Industriestrom: Preise, Entlastungen und Beschaffung für Unternehmen 2026
Gewerbe & Industrie

Industriestrom: Preise, Entlastungen und Beschaffung für Unternehmen 2026

Was Industriestrom 2026 wirklich kostet, welche Entlastungen greifen und woran du erkennst, ob dein Preis noch marktgerecht ist. Mit Stromsteuer, individuellem Netzentgelt, Industriestrompreis und den gängigen Beschaffungsmodellen.

Stand: 19.09.2026 Lesezeit: 13 Minuten Rechtsgrundlage: § 9b StromStG, § 19 StromNEV
Inhalt anzeigen
  1. Was Industriestrom ist
  2. Was Industriestrom kostet
  3. Passt individuelle Beschaffung zu dir?
  4. Entlastungen 2026
  5. Beschaffungsmodelle
  6. Ab welchem Verbrauch lohnt sich was
  7. Fünf Schritte zum Vergleich
  8. Häufige Fehler
  9. Tipps & Tricks
  10. Häufige Fragen
  11. Werkzeug
  12. Persönliche Anfrage

Kurz gesagt: Industriestrom ist kein eigener Tariftyp, sondern Strom, den Unternehmen mit hohem Verbrauch individuell am Markt beschaffen und über einen viertelstundengenauen Lastgang statt über ein Standardlastprofil abrechnen. Laut BDEW-Strompreisanalyse zahlten mittelgroße Industriebetriebe (20 bis 70 Mio. kWh/Jahr) 2025 im Schnitt 15,9 ct/kWh, große Betriebe (70 bis 150 Mio. kWh/Jahr) 14,4 ct/kWh; kleine und mittlere Betriebe lagen im bisherigen Jahresverlauf 2026 bei 17,2 ct/kWh. Seit 1.1.2026 kommen mehrere Entlastungen dazu – die größte, der Industriestrompreis mit Zielwert rund 5 ct/kWh, gilt aber nur für rund 91 strom- und handelsintensive Branchen und wird erst 2027 rückwirkend ausgezahlt.

„Industriestrom“ klingt nach einem eigenen Produkt. Tatsächlich beschreibt der Begriff vor allem eine andere Art, Strom einzukaufen und abzurechnen als beim klassischen Gewerbetarif. Wo die Grenze verläuft, was das 2026 kostet und welche Entlastungen wirklich für dich greifen, liest du in diesem Artikel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Preisniveau 2026: 17,2 ct/kWh (KMU, laufendes Jahr), 15,9 ct/kWh (mittlere Industrie, 2025), 14,4 ct/kWh (große Industrie, 2025) im Schnitt laut BDEW.
  • Stromsteuer: Regelsatz 2,05 ct/kWh, für produzierendes Gewerbe nach § 9b StromStG auf 0,05 ct/kWh reduzierbar – abzüglich 250 Euro Selbstbehalt pro Jahr.
  • Industriestrompreis: Zielwert rund 5 ct/kWh, aber nur für rund 91 strom- und handelsintensive Branchen, Auszahlung erst 2027 rückwirkend für 2026.
  • Individuelles Netzentgelt nach § 19 Abs. 2 StromNEV ist verhandelbar bei atypischer Netznutzung oder ab 7.000 Benutzungsstunden und 10 GWh Jahresverbrauch (Bandlast).

Was Industriestrom ist – und was nicht

Der Unterschied zum normalen Gewerbetarif liegt nicht in der Qualität des Stroms, sondern in drei Punkten: Messung, Preisbildung und Vertragsform.

Messung

Ab rund 100.000 kWh Jahresverbrauch wird meist über eine registrierende Leistungsmessung abgerechnet. Der RLM-Zähler erfasst deinen Verbrauch in Viertelstundenwerten.

Preisbildung

Statt eines Pauschalpreises wird auf Basis deines Lastgangs kalkuliert. Wann du Strom brauchst, beeinflusst den Preis genauso wie die Menge.

Vertragsform

Neben dem klassischen Festpreis sind Tranchenmodelle, Spotmarkt-Verträge und langfristige Lieferverträge üblich – jeweils mit anderem Risikoprofil.

Die Grenze zwischen Gewerbestrom und Industriestrom ist gesetzlich nirgends sauber definiert. Unterhalb von rund 100.000 kWh im Jahr bewegst du dich meist im Bereich Gewerbestrom, oberhalb davon beginnt die individuelle Beschaffung. Viele Entlastungen setzen allerdings deutlich höher an – genau dort trennen sich Erwartung und Realität oft.

Passt individuelle Beschaffung zu deinem Betrieb?

Kurzcheck: Lohnt sich individuelle Industriestrom-Beschaffung?

Liegt dein Jahresverbrauch über 100.000 kWh?Erst ab hier lohnt sich meist der Aufwand einer individuellen Beschaffung.

Gute Voraussetzung

Liegt dir ein ausgewerteter Lastgang der letzten zwölf Monate vor?Ohne Lastgang lässt sich weder ein Angebot noch ein individuelles Netzentgelt seriös prüfen.

Voraussetzung erfüllt

Kannst du Lasten planbar in günstige Stunden verschieben?Nur dann bringt ein Spot- oder Indexvertrag tatsächlich einen Vorteil.

Vor Vertragswahl klären

Liegst du unter 100.000 kWh und ist dein Verbrauch sehr gleichmäßig?Dann ist ein strukturierter Gewerbestromvergleich meist der wirksamere Hebel.

Eher klassischer Gewerbestromvergleich
Der Kurzcheck dient der ersten Einordnung. Eine individuelle Beschaffungsstrategie benötigt Verbrauchsdaten, Lastprofil, Vertragsdaten und eine Wirtschaftlichkeitsprüfung.

Was Industriestrom 2026 kostet

Belastbare Durchschnittswerte liefert die Strompreisanalyse des BDEW. Wichtig beim Lesen: Die Werte stammen aus unterschiedlichen Bezugsjahren, weil für die größeren Abnahmeklassen belastbare Jahreswerte erst mit Verzögerung vorliegen.

AbnahmeklasseDurchschnittspreisBezugszeitraum
Kleine und mittlere Betriebe17,2 ct/kWhbisheriger Jahresverlauf 2026
Mittlere Industrie (20–70 Mio. kWh/a)15,9 ct/kWh2025
Große Industrie (70–150 Mio. kWh/a)14,4 ct/kWh2025

Diese Zahlen sind Durchschnitte über viele Verträge, keine Angebote. Dein tatsächlicher Preis kann deutlich abweichen – abhängig davon, wann du beschafft hast, wie gleichmäßig dein Verbrauch ist und in welcher Netzregion du sitzt. Die Netzentgelte unterscheiden sich regional erheblich.

Woraus sich die Stromkosten zusammensetzen

  • Beschaffung und Vertrieb – der Marktpreis für die Energie plus Marge und Risikoaufschlag deines Lieferanten. Das ist der Teil, den du durch Vertragsgestaltung und Timing beeinflusst.
  • Netzentgelte – reguliert, regional verschieden, bestehend aus Arbeits- und Leistungspreis. Mehr dazu in Netzentgelte einfach erklärt und im Update zu den Netzentgelten 2026.
  • Steuern, Abgaben und Umlagen – Stromsteuer, Konzessionsabgabe, KWKG- und §-19-Umlage, Offshore-Netzumlage. Hier liegen die meisten Entlastungsmöglichkeiten.

Leistungspreis nicht übersehen

Bei Leistungsmessung kommt ein vierter Faktor dazu, der auf keiner Preisliste steht: dein Leistungspreis. Er bemisst sich an der höchsten viertelstündlichen Leistungsspitze des Jahres – eine einzige ungünstige Viertelstunde kann die Kosten für zwölf Monate prägen. Deshalb lohnt sich gezieltes Lastmanagement und Peak Shaving.

Die Entlastungen 2026 – wer bekommt was

Zum Jahreswechsel 2025/2026 ist ein Bündel an Maßnahmen in Kraft getreten. Sie wirken unterschiedlich stark und erreichen sehr unterschiedliche Gruppen – von „betrifft fast jedes produzierende Unternehmen“ bis „betrifft einige tausend“.

Stromsteuer: die breiteste Entlastung

Der Regelsatz der Stromsteuer liegt unverändert bei 2,05 ct/kWh. Unternehmen des produzierenden Gewerbes sowie der Land- und Forstwirtschaft können nach § 9b StromStG eine Entlastung von 2,00 ct/kWh beantragen. Es verbleibt der EU-Mindeststeuersatz von 0,05 ct/kWh. Seit 2026 ist diese Regelung dauerhaft angelegt.

Der Haken liegt im Selbstbehalt

Von der Entlastung wird ein Selbstbehalt von 250 Euro pro Jahr abgezogen. Bei einem Jahresverbrauch unter etwa 12.500 kWh bleibt nach Abzug rechnerisch nichts übrig – der Antrag lohnt sich dann nicht. Wie das Verfahren abläuft, steht in unserem Beitrag zur Energiesteuerrückerstattung für Unternehmen.

Netzentgelt-Zuschuss: wirkt, ohne dass du etwas tun musst

Für 2026 stellt der Bund 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds bereit, um die Übertragungsnetzentgelte zu dämpfen. Das Geld fließt an die vier Übertragungsnetzbetreiber und senkt die Entgelte, die sie weitergeben. Du musst dafür keinen Antrag stellen – der Effekt steckt bereits in den Netzentgelten deines Netzbetreibers. Wie stark er bei dir ankommt, hängt von deiner Netzebene und Region ab.

Industriestrompreis: die größte Summe, der engste Kreis

Die EU-Kommission hat den deutschen Industriestrompreis am 16. April 2026 beihilferechtlich genehmigt. Die Eckpunkte:

~5 ct

angestrebter effektiver Strompreis je kWh – ein Zielwert, keine Garantie

50 %

maximaler Rabatt auf den Großhandelspreis, für höchstens 50 % des Jahresstrombezugs

91

strom- und handelsintensive Branchen sind antragsberechtigt, etwa Chemie, Metall, Zement, Halbleiter

Gefördert wird die Differenz zwischen einem Referenzpreis und dem Zielpreis von 5 ct/kWh, befristet auf die Abrechnungsjahre 2026 bis 2028. Im Gegenzug muss ein Teil der Beihilfe in Dekarbonisierung investiert werden. Wer genau berechtigt ist, was der Zuschuss konkret bringt und bis wann der Antrag beim BAFA gestellt werden muss, erklären wir im Ratgeber Industriestrompreis: Branchen, Höhe, Antrag und Pflichten.

Realistisch einordnen

Wenn dein Unternehmen nicht zu den gelisteten strom- und handelsintensiven Branchen gehört, ändert der Industriestrompreis an deiner Rechnung nichts. Die Branchenzuordnung entscheidet, nicht die Höhe deines Verbrauchs allein. Ob du darunterfällst, solltest du vor jeder Kalkulation verbindlich prüfen lassen – am besten steuerlich oder juristisch begleitet.

Individuelle Netzentgelte nach § 19 Abs. 2 StromNEV

Diese Möglichkeit wird häufig übersehen, obwohl sie für Betriebe mit passendem Verbrauchsmuster erheblich sein kann. Das Netzentgelt ist verhandelbar, wenn du eine von zwei Bedingungen erfüllst:

Atypische Netznutzung (Satz 1)

Deine Verbrauchsspitze liegt vorhersehbar außerhalb der Hochlastzeitfenster deines Netzbetreibers. Typisch für Betriebe mit Nacht- oder Wochenendbetrieb.

Bandlast (Satz 2)

Mindestens 7.000 Benutzungsstunden im Jahr und mindestens 10 GWh Jahresverbrauch. Das Entgelt wird über den physikalischen Pfad berechnet.

Beide Varianten setzen eine Vereinbarung mit dem Netzbetreiber voraus, die der Beschlusskammer 4 der Bundesnetzagentur nach § 19 StromNEV angezeigt werden muss. Wer die Schwellen im Jahresverlauf reißt, verliert die Vereinbarung. Voraussetzung für die Prüfung ist ein sauber ausgewerteter Lastgang – dieselbe Datenbasis, die du auch für die Beschaffung brauchst.

Strompreiskompensation

Die Strompreiskompensation gleicht indirekte CO₂-Kosten aus, die über den Strompreis weitergereicht werden. Sie erreicht derzeit rund 350 Unternehmen. Eine Ausweitung auf zusätzliche Sektoren ist im Gespräch, hängt aber an der Aktualisierung der EU-Beihilfeleitlinien.

Ganter Spezial-Tipp

Bevor du eine Spotmarkt- oder Bandlast-Strategie planst, prüfe anhand deines Lastgangs, ob du die Schwelle von 7.000 Benutzungsstunden und 10 GWh im Jahresverlauf zuverlässig hältst. Reißt du sie auch nur einmal, verlierst du die Vereinbarung zum individuellen Netzentgelt rückwirkend für das gesamte Jahr – nicht nur anteilig.

Wie Unternehmen Industriestrom beschaffen

Bei größeren Mengen entscheidet die Beschaffungsform oft stärker über den Preis als die Anbieterwahl. In der Praxis wird zudem zwischen Gewerbekunden mit moderatem Verbrauch und Industriekunden mit registrierender Leistungsmessung unterschieden. Vier Modelle sind verbreitet:

Bevor du dich für ein Beschaffungsmodell entscheidest, lohnt der Blick auf deinen aktuellen Vertrag:

RechnerTarifrechner öffnenPrüfe in wenigen Minuten, wo dein aktueller Industriestrom-Preis im Marktvergleich steht. →
ModellSo funktioniert esPasst, wenn …
FestpreisEin Preis für die gesamte Laufzeit, zu einem Stichtag fixiert.… du Planungssicherheit brauchst und mit dem Stichtagsrisiko leben kannst.
TranchenbeschaffungDie Menge wird in mehreren Schritten über einen längeren Zeitraum eingekauft.… du das Timing-Risiko streuen willst und den Aufwand tragen kannst.
Spot- oder IndexvertragAbrechnung nahe am Börsenpreis, meist stündlich oder viertelstündlich.… du flexibel produzierst und Lastverschiebung tatsächlich umsetzen kannst.
Langfristvertrag (PPA)Direkter Liefervertrag mit einem Erzeuger über mehrere Jahre.… du eine stabile Grundlast hast und Bonität sowie Vertragsdauer passen.

Keines dieser Modelle ist grundsätzlich besser. Ein Spotvertrag hilft nur, wenn du Lasten wirklich verschieben kannst – sonst trägst du das Preisrisiko ohne Gegenwert. Ob dein Betrieb dafür geeignet ist, zeigt der Lastgang. Wie du ihn anforderst und liest, steht in unserem Beitrag Lastgang anfordern und auswerten.

Ab welchem Stromverbrauch lohnt sich was

Eine grobe Orientierung nach Jahresverbrauch – bewusst ohne Versprechen, weil jeder Betrieb anders aussieht:

JahresverbrauchRealistischer Hebel
bis 100.000 kWhKlassischer Preisvergleich der Stromtarife, Stromsteuerentlastung prüfen, Grundlagen der Energiekosten senken.
100.000 kWh bis 10 GWhLastgang auswerten, Leistungsspitzen kappen, Angebote strukturiert einholen, atypische Netznutzung prüfen.
ab 10 GWhZusätzlich Bandlast-Netzentgelt nach § 19 Abs. 2 Satz 2 StromNEV prüfen, Beschaffungsstrategie und ggf. PPA bewerten.
energieintensive BrancheZusätzlich Industriestrompreis und Strompreiskompensation prüfen lassen – mit fachlicher Begleitung, da die Zuordnung über den Anspruch entscheidet.

In fünf Schritten zum belastbaren Vergleich

Lastgang anfordern.Beim Netzbetreiber oder Messstellenbetreiber, üblicherweise als Viertelstundenwerte für zwölf Monate.
Rechnung zerlegen.Trenne Beschaffung, Netzentgelte sowie Steuern und Umlagen. Nur der erste Block ist verhandelbar, die anderen beiden folgen eigenen Regeln.
Entlastungen abklopfen.Stromsteuer nach § 9b StromStG, individuelles Netzentgelt nach § 19 Abs. 2 StromNEV, bei energieintensiven Branchen zusätzlich Industriestrompreis.
Angebote vergleichbar machen.Gleiche Menge, gleiche Laufzeit, gleicher Stichtag – sonst vergleichst du Zufall statt Konditionen.
Vor der Verlängerung handeln.Automatische Verlängerungen sind teuer. Kündigungsfristen gehören in den Kalender, nicht in den Ordner.

Häufige Fehler

  • Nur auf den Arbeitspreis schauen. Bei Leistungsmessung kann der Leistungspreis einen erheblichen Teil der Rechnung ausmachen.
  • Entlastungen einplanen, bevor der Anspruch geklärt ist. Besonders beim Industriestrompreis entscheidet die Branchenzuordnung, nicht der gute Wille.
  • Blindleistung ignorieren. Sie taucht als separater Posten auf und lässt sich technisch oft günstig beheben – siehe Blindleistung.
  • Pflichten übersehen. Wer selbst erzeugt oder speichert, landet schnell bei Redispatch 2.0 oder beim Energieaudit.

Tipps & Tricks für die Vertragsverhandlung

  1. Lastgang zuerst anfordern, dann verhandeln. Ohne belastbare Verbrauchsdaten bleibt jedes Angebot ein Blindflug in beide Richtungen.
  2. Rechnung konsequent in drei Blöcke zerlegen. Beschaffung, Netzentgelte, Steuern und Umlagen – nur der erste Block ist wirklich verhandelbar.
  3. Kündigungsfristen in den Kalender eintragen, nicht in den Ordner. Automatische Verlängerungen sind der häufigste Grund für unnötig teure Folgejahre.
  4. Bandlast- und Atypie-Schwellen jährlich neu prüfen. Ein einmal erreichter Status bleibt nicht automatisch bestehen, wenn sich dein Verbrauchsmuster ändert.

Prüfen, was bei dir tatsächlich ankommt

Entlastungspakete klingen groß und wirken im Einzelfall sehr unterschiedlich. Wir schauen uns deinen Verbrauch, deinen Vertrag und deine Netzregion an und sagen dir, was davon für dich zählt – ohne Verkaufsdruck.

Wir vergleichen Angebote aus unserem Partnernetzwerk, keinen vollständigen Markt. Für dich ist die Prüfung kostenlos; kommt ein Vertrag zustande, erhalten wir eine Vergütung vom Anbieter. Wie wir mit deinen Angaben umgehen, steht in der Datenschutzerklärung.

Häufige Fragen zu Industriestrom

Ab welchem Verbrauch spricht man von Industriestrom?

Eine gesetzliche Definition gibt es nicht. In der Praxis beginnt der Bereich dort, wo über eine registrierende Leistungsmessung abgerechnet wird – üblicherweise ab etwa 100.000 kWh Jahresverbrauch. Die relevanten Entlastungen setzen teils deutlich höher an, etwa bei 10 GWh für das Bandlast-Netzentgelt.

Was kostet Industriestrom aktuell pro kWh?

Nach der BDEW-Strompreisanalyse zahlten mittelgroße Industriebetriebe mit 20 bis 70 Millionen kWh Jahresverbrauch im Jahr 2025 durchschnittlich 15,9 ct/kWh, große Betriebe mit 70 bis 150 Millionen kWh 14,4 ct/kWh. Kleine und mittlere Betriebe lagen im bisherigen Jahresverlauf 2026 bei 17,2 ct/kWh. Das sind Durchschnittswerte über viele Verträge, keine Angebote.

Bekommt jedes Unternehmen den Industriestrompreis von 5 Cent?

Nein. Die am 16. April 2026 von der EU-Kommission genehmigte Förderung richtet sich an rund 91 strom- und handelsintensive Branchen. Die 5 ct/kWh sind ein angestrebter effektiver Preis, keine Garantie: Der Zuschuss ist auf 50 Prozent des Großhandelspreises und auf höchstens 50 Prozent des Jahresstrombezugs begrenzt.

Wann und wo wird der Industriestrompreis beantragt?

Die Auszahlung erfolgt nachträglich. Den Zuschuss für das Abrechnungsjahr 2026 beantragst du beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), nach Angaben des BAFA voraussichtlich ab Dezember 2026. Frist ist der 31. März 2027. Die Förderung ist auf die Jahre 2026 bis 2028 befristet und an Investitionen in Dekarbonisierung gekoppelt.

Wie hoch ist die Stromsteuer für Unternehmen 2026?

Der Regelsatz beträgt 2,05 ct/kWh. Unternehmen des produzierenden Gewerbes sowie der Land- und Forstwirtschaft können nach § 9b StromStG eine Entlastung von 2,00 ct/kWh beantragen, sodass der EU-Mindestsatz von 0,05 ct/kWh verbleibt. Vom Entlastungsbetrag wird ein Selbstbehalt von 250 Euro pro Jahr abgezogen.

Was ist ein individuelles Netzentgelt nach § 19 StromNEV?

Es ist ein mit dem Netzbetreiber vereinbartes, reduziertes Netzentgelt. Es kommt infrage, wenn deine Verbrauchsspitze vorhersehbar außerhalb der Hochlastzeitfenster liegt (atypische Netznutzung) oder wenn du mindestens 7.000 Benutzungsstunden und mindestens 10 GWh Jahresverbrauch erreichst (Bandlast). Die Vereinbarung muss der Beschlusskammer 4 der Bundesnetzagentur angezeigt werden.

Lohnt sich ein Spotmarkt-Vertrag für mein Unternehmen?

Nur, wenn du deine Lasten tatsächlich verschieben kannst. Ohne flexible Prozesse trägst du das Preisrisiko, ohne den Vorteil zu nutzen. Ob dein Betrieb dafür geeignet ist, zeigt eine Auswertung deines Lastgangs – nicht die Vertragsbroschüre.

Kann ich als Mittelständler überhaupt Industriestrom beziehen?

Ja, sofern dein Verbrauch eine individuelle Beschaffung rechtfertigt. Unterhalb davon ist ein strukturierter Gewerbestromvergleich meist der wirksamere Hebel. Was sinnvoll ist, hängt von Verbrauch, Lastprofil und Netzregion ab – das prüfen wir im Tarifcheck für dich.

Fazit: Erst der Lastgang, dann die Verhandlung

Industriestrom ist kein eigenes Produkt, sondern eine andere Art, Strom einzukaufen und abzurechnen – auf Basis deines Lastgangs statt eines Standardlastprofils. Die Entlastungen 2026 wirken sehr unterschiedlich: Die Stromsteuerentlastung nach § 9b StromStG erreicht fast jedes produzierende Unternehmen, das individuelle Netzentgelt nach § 19 StromNEV nur Betriebe mit passendem Verbrauchsmuster, und der Industriestrompreis nur rund 91 gelistete Branchen. Wer zuerst den Lastgang anfordert und die Rechnung in ihre drei Blöcke zerlegt, verhandelt von einer deutlich stärkeren Position aus.

Redaktion Ganter Energie
Wir erklären Strom- und Gasthemen so, dass du danach selbst entscheiden kannst. Deutschlandweit online, auf Wunsch per WhatsApp.
Stand: 19.09.2026. Eine persönliche Fachprüfung ist nicht ausgewiesen.

Quellen

Stand: 19.09.2026. Angaben zu Förderungen, Steuersätzen und Netzentgelten können sich kurzfristig ändern. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.