Heizen mit Strom: Welche Elektroheizung sich wann lohnt
Wärmepumpe, Infrarot, Nachtspeicher oder Heizlüfter: Hier vergleichst du die Systeme, siehst, was Heizen mit Strom wirklich kostet, und erfährst, wann es günstiger ist als Gas.
Inhaltsverzeichnis
Kurz gesagt: Heizen mit Strom ist nicht automatisch teuer – es kommt auf das Heizsystem an. Eine Wärmepumpe macht aus einer Einheit Strom im Jahresmittel rund drei bis vier Einheiten Wärme und ist laut Heizspiegel 2026 im Einfamilienhaus günstiger als eine Gasheizung. Elektroheizungen wie Infrarotpaneele, Heizlüfter, Konvektoren oder Nachtspeicherheizungen wandeln Strom nur eins zu eins in Wärme um. Diese Geräte passen für einzelne, selten genutzte Räume, als Dauerheizung für ein ganzes Haus werden sie teuer.
- Wärmepumpe: aus 1 kWh Strom rund 3,4 kWh Wärme (Jahresarbeitszahl im Feldtest des Fraunhofer ISE).
- Elektrische Direktheizung: Wirkungsgrad nahe 100 Prozent, aber ohne Umweltwärme – Strom wird nur eins zu eins zu Wärme.
- Heizkosten Einfamilienhaus (Heizspiegel 2026): mit Wärmepumpe im Mittel 1.260 € im Jahr, mit Erdgas 2.040 €.
- Stromtarif: Haushaltsstrom 2026 im Schnitt 37,0 ct/kWh, Wärmepumpenstrom mit eigenem Zähler rund 24 ct/kWh.
- Faustregel: je länger und größer der Einsatz, desto wichtiger die Effizienz des Systems.
Welche Arten der Elektroheizung gibt es?
Unter elektrischer Heizung fällt vom kleinen Lüfter bis zur zentralen Anlage alles, was elektrische Energie in Raumwärme verwandelt. Technisch gibt es zwei Gruppen von Heizsystemen: Elektroheizungen als Direktheizung, die Strom direkt in Wärme umwandeln, und die Wärmepumpe, die mit Strom zusätzlich Umweltwärme nutzbar macht. Beide haben ihre Vor- und Nachteile – vor allem bei Anschaffungskosten und Betriebskosten.
Wärmepumpe
Die Anlage entzieht Luft, Erdreich oder Grundwasser Wärme und hebt sie mit einem Verdichter auf Heiztemperatur. Weil der Großteil der Wärme aus der Umwelt kommt, braucht sie nur einen Bruchteil des Stroms einer Direktheizung und arbeitet deutlich effizienter. Dafür ist sie teuer in der Anschaffung. Wie viel Strom sie genau braucht, zeigt unser Ratgeber zum Stromverbrauch der Wärmepumpe.
Infrarotheizung
Infrarotheizungen geben Strahlungswärme ab: Die Strahlung erwärmt vor allem Wände, Möbel und Personen, nicht in erster Linie die Raumluft. Das fühlt sich schnell angenehm an, ändert aber nichts an der Grundregel – aus einer Einheit Strom wird etwa eine Einheit Wärme. Was das in Euro bedeutet, rechnest du mit unserem Ratgeber zum Stromverbrauch der Infrarotheizung nach.
Konvektor und Ölradiator
Konvektoren und elektrische Heizkörper arbeiten mit Konvektion: Beide erwärmen die Raumluft, die dann im Raum zirkuliert. Ölradiatoren speichern die Wärme etwas länger. Beide sind günstig in der Anschaffung, kommen einfach an die Steckdose und sind schnell aufgestellt – im Dauerbetrieb aber genauso stromhungrig wie andere Elektroheizungen.
Heizlüfter
Ein Lüftergerät bläst warme Luft und liefert sofort Wärme. Es eignet sich für kurze Einsätze, etwa im Bad oder Hobbyraum. Mit 2.000 Watt verbraucht es pro Stunde 2 kWh. Die Rechnung für Tag, Monat und Winter findest du unter Heizlüfter Stromverbrauch.
Nachtspeicherheizung
Nachtspeicherheizungen laden nachts einen Speicherkern mit günstigerem Nachtstrom und geben die Wärme tagsüber ab. Die Öfen hängen meist an einem eigenen Zähler mit Nachtstromtarif. Wie teuer sie heute sind und was die Rechtslage 2026 sagt, erklärt unser Ratgeber zur Nachtspeicherheizung.
Elektrische Fußbodenheizung
Heizmatten unter dem Boden sorgen für gleichmäßige Wärme, vor allem im Bad, und lassen sich schnell aufheizen. Als alleinige Heizung großer, schlecht gedämmter Flächen treiben sie den Stromverbrauch jedoch stark nach oben – im gut gedämmten Neubau ist das eher vertretbar als im Altbau.
Stromheizungen im Vergleich
WärmepumpeDauerheizung für Haus oder Wohnung, am besten mit niedriger Vorlauftemperatur.
ca. 3–4 kWhInfrarot, Konvektor, ÖlradiatorEinzelne Räume, Übergangszeit, sehr niedriger Wärmebedarf.
ca. 1 kWhNachtspeicherBestandsgebäude mit eigenem Heizstromzähler.
ca. 1 kWhHeizlüfterKurze Einsätze, schnelle Wärme im kleinen Raum.
ca. 1 kWhBei elektrischen Direktheizungen gibt es kein Gerät, das mit derselben Strommenge deutlich mehr Wärme liefert als ein anderes. Unterschiede entstehen durch Regelung, Platzierung und darin, wie gezielt du nur die Räume heizt, in denen du dich gerade aufhältst.
Was kostet Heizen mit Strom?
Für jede Elektroheizung gilt dieselbe einfache Formel für die Kosten pro Tag: Leistung in kW × Betriebsstunden × Strompreis = Stromkosten. Ein Gerät mit 2 kW, das drei Stunden am Tag läuft, kostet bei 37 Cent pro Kilowattstunde rund 2,22 Euro am Tag und etwa 67 Euro im Monat. Läuft es acht Stunden täglich, sind es rund 178 Euro im Monat. Das Thermostat senkt die tatsächliche Laufzeit, ein schlecht gedämmter Raum erhöht sie.
Spannend wird es, wenn du ein ganzes Haus elektrisch beheizen willst. Der Heizspiegel 2026 von co2online nennt für ein Einfamilienhaus mit 130 m² mittlere Heizkosten nach Energieträger. Für die Direktheizung haben wir mit derselben Wärmemenge gerechnet:
Umgerechnet auf den Monat sind das bei der Wärmepumpe rund 105 Euro, beim Gas rund 170 Euro und bei der Direktheizung rund 490 Euro – verteilt auf das ganze Jahr, im Winter deutlich mehr. Wie hoch deine Heizkosten pro Quadratmeter im Vergleich sind, zeigt unser Ratgeber Heizkosten pro qm.
Ist Heizen mit Strom günstiger als mit Gas?
Mit einer Wärmepumpe: in vielen Häusern ja. Im Heizspiegel 2026 liegt sie beim Einfamilienhaus im Mittel rund 780 Euro im Jahr unter dem Heizen mit Gas, obwohl Strom mehr kostet als Gas. Den Unterschied macht die Effizienz: Für dieselbe Wärme braucht sie nur etwa ein Drittel der Energiemenge.
Mit einer Direktheizung: als Hauptheizung fast nie. Weil Strom ein Mehrfaches von Gas kostet und die Direktheizung keinen Effizienzvorteil hat, kostet die gleiche Wärme ein Vielfaches. Als Ergänzung für einzelne Räume kann sie trotzdem sinnvoll sein, wenn dafür die Zentralheizung länger ausbleibt.
Und die Umwelt? Wie umweltfreundlich Heizen mit Strom ist, hängt vom Strommix ab. Je mehr Strom aus erneuerbaren Energien kommt, desto besser die Bilanz – solange noch Strom aus fossilen Quellen im Netz ist, schneidet die effiziente Wärmepumpe deutlich besser ab als jede Direktheizung.
Planst du den Umstieg von der Gasheizung auf eine neue Anlage, erklärt unser Ratgeber, wie du deinen Gasvertrag wegen der Wärmepumpe kündigst.
Wann eine Direktheizung sinnvoll ist
Eine elektrische Heizung als Direktheizung kann passen, wenn Anschaffung und Einbau einfach sein sollen und nur wenige Heizstunden anfallen:
- selten genutztes Gästezimmer oder Hobbyraum
- kleines Bad für kurze Komfortzeiten am Morgen
- Übergangslösung, wenn die Zentralheizung repariert wird
- sehr gut gedämmte Wohnung oder Ferienhaus mit geringem Wärmebedarf
- Zusatzheizung in der Übergangszeit, damit die Zentralheizung aus bleiben kann
Je größer die Fläche und je länger die Laufzeit, desto stärker schlagen die Stromkosten durch. Eine günstige Anschaffung kann dann über Jahre teuer werden. Das gilt auch für Kombigeräte wie einen Elektrokamin mit Heizung: Die Flamme kostet kaum etwas, der Heizteil so viel wie ein Heizlüfter gleicher Leistung.
Welcher Stromtarif zum Heizen passt
Steckerfertige Elektroheizungen laufen über deinen normalen Haushaltszähler und damit zum normalen Haushaltsstrompreis – 2026 im Schnitt 37,0 Cent je kWh (BDEW). Günstigere Heiztarife gibt es in der Regel nur mit eigenem Zähler:
- Wärmepumpenstrom: mit separatem Zähler im Schnitt rund 24 Cent je kWh (Marktcheck Verbraucherzentrale NRW, Februar 2026). Vergleichen lohnt sich – unser Ratgeber zum Wärmepumpentarif zeigt, worauf es ankommt.
- Heizstrom für Nachtspeicher: eigener Tarif mit Niedertarifzeiten. Was dahintersteckt, erklärt unser Ratgeber zu Heizstrom.
- Infrarotheizung: Laut Verbraucherzentrale gibt es dafür oft keinen günstigen Heizstrom, weil die Geräte meist am Haushaltszähler hängen.
Ein zusätzlicher Zähler lohnt sich nicht automatisch. Rechne die Ersparnis beim Arbeitspreis gegen Grundpreis und Messkosten des zweiten Zählers.
Stromheizung mit Photovoltaik
Eigener Solarstrom aus einer Photovoltaikanlage kann einen Teil des Heizstroms decken. Der höchste Wärmebedarf fällt aber in die Monate, in denen die Anlage am wenigsten liefert. Eine große Direktheizung allein mit Dachstrom zu betreiben, geht deshalb über das Jahr gesehen nicht auf. In Kombination mit einer Photovoltaikanlage nutzt eine Wärmepumpe den eigenen Strom drei- bis viermal besser. Mit Speicher und Steuerung lässt sich der Eigenverbrauch erhöhen – ob sich das rechnet, zeigt unser Ratgeber zu den Stromspeicher Kosten.
Stromheizung in der Mietwohnung
Ist in deiner Wohnung eine elektrische Heizung fest eingebaut, lohnt sich vor dem Einzug oder bei hohen Rechnungen ein genauer Blick:
- Welche Heizung ist verbaut? Nachtspeicher, Infrarot oder Wärmepumpe unterscheiden sich stark im Verbrauch.
- Gibt es einen eigenen Heizstromzähler? Nur dann ist ein günstiger Heiztarif möglich.
- Wie hoch war der Verbrauch bisher? Frag nach den Werten der letzten Abrechnung.
- Reicht die Elektrik? Zusätzliche Geräte mit hoher Leistung gehören nicht an eine Mehrfachsteckdose; fest montierte Geräte schließt eine Elektrofachkraft an.
Fünf Tipps, damit Heizen mit Strom bezahlbar bleibt
- Nur heizen, wo du bist. Direktheizungen spielen ihren Vorteil aus, wenn sie gezielt einzelne Räume für kurze Zeit wärmen.
- Thermostat und Zeitschaltung nutzen. Jede Stunde weniger Laufzeit spart bei 2 kW rund 74 Cent.
- Türen zu, richtig lüften. Stoßlüften statt Kippfenster hält die Wärme im Raum.
- Verbrauch messen. Ein Zwischenstecker zeigt, was ein Gerät wirklich zieht.
- Tarif prüfen. Wer viel mit Strom heizt, spürt jeden Cent beim Arbeitspreis.
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Häufige Fragen zum Heizen mit Strom
Die wichtigsten Antworten zu Systemen, Kosten und Tarifen.
Welche Elektroheizung verbraucht am wenigsten Strom?
Die Wärmepumpe macht aus einer Kilowattstunde Strom im Jahresmittel rund drei bis vier Kilowattstunden Wärme. Alle Direktheizungen – Infrarot, Konvektor, Ölradiator, Heizlüfter, Nachtspeicher – liefern pro Kilowattstunde Strom etwa eine Kilowattstunde Wärme.
Ist Heizen mit Strom günstiger als mit Gas?
Mit einer Wärmepumpe oft ja: Im Heizspiegel 2026 kostet sie im Einfamilienhaus mit 130 m² im Mittel 1.260 Euro im Jahr, Erdgas 2.040 Euro. Mit einer Direktheizung als Hauptheizung dagegen fast nie.
Wie viel kostet Heizen mit Strom im Monat?
Das hängt vom System ab. Im Einfamilienhaus mit 130 m² sind es mit Wärmepumpe im Jahresschnitt rund 105 Euro im Monat. Eine Direktheizung für dieselbe Wärmemenge käme bei 37 Cent je kWh auf rund 490 Euro im Monat.
Ist eine Infrarotheizung sparsamer als ein Heizlüfter?
Bei gleicher Wärmemenge nicht. Beide wandeln Strom eins zu eins in Wärme um. Unterschiede entstehen durch Regelung, Platzierung und die Frage, wie gezielt du heizt.
Was kostet ein Heizlüfter pro Stunde?
Ein Gerät mit 2.000 Watt braucht pro Stunde 2 kWh. Bei 37 Cent je kWh sind das rund 74 Cent pro Stunde, wenn es durchgehend mit voller Leistung läuft.
Kann ich ein ganzes Haus mit Infrarot heizen?
Technisch ja, wirtschaftlich meist nur bei sehr niedrigem Wärmebedarf, etwa in einem sehr gut gedämmten Neubau. Sonst werden die laufenden Stromkosten hoch.
Lohnt sich ein eigener Heizstromtarif?
Bei Wärmepumpe oder Nachtspeicher oft, weil dort ein separater Zähler üblich ist. Entscheidend ist, ob die Ersparnis beim Arbeitspreis höher ist als Grundpreis und Messkosten des zweiten Zählers.
Kann ich mit Photovoltaik elektrisch heizen?
Teilweise. Der größte Wärmebedarf fällt in die Monate mit wenig Sonne. Eine Wärmepumpe nutzt den eigenen Solarstrom deutlich besser als eine Direktheizung.
Fazit
Heizen mit Strom ist weder grundsätzlich gut noch schlecht. Die Wärmepumpe nutzt Strom drei- bis viermal besser als jede Direktheizung und ist laut Heizspiegel 2026 im Einfamilienhaus günstiger als Gas. Infrarot, Konvektor, Heizlüfter und Nachtspeicher wandeln Strom nur eins zu eins in Wärme um – sinnvoll für einzelne Räume und kurze Zeiten, teuer als Dauerheizung. Je mehr Strom du zum Heizen brauchst, desto mehr lohnt sich ein genauer Blick auf den Tarif.
Quellen und Stand der Angaben
- co2online: Heizspiegel 2026 (Abrechnungsjahr 2025): mittlere Heizkosten Einfamilienhaus 130 m² nach Energieträger, Wärmepumpe 4.680 kWh Strom.
- Fraunhofer ISE: Wärmepumpen heizen auch im Altbau klimafreundlich: Feldtest, Jahresarbeitszahl 3,4 für Luft-Wasser-Wärmepumpen im Bestand.
- BDEW-Strompreisanalyse: durchschnittlicher Haushaltsstrompreis 2026 37,0 ct/kWh (Stand 21.08.2026).
- Verbraucherzentrale NRW, Marktcheck Wärmepumpentarife (Februar 2026): im Schnitt rund 24 ct/kWh mit separatem Zähler.
- Verbraucherzentrale: Für Infrarotheizungen gibt es oft keinen günstigen Heizstrom.
Stand der Angaben: 23.09.2026. Heizkosten sind Mittelwerte; dein Verbrauch hängt von Gebäude, Wetter und Heizverhalten ab.






