beim zuständigen Hauptzollamt beantragt werden. Zweitens gilt ein Selbstbehalt von 250 Euro im Jahr — die ersten 250 Euro der Erstattung bekommst du also nicht. Bei kleinen Verbräuchen frisst der Selbstbehalt den Vorteil weitgehend auf, ab einigen zehntausend Kilowattstunden fällt er kaum noch ins Gewicht.
Zum Produzierenden Gewerbe zählen neben Industriebetrieben auch viele Handwerksbetriebe, etwa Bäckereien und Fleischereien. Wie sich Strom- und Gaskosten in einer Backstube verteilen, zeigt unser Ratgeber zu den Energiekosten einer Bäckerei. Für einzelne Prozesse wie Elektrolyse, Metallerzeugung oder die Glas- und Keramikherstellung ist nach § 9a Stromsteuergesetz sogar eine vollständige Entlastung möglich. Ob dein Betrieb unter die Definition fällt, entscheidet die Zuordnung nach der amtlichen Wirtschaftszweigklassifikation — das ist eine Einzelfallprüfung und keine Frage der Selbsteinschätzung.
Konzessionsabgabe: für Gewerbekunden ein stark reduzierter Satz
Die Konzessionsabgabe zahlt der Netzbetreiber an die Kommune dafür, dass er öffentliche Wege für seine Leitungen nutzen darf. Die Höchstbeträge stehen in der Konzessionsabgabenverordnung und hängen davon ab, wie du eingestuft bist. Welcher Satz für deinen Betrieb gilt, zeigt der Ratgeber Konzessionsabgabe.
Als Sondervertragskunde zahlst du einen stark reduzierten Satz: einen einheitlichen Höchstbetrag von 0,11 Cent je Kilowattstunde. Sondervertragskunde bist du in der Regel, wenn die Lieferung außerhalb des Niederspannungsnetzes erfolgt oder deine gemessene Leistung in mindestens zwei Monaten über 30 Kilowatt lag und der Jahresverbrauch über 30.000 Kilowattstunden liegt. Wirst du dagegen als Tarifkunde abgerechnet, richtet sich der Betrag nach der Einwohnerzahl deiner Gemeinde und liegt zwischen 1,32 und 2,39 Cent je Kilowattstunde.
Der Unterschied ist erheblich: Zwischen Tarif- und Sondervertragseinstufung liegen bis zu 2,28 Cent je Kilowattstunde. Ein Blick auf die Einstufung in deiner Rechnung lohnt sich deshalb — gerade bei Betrieben, die knapp über den Schwellen liegen.
Ergänzend gibt es einen Grenzpreis: Unterschreitet der Durchschnittspreis deiner Belieferung diesen Wert, entfällt die Konzessionsabgabe für Sondervertragskunden ganz. Der Grenzpreis wird jährlich aus dem Durchschnittserlös des vorletzten Kalenderjahres abgeleitet und verändert sich mit dem Marktniveau.
Was kostet Gewerbestrom? Rechenweg pro kWh am Beispiel
Alle Preise in diesem Beispiel sind frei gewählt. Sie zeigen ausschließlich den Rechenweg und sind weder ein aktuelles Angebot noch eine Prognose. Fest sind nur die gesetzlich beziehungsweise bundesweit festgelegten Beträge: Umlagen, Stromsteuer und Konzessionsabgabe.
Angenommen, eine Bäckerei bezieht 40.000 Kilowattstunden im Jahr, wird nach Standardlastprofil abgerechnet und ist als Sondervertragskunde eingestuft.
+ 7,500 ct Netzentgelt (Arbeitspreis)
+ 2,946 ct Umlagen 2026
+ 2,050 ct Stromsteuer
+ 0,110 ct Konzessionsabgabe
= 24,606 ct je kWh
Daraus ergeben sich 40.000 × 0,24606 Euro = 9.842,40 Euro. Dazu kommen die Festbeträge: 120 Euro Netzgrundpreis und 60 Euro Messstellenbetrieb, zusammen 180 Euro. Die Jahresrechnung liegt damit bei 10.022,40 Euro netto — oder 25,06 Cent je Kilowattstunde im Durchschnitt.
Was die Stromsteuerentlastung im Beispiel wert ist
Die Bäckerei zählt zum Produzierenden Gewerbe und kann die Entlastung nach § 9b beantragen. Der Rechenweg:
− 250 € Selbstbehalt
= 550 € Erstattung im Jahr
Aus 10.022,40 Euro werden damit 9.472,40 Euro — der effektive Preis sinkt von 25,06 auf 23,68 Cent je Kilowattstunde. Das entspricht rund 1,38 Cent je Kilowattstunde, die kein Anbieterwechsel liefern muss, weil sie über den Zoll kommen.
Genau daran zeigt sich, warum die Blöcke getrennt gehören: Ein um 0,5 Cent günstigeres Angebot bringt in diesem Beispiel 200 Euro im Jahr. Ein korrekt gestellter Entlastungsantrag bringt 550 Euro — einmal jährlich, ohne Vertragswechsel.
Ab 100.000 kWh pro Jahr: warum sich der Rechenweg mit Leistungsmessung ändert
Das Beispiel oben gilt für die Abrechnung nach Standardlastprofil. Ab einem Jahresverbrauch von etwa 100.000 kWh pro Jahr wird stattdessen registrierend gemessen — und dann kommt ein zweiter Preisbestandteil hinzu: der Leistungspreis in Euro je Kilowatt und Jahr, bezogen auf deine höchste Viertelstundenleistung im Abrechnungszeitraum.
Messung, Lastwerte und Kostenbestandteile erklärt der Ratgeber zum RLM-Zähler.
Damit ändert sich die Logik grundlegend. Nicht nur wie viel du verbrauchst zählt, sondern auch wann und wie gleichmäßig. Gerade bei hohem Stromverbrauch entscheidet das Lastverhalten mit über die Kosten. Eine einzelne Lastspitze kann die Jahreskosten spürbar anheben, ohne dass sich der Verbrauch nennenswert erhöht hat. Die Berechnung dazu regelt § 17 Absatz 2 StromNEV; die Unterschiede zwischen den Messarten erklärt der Ratgeber Lastprofil Strom.
Lohnt sich Gewerbestrom für dein Unternehmen?
Ob sich Gewerbestrom für dein Unternehmen lohnt, zeigt erst der Vergleich mit deinem bisherigen Tarif auf derselben Rechenbasis: gleicher Jahresverbrauch, gleiche Laufzeit, alle Preisbestandteile. Gewerbestromanbieter kalkulieren Tarife für Gewerbestrom oft mit anderen Laufzeiten, Preisgarantien und Kündigungsfristen als Haushaltstarife. Ein Vergleichsportal zeigt vor allem Listenpreise; bei höherem Verbrauch rechnen viele Anbieter ein individuelles Angebot.
Viele Anbieter bieten Gewerbestrom auch als Ökostrom aus erneuerbaren Energien an. Worauf es dabei ankommt, erklärt unser Beitrag zum Herkunftsnachweis. Ob dein Betrieb einen Gewerbetarif nutzen kann, klärt der Ratgeber Gewerbestrom: Voraussetzungen. Wie du Angebote vergleichst, zeigt Gewerbestrom vergleichen.
5 Praxistipps für einen nachvollziehbaren Kostenvergleich
- Alle Kosten einbeziehen: Vergleiche Arbeitspreis, Grundpreis, Netzfestbetrag und Messstellenbetrieb zusammen.
- Eine Steuerbasis verwenden: Halte Nettopreise und Bruttopreise im Vergleich auseinander.
- Gleichen Verbrauch ansetzen: Rechne alle Angebote mit derselben Jahresmenge.
- Boni getrennt ausweisen: Unterscheide einmalige Vorteile von den laufenden Kosten.
- Entlastungen separat führen: Stelle eine mögliche Steuerentlastung getrennt vom Lieferangebot dar.
Für die vollständige Vorbereitung kannst du den Stromkostenrechner nutzen, um Arbeits- und Grundpreis auf Jahreskosten umzurechnen.
Passende Angebote persönlich prüfen lassen
Du hast deine Preisbestandteile sortiert und möchtest wissen, was davon am Markt tatsächlich verhandelbar ist? Wir prüfen passende verfügbare Gewerbetarife aus unserem Netzwerk anhand deiner Situation.
Kein vollständiger Live-Marktvergleich und keine Rechts-, Steuer- oder technische Beratung. Eine bestimmte Ersparnis oder ein Bestpreis wird nicht garantiert. Bei erfolgreichem Abschluss oder einer Vermittlung kann Ganter Energie eine Vergütung erhalten.
Angaben aus dem Rechenbeispiel werden nicht automatisch übertragen.Datenschutz
Häufige Fragen zum Thema Gewerbestrom
Wie hoch ist der Strompreis für Gewerbe 2026?
Laut Statistischem Bundesamt zahlten Nicht-Haushalte mit 20 bis 500 MWh Jahresverbrauch im 1. Halbjahr 2026 vorläufig durchschnittlich 23,66 Cent je kWh, ohne Mehrwertsteuer und andere abzugsfähige Steuern. Über alle Nicht-Haushalte lag der Schnitt bei 17,64 Cent. Der BDEW nennt für kleine und mittlere Industriebetriebe 17,2 Cent je kWh. Dein eigener Preis hängt von Anbieter, Netzgebiet und Verbrauch ab.
Was kostet Gewerbestrom aktuell pro kWh?
Einen allgemeingültigen Preis pro kWh gibt es nicht — die Gewerbestrom-Kosten setzen sich pro Betrieb anders zusammen. Fest sind 2026 nur die Abgaben und Umlagen mit 2,946 Cent, die Stromsteuer mit 2,05 Cent und die Konzessionsabgabe mit höchstens 0,11 Cent für Sondervertragskunden. Beschaffung und Netzentgelt hängen von Stromanbieter, Netzgebiet und Verbrauchsprofil ab. Wer Gewerbestrom beziehen möchte, rechnet deshalb immer mit dem eigenen Preisblatt und deinem tatsächlichen Jahresverbrauch in kWh statt mit einem Durchschnittswert.
Ab welchem Jahresverbrauch lohnt sich ein Gewerbestromtarif?
Die Frage ist weniger eine des Lohnens als der Einstufung. Als Sondervertragskunde wirst du in der Regel geführt, wenn deine gemessene Leistung in mindestens zwei Monaten über 30 Kilowatt lag und der Jahresverbrauch 30.000 kWh übersteigt. Ab diesem Punkt sinkt die Konzessionsabgabe deutlich. Ab rund 100.000 kWh pro Jahr kommt zusätzlich die Leistungsmessung ins Spiel und damit ein zweiter Preisbestandteil.
Gewerbestrom oder Privatstrom: Was ist günstiger?
Häufig ja, aber nicht wegen eines besonders günstigen Tarifs. Der Unterschied zwischen Gewerbestrom und Privatstrom entsteht vor allem dadurch, dass gewerbliche Strompreise netto ausgewiesen werden, die Konzessionsabgabe bei Sondervertragskunden niedriger liegt als beim Privatkunden und größere Abnahmemengen oft günstiger beschafft werden. Ein Betrieb aus dem produzierenden Gewerbe kann zusätzlich die Stromsteuerentlastung beantragen. Der reine Energiepreis pro Kilowattstunde ist gegenüber Haushaltsstrom dagegen nicht automatisch niedriger. Genau deshalb ist Gewerbestrom günstiger in der Endrechnung als reiner Haushaltsstrom – nicht durch einen niedrigeren Cent-Preis, sondern durch diese Kostenblöcke.
Wie hoch sind die Umlagen 2026?
Für Verbraucher bis eine Million Kilowattstunden im Jahr betragen sie zusammen 2,946 Cent je Kilowattstunde: 1,559 Cent Aufschlag für besondere Netznutzung, 0,941 Cent Offshore-Netzumlage und 0,446 Cent KWKG-Umlage. Die Werte wurden am 24. Oktober 2025 von den Übertragungsnetzbetreibern veröffentlicht und gelten bundesweit einheitlich.
Wer bekommt die Stromsteuerentlastung nach § 9b?
Unternehmen des Produzierenden Gewerbes sowie Betriebe der Land- und Forstwirtschaft. Die Entlastung beträgt 2,00 Cent je Kilowattstunde, abzüglich eines Selbstbehalts von 250 Euro im Jahr. Sie wird nicht automatisch verrechnet, sondern beim Hauptzollamt beantragt. Ob dein Betrieb dazugehört, entscheidet die Einordnung nach der amtlichen Wirtschaftszweigklassifikation.
Warum sind die Netzentgelte bei zwei Standorten unterschiedlich?
Weil jedes Netzgebiet eigene Kosten hat und ein eigenes Preisblatt veröffentlicht. Ausbaustand, Leitungslängen, Anzahl der angeschlossenen Kunden und der Anteil eingespeister erneuerbarer Energie unterscheiden sich regional erheblich. Für 2026 kommt der Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzkosten hinzu, der ebenfalls nicht überall gleich wirkt.
Zählt die Umsatzsteuer in den Kostenvergleich?
Für vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen nicht. Die 19 Prozent sind ein durchlaufender Posten. Vergleiche deshalb ausschließlich Nettopreise — und achte darauf, dass ein Angebot nicht versehentlich gegen einen Bruttopreis aus dem Privatkundenbereich gestellt wird.
Fazit: Gewerbestrompreis zerlegen, dann verhandeln
Von den fünf Blöcken im Gewerbestrompreis ist genau einer Verhandlungssache. Die Umlagen und die Konzessionsabgabe stehen fest, das Netzentgelt hängt am Standort, und die Stromsteuer holst du dir gegebenenfalls über den Zoll zurück statt über den Lieferanten.
Wer den Gewerbestrompreis als eine Zahl behandelt, vergleicht deshalb Äpfel mit Birnen — und übersieht leicht, dass der größte Einzelposten im Beispiel nicht der Energiepreis war, sondern die Kombination aus Netzentgelten, Abgaben und Umlagen sowie Stromsteuer. Was kostet Gewerbestrom für deinen Betrieb? Zerleg deine Gewerbestrom-Kosten in die fünf Blöcke, bevor du über Cent-Beträge verhandelst. Erst dann weißt du, welcher Teil deiner Energiekosten überhaupt beweglich ist — und welcher nicht. Für den anschließenden Stromvergleich findest du die Kriterien im Gewerbestrom-Vergleich.
Quellen zum Nachlesen
- Statistisches Bundesamt: Strom- und Gaspreise im 1. Halbjahr 2026, Pressemitteilung Nr. 345 vom 30.09.2026
- BDEW-Strompreisanalyse Herbst 2026 und April 2026 (Methodik Industriepreis)
- Übertragungsnetzbetreiber: netzentgeltbasierte Umlagen 2026
- Bundesfinanzministerium: steuerliche Änderungen 2026
- Bundesregierung: Zuschuss zu den Netzentgelten 2026
- § 17 StromNEV: Berechnung der Netzentgelte
- Konzessionsabgabenverordnung (KAV)
- Stromsteuergesetz (StromStG)






