Peak Shaving: Lastspitzen kappen und Leistungskosten senken
Eine einzige Viertelstunde mit hoher Last kann einen Betrieb das ganze Jahr Netzentgelt kosten. Hier siehst du, wie der Leistungspreis entsteht, welche Wege es gibt, Lastspitzen zu kappen, wann sich ein Speicher lohnt – und was ein gekapptes Kilowatt in deinem Betrieb bringt.
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Kurz gesagt: Peak Shaving heißt, die höchste Lastspitze eines Betriebs zu kappen. Das lohnt sich, weil Unternehmen mit Leistungsmessung (in der Regel ab 100.000 kWh im Jahr) neben dem Arbeitspreis einen Leistungspreis zahlen – berechnet nach der höchsten Viertelstunde im Jahr. Ab 2.500 Benutzungsstunden liegt er 2026 zum Beispiel bei Netze BW in der Mittelspannung bei 148,05 Euro pro kW und Jahr: Jedes gekappte Kilowatt spart dann rund 150 Euro Netzentgelt. Möglich ist das mit Lastmanagement und Lastverschiebung, einem Batteriespeicher oder eigener Erzeugung.
Eine einzige Viertelstunde, in der Kompressor, Ofen und Ladesäulen gleichzeitig laufen, kann einen Betrieb ein ganzes Jahr lang Geld kosten. Denn der Netzbetreiber rechnet den Leistungspreis auf die höchste gemessene Leistung ab – egal, wie selten sie auftritt. Genau hier setzt Peak Shaving an. Nebenbei entlastet eine flachere Lastkurve auch das Stromnetz, denn für jede Spitze muss der Netzbetreiber Kapazität bereitstellen.
Hier erfährst du, wie der Leistungspreis entsteht, welche Wege es gibt, Lastspitzen zu kappen, wann sich ein Speicher lohnt und was du mit dem Rechner für deinen Betrieb abschätzen kannst. Welche Maßnahmen auch ohne Speicher wirken, zeigt der Ratgeber Lastmanagement.
Das Wichtigste in Kürze
- Netzentgelt bei Leistungsmessung = Leistungspreis × Jahreshöchstleistung + Arbeitspreis × Verbrauch (§ 17 Stromnetzentgeltverordnung).
- Unter 2.500 Benutzungsstunden ist der Leistungspreis niedrig, darüber in den Beispielen unten etwa sechs- bis neunmal so hoch – dort lohnt Peak Shaving am meisten.
- Lastmanagement ohne Speicher ist oft der günstigste Einstieg; Speicher lohnen sich vor allem bei kurzen, planbaren Spitzen.
- Die Netzentgeltreform der Bundesnetzagentur (AgNes) soll ab 2029 den Leistungspreis durch einen bestellbaren Kapazitätspreis ersetzen – bisher nur als Entwurf.
Was ist Peak Shaving?
Peak Shaving – auf Deutsch Lastspitzenkappung – bedeutet, die höchsten Leistungsspitzen am Netzanschluss gezielt abzusenken. Der Stromverbrauch eines Unternehmens über das Jahr bleibt dabei meist gleich; er wird nur anders verteilt, und das Lastprofil wird geglättet. Weil der Leistungspreis sich nach der einen höchsten Spitze richtet, spart jede dauerhaft vermiedene Spitze direkt Netzentgelt. Entscheidend ist also nicht der Energieverbrauch, sondern die maximale Leistungsaufnahme in einer einzigen Viertelstunde.
Bei manchen Betrieben gehört neben Wirkleistung und Lastspitzen auch Blindleistung zur technischen Einordnung. Sie wird getrennt vom Peak Shaving betrachtet.
Die Anwendung von Peak Shaving ist vor allem für gewerbliche und energieintensive Betriebe interessant, also für Kunden mit registrierender Leistungsmessung. Was Industriestrom kostet und welche Entlastungen es gibt, zeigt der Ratgeber Industriestrom. Nach dem Messstellenbetriebsgesetz wird bei einem Jahresverbrauch von über 100.000 kWh in der Regel viertelstündlich gemessen. Wie diese Messung funktioniert, erklärt der Beitrag RLM-Zähler; wo deine Spitzen entstehen, zeigt dir die Lastgang-Auswertung.
Leistungspreis: Warum eine Viertelstunde das ganze Jahr kostet
Auf der Stromrechnung eines Betriebs mit Leistungsmessung wird der Leistungspreis mit der höchsten Viertelstunden-Leistung des Abrechnungsjahres multipliziert. Dazu kommt der Arbeitspreis für jede Kilowattstunde. Welches Preispaar gilt, hängt von der Benutzungsdauer ab: Jahresverbrauch geteilt durch Jahreshöchstleistung. Unter 2.500 Stunden gibt es einen niedrigen Leistungspreis und einen hohen Arbeitspreis, darüber ist es umgekehrt. Die Berechnung Schritt für Schritt mit Rechenbeispiel zeigt unser Ratgeber Leistungspreis Strom.
| Netzbetreiber, Ebene | unter 2.500 h | ab 2.500 h |
|---|---|---|
| Netze BW, Mittelspannung | 16,61 €/kW · 6,32 ct/kWh | 148,05 €/kW · 1,06 ct/kWh |
| Netze BW, Niederspannung | 18,64 €/kW · 7,49 ct/kWh | 171,87 €/kW · 1,36 ct/kWh |
| Westnetz, Mittelspannung | 16,82 €/kW · 5,71 ct/kWh | 134,32 €/kW · 1,01 ct/kWh |
| Westnetz, Niederspannung | 19,93 €/kW · 8,27 ct/kWh | 120,43 €/kW · 4,25 ct/kWh |
| Bayernwerk Netz, Mittelspannung | 15,86 €/kW · 4,01 ct/kWh | 99,17 €/kW · 0,68 ct/kWh |
An der 2.500-Stunden-Grenze gibt es keinen Preissprung: Beide Preispaare ergeben dort nahezu dieselben Kosten. Für Betriebe mit kurzen, saisonalen Spitzen müssen Netzbetreiber zusätzlich eine Abrechnung mit Monatsleistungspreisen anbieten (§ 19 Abs. 1 StromNEV). Einen Überblick über die Bestandteile von Netzentgelten gibt der Beitrag Was sind Netzentgelte?.
Peak-Shaving-Rechner: Was bringt ein gekapptes Kilowatt?
Trag Jahreshöchstleistung, Jahresverbrauch und die geplante Kappung ein. Der Rechner zeigt dir Benutzungsdauer, Netzentgelt vorher und nachher und die Ersparnis pro Jahr. Mit der Dauer der Spitze erhältst du zusätzlich eine grobe Speichergröße.
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- Netzentgelt = Leistungspreis × Jahreshöchstleistung + Arbeitspreis × Jahresverbrauch (§ 17 StromNEV).
- Preispaar nach Benutzungsdauer = Jahresverbrauch ÷ Jahreshöchstleistung, Grenze 2.500 Stunden.
- Der Jahresverbrauch bleibt nach der Kappung gleich; die Energie wird nur verschoben.
- Beispielpreise: Netze BW, Mittelspannung, gültig ab 1.1.2026, netto.
- Speicher: nutzbare Energie = Kappung × Dauer; Wirkungsgrad, Alterung und mehrere Spitzen in Folge sind nicht enthalten.
Was dieser Rechner nicht kann: Er ersetzt keine Lastganganalyse. Ob du eine Spitze wirklich dauerhaft vermeidest, zeigt nur der Viertelstunden-Lastgang eines ganzen Jahres – eine einzige verpasste Viertelstunde setzt die neue Jahreshöchstleistung. Monatsleistungspreise, individuelle Netzentgelte nach § 19 StromNEV sowie Investitions- und Betriebskosten sind nicht berücksichtigt.
Drei Wege zur Lastspitzenkappung – von Lastverschiebung bis Batteriespeicher
Lastspitzen lassen sich verschieben, abschalten oder mit Speicher und eigener Erzeugung abfangen. Für das Verschieben und Abschalten ist auch der Begriff Demand Side Management üblich; Peak Shaving und Lastverschiebung gehen dabei Hand in Hand. Welcher Weg passt, hängt davon ab, wodurch die Spitze entsteht und wie lange sie dauert. Die Energieagentur ETI Brandenburg und die IHK Schleswig-Holstein beschreiben vor allem die folgenden Maßnahmen.
Ordne Lastspitzenkappung in deinen gesamten Maßnahmenplan zum Senken der Energiekosten ein, damit sich die einzelnen Maßnahmen sinnvoll ergänzen.
Mehrere große Verbraucher starten gleichzeitigAnlaufsteuerung: Maschinen, Öfen oder Kompressoren nacheinander statt gleichzeitig einschalten.
LastmanagementVerbraucher mit Wärme- oder KältepufferLastabwurf oder Maximumwächter: Kühlung, Lüftung oder Heizstäbe kurz abschalten, sobald eine Leistungsgrenze erreicht ist.
LastmanagementLadesäulen für E-FahrzeugeEin intelligentes, dynamisches Lademanagement verteilt eine feste Maximalleistung auf die Ladepunkte (Leitfaden der NOW GmbH).
LademanagementKurze, nicht verschiebbare SpitzenEin Batteriespeicher gibt in der Spitze Leistung ab und lädt in ruhigen Zeiten wieder.
Speicher prüfenLange Spitzen über mehrere StundenHier werden Speicher schnell groß und teuer. Erst Prozesse und Lastverschiebung prüfen.
Speicher meist teuerBaust du gerade Ladepunkte für E-Fahrzeuge im Unternehmen auf, gehört Lastmanagement von Anfang an in die Planung — welche gesetzlichen Pflichten und Netzanschluss-Regeln dabei gelten, steht im Beitrag Ladeinfrastruktur für Unternehmen.
Lastspitzenkappung bei PV-Anlagen funktioniert nur bedingt: Wer eine PV-Anlage hat, senkt tagsüber zusätzlich die Last am Netzanschluss. Verlassen kannst du dich darauf für den Leistungspreis aber nicht: Eine einzige wolkige Viertelstunde reicht, um die Jahreshöchstleistung zu setzen.
Peak Shaving mit Batteriespeicher: Worauf es bei der Auslegung ankommt
Beim Peak Shaving zählt am Stromspeicher nicht nur die Leistung in kW, sondern vor allem, wie lange die Spitze dauert – so lange muss er entladen können. Ein Beispiel aus einem Fachbeitrag im pv magazine (April 2026): 10 kW über 15 Minuten brauchen 2,5 kWh, 5 kW über eine Stunde dagegen 5 kWh. Wie stark die benötigte Kapazität bei tieferer Kappung wächst, hängt vom Lastverlauf ab. Innerhalb desselben Preisbands steigt die vermiedene Leistungspreiskomponente linear; beim Wechsel des Preisbands muss auch der Arbeitspreis neu gerechnet werden.
Im genannten Fachbeitrag spart eine Kappung um 300 kW bei 150 €/kW rund 45.000 Euro im Jahr und braucht etwa 500 kWh Speicher; für 400 kW sind es bereits etwa 1.250 kWh. Solche Zahlen sind Beispielrechnungen eines Anbieters, keine Garantie. Wie du Kosten, Förderung und Wirtschaftlichkeit eines Speichers vollständig durchrechnest, zeigt der Beitrag Gewerbespeicher mit eigenem Rechner.
Wann ist Peak Shaving sinnvoll? Zwei Rechenbeispiele
Die Vorteile von Peak Shaving zeigen sich vor allem ab 2.500 Benutzungsstunden, weil dort der Leistungspreis hoch ist. Darunter spart ein gekapptes Kilowatt nur einen Bruchteil. Eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz nennt außerdem ein Verhältnis von Spitzenlast zu Grundlast über 3 als Hinweis auf großes Potenzial. Die beiden Beispiele rechnen nur das Netzentgelt, mit den Preisen von Netze BW in der Mittelspannung 2026.
| Fall A: 600.000 kWh im Jahr | Fall B: 300.000 kWh im Jahr | |
|---|---|---|
| Benutzungsdauer vorher | 3.000 h (ab 2.500 h) | 1.500 h (unter 2.500 h) |
| Netzentgelt vorher | 35.970 € | 22.282 € |
| Spitze nachher | 160 kW, 3.750 h | 160 kW, 1.875 h |
| Netzentgelt nachher | 30.048 € | 21.618 € |
| Ersparnis pro Jahr | 5.922 € | 664 € |
Wer mit Peak Shaving seine Energiekosten senken will, muss die Ersparnis den Kosten gegenüberstellen: Mess- und Regeltechnik, Steuerung oder Speicher, Wartung. Für Lastmanagement nennt die IHK Schleswig-Holstein einen lohnenden Bereich ab etwa 500 bis 1.000 kW Spitzenleistung; kleinere Betriebe sollten zuerst prüfen, ob sich Spitzen einfach durch geänderte Abläufe vermeiden lassen. Welche Preisbestandteile deine Gewerbestromrechnung sonst noch enthält, erklärt der Beitrag Was kostet Gewerbestrom?.
Atypische Netznutzung: Wenn die Spitze zur falschen Zeit kommt
Liegt deine Höchstlast vorhersehbar außerhalb der Hochlastzeiten des Netzes, kannst du ein individuelles Netzentgelt beantragen. Das regelt § 19 Abs. 2 Satz 1 StromNEV, die Kriterien stehen in einer Festlegung der Bundesnetzagentur von 2013. Das individuelle Entgelt beträgt mindestens 20 Prozent des veröffentlichten Entgelts.
- Hochlastzeitfenster: Jeder Netzbetreiber veröffentlicht werktägliche Zeitfenster, in denen das Netz am stärksten belastet ist – bei Avacon zum Beispiel im Winter in der Mittelspannung von 16:45 bis 19:30 Uhr.
- Erheblichkeit: Die Leistung in den Hochlastzeitfenstern muss je nach Netzebene um mindestens 10 bis 30 Prozent unter der Jahreshöchstleistung liegen, mindestens um 100 kW, und die Ersparnis mindestens 500 Euro betragen.
- Frist: Die Vereinbarung muss bis zum 30. September des Jahres angezeigt werden, für 2026 also bis zum 30.09.2026.
Für sehr große Verbraucher mit mehr als 10 GWh und mindestens 7.000 Benutzungsstunden gibt es zusätzlich die sogenannte Bandlastregel mit Entgelten ab 10 Prozent. Beide Regeln sind Spezialfälle; ob sie für dich infrage kommen, klärt eine genaue Lastganganalyse mit dem Netzbetreiber.
Was sich ab 2029 ändern könnte
Die Bundesnetzagentur arbeitet an einer neuen Netzentgeltsystematik (AgNes), die die Stromnetzentgeltverordnung ab 2029 ablösen soll. Nach dem Festlegungsentwurf vom 6. August 2026 soll der Leistungspreis für große Kunden durch einen frei bestellbaren Kapazitätspreis ersetzt werden; wer die bestellte Leistung überschreitet, zahlt einen deutlich erhöhten Arbeitspreis. Die Konsultation läuft bis zum 18. September 2026, eine Entscheidung ist für Ende 2026 geplant. Bis Ende 2028 gelten die heutigen Regeln.
Für Peak Shaving heißt das: Das Prinzip bleibt wichtig, verschiebt sich aber vom Senken der Jahresspitze zum sicheren Einhalten einer bestellten Kapazität. Wie Netzentgelte schon heute zeitlich schwanken können, zeigt der Beitrag Dynamische Netzentgelte.
Peak Shaving im Privathaushalt: Lohnt sich das?
Für Haushalte bringt Peak Shaving beim Netzentgelt kein Geld, weil sie keinen Leistungspreis zahlen. Bis 100.000 kWh im Jahr gibt es nur Grundpreis und Arbeitspreis. Hersteller bewerben Peak Shaving bei Heimspeichern trotzdem – gemeint ist dann meist, Netzbezug aus teuren Zeiten zu verlagern. Das rechnet sich über den Arbeitspreis, etwa mit einem dynamischen Stromtarif oder den zeitvariablen Netzentgelten für steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG. Mehr dazu im Beitrag Dynamischer Stromtarif.
Fünf Tipps, bevor du in Peak Shaving investierst
- Lastgang holen. Ein ganzes Jahr in Viertelstunden zeigt, wann und wie oft die Spitzen auftreten.
- Preisblatt lesen. Leistungspreis, Arbeitspreis und Benutzungsdauer entscheiden, ob sich die Kappung überhaupt lohnt.
- Erst organisieren, dann investieren. Anlaufzeiten im Betriebsablauf flexibel verschieben kostet oft nichts und bringt schon viel.
- Speicher mit echten Daten auslegen. Dauer und Häufung der Spitzen bestimmen die Kapazität, nicht die Nennleistung.
- Tarif mitdenken. Auch der Energiepreis im Liefervertrag hängt am Lastprofil – ein gleichmäßigeres Profil kann bessere Angebote bringen.
Gewerbestrom und Lastprofil persönlich prüfen lassen
Hoher Leistungspreis, unklare Spitzen, Vertrag läuft aus? Schick uns Jahresverbrauch, Jahreshöchstleistung und Netzebene, wir prüfen passende verfügbare Gewerbestromangebote aus unserem Netzwerk für dein Lastprofil. Deutschlandweit online, du erreichst uns jederzeit über WhatsApp.
Wir vergleichen Angebote aus unserem Partnernetzwerk, keinen vollständigen Markt. Für dich ist die Prüfung kostenlos; kommt ein Vertrag zustande, erhalten wir eine Vergütung vom Anbieter. Schick uns keine vollständigen Rechnungen, Verbräuche und Preise genügen. Wie wir mit deinen Angaben umgehen, steht in der Datenschutzerklärung.
Häufige Fragen zu Peak Shaving
Was ist Peak Shaving?
Peak Shaving, auf Deutsch Lastspitzenkappung, bedeutet, die höchsten Leistungsspitzen am Netzanschluss gezielt zu senken. Weil Unternehmen mit Leistungsmessung einen Leistungspreis auf die höchste Viertelstunde im Jahr zahlen, spart jede dauerhaft vermiedene Spitze Netzentgelt.
Wie viel spart ein gekapptes Kilowatt?
Innerhalb desselben Preisbands und bei unverändertem Verbrauch so viel wie der Leistungspreis deines Netzbetreibers. Wird die 2.500-Stunden-Grenze überschritten, müssen Leistungs- und Arbeitspreis gemeinsam neu gerechnet werden. Ab 2.500 Benutzungsstunden sind das 2026 zum Beispiel 148,05 Euro pro kW und Jahr bei Netze BW in der Mittelspannung, bei Bayernwerk Netz 99,17 Euro. Unter 2.500 Stunden sind es nur etwa 16 bis 20 Euro.
Was ist der Leistungspreis beim Strom?
Der Leistungspreis ist der Teil des Netzentgelts, der sich nach der höchsten gemessenen Viertelstunden-Leistung des Jahres richtet. Er wird in Euro pro kW und Jahr angegeben und gilt für Kunden mit registrierender Leistungsmessung, in der Regel ab 100.000 kWh Jahresverbrauch.
Was ist die Benutzungsdauer?
Die Benutzungsdauer ist der Jahresverbrauch geteilt durch die Jahreshöchstleistung, angegeben in Stunden. Sie entscheidet, welches Preispaar aus Leistungs- und Arbeitspreis gilt. Die Grenze liegt bei 2.500 Stunden.
Brauche ich für Peak Shaving einen Batteriespeicher?
Nicht unbedingt. Oft reicht Lastmanagement: große Verbraucher nacheinander starten, Kühlung oder Lüftung kurz abschalten oder Ladesäulen steuern. Ein Speicher lohnt sich vor allem bei kurzen Spitzen, die sich nicht verschieben lassen.
Wie groß muss ein Speicher für Peak Shaving sein?
Das hängt von der gewünschten Kappung und der Dauer der Spitzen ab. Grob gilt: Kappung in kW mal Dauer in Stunden ergibt die nutzbare Kapazität, plus Reserve. 40 kW über 30 Minuten brauchen also mindestens 20 kWh nutzbare Kapazität. Die genaue Auslegung braucht den Viertelstunden-Lastgang eines Jahres.
Lohnt sich Peak Shaving für Privathaushalte?
Beim Netzentgelt nicht, denn Haushalte zahlen keinen Leistungspreis. Sinnvoll ist höchstens, Strombezug in günstige Zeiten zu verschieben, etwa mit einem dynamischen Stromtarif oder zeitvariablen Netzentgelten für steuerbare Verbrauchseinrichtungen.
Was ist atypische Netznutzung?
Wenn deine Jahreshöchstlast vorhersehbar außerhalb der Hochlastzeitfenster des Netzbetreibers liegt, kannst du ein individuelles Netzentgelt nach § 19 Abs. 2 StromNEV vereinbaren. Voraussetzungen sind unter anderem eine Verlagerung von mindestens 100 kW und eine Ersparnis von mindestens 500 Euro.
Ändert sich der Leistungspreis durch die Netzentgeltreform?
Nach dem Entwurf der Bundesnetzagentur soll ab 2029 ein bestellbarer Kapazitätspreis den Leistungspreis für große Kunden ersetzen. Entschieden ist das noch nicht; bis Ende 2028 gelten die heutigen Regeln der Stromnetzentgeltverordnung.
Fazit: Erst den Lastgang verstehen, dann die Spitze kappen
Peak Shaving ist einer der wenigen Hebel, mit denen Betriebe ihr Netzentgelt und damit ihre Stromkosten direkt senken können – besonders bei hohem Leistungspreis. Auch unter 2.500 Benutzungsstunden kann es sich lohnen, wenn die vermiedenen Kosten die Investition und den Betrieb übersteigen. Der Weg führt fast immer über den Lastgang: Wann entstehen die Spitzen, wie lange dauern sie, lassen sie sich verschieben? Oft reicht effizientes Lastmanagement, ein Speicher lohnt sich vor allem bei kurzen, nicht verschiebbaren Spitzen. Und weil das Lastprofil auch den Energiepreis im Liefervertrag beeinflusst, gehört der Tarif in dieselbe Rechnung.
Quellen
- Stromnetzentgeltverordnung §§ 17, 19 und Anlage 4, abgerufen am 11.09.2026: Leistungs- und Arbeitspreis, Benutzungsdauer-Grenze 2.500 h, Monatsleistungspreise, individuelle Netzentgelte; Wortlaut über lxgesetze.de geprüft
- Messstellenbetriebsgesetz § 55 (zuletzt geändert 18.12.2025), abgerufen am 11.09.2026: Lastgang- oder Zählerstandsgangmessung ab 100.000 kWh Jahresverbrauch
- Netze BW – Netzentgelte Strom 2026 (Stand 12.12.2025), abgerufen am 11.09.2026: Jahresleistungs- und Arbeitspreise je Netzebene
- Westnetz – Preisblätter Strom ab 1.1.2026, abgerufen am 11.09.2026: Jahresleistungs- und Arbeitspreise, Monatsleistungspreise
- Bayernwerk Netz – Preisblatt Netzentgelte 2026, abgerufen am 11.09.2026: Jahresleistungs- und Arbeitspreise Mittelspannung
- Bundesnetzagentur – FAQ individuelle Netzentgelte (Festlegung BK4-13-739), abgerufen am 11.09.2026: Erheblichkeitsschwellen, Mindestverlagerung 100 kW, Bagatellgrenze, Anzeigefrist 30.09.; ergänzend Avacon Netz – Hochlastzeitfenster 2026
- Bundesnetzagentur – AgNes (Allgemeine Netzentgeltsystematik Strom) (Festlegungsentwurf 06.08.2026, Konsultation bis 18.09.2026), abgerufen am 11.09.2026: Ablösung von StromNEV und ARegV ab 2029, Kapazitätspreis für große Kunden als Entwurf; ergänzend Pressemitteilung vom 27.05.2026
- pv magazine – Lastspitzenkappung mit Batteriespeicher im Gewerbe (17.04.2026, Fachbeitrag eines Anbieters), abgerufen am 11.09.2026: Dauer der Spitze, nutzbare Kapazität, Beispielrechnungen 300 und 400 kW
- IHK Schleswig-Holstein – Lastmanagement im Betrieb (aktualisiert 26.08.2026), abgerufen am 11.09.2026: Rechenbeispiel 50 kW, Amortisation unter drei Jahren, lohnend ab etwa 500 bis 1.000 kW
- ETI Brandenburg – Lastmanagementsysteme, abgerufen am 11.09.2026: Lastverschiebung, Lastabwurf, Maximumwächter, Anlaufsteuerung
- FHNW – Peak-Shaving mit Photovoltaik und Batterie (2022, Schweizer Tarife), abgerufen am 11.09.2026: Potenzial bei Spitzenlast-Grundlast-Verhältnis über 3
- NOW GmbH – Leitfaden „Einfach laden am Depot“ (2023), abgerufen am 11.09.2026: statisches und dynamisches Lastmanagement für Ladepunkte
- Bundesnetzagentur – Netzentgelte für steuerbare Verbrauchseinrichtungen, abgerufen am 11.09.2026: Module 1 bis 3 nach § 14a EnWG für Haushalte
Stand: 11.09.2026. Dieser Beitrag ist eine allgemeine Orientierung und keine Rechts-, Steuer- oder Investitionsberatung. Preisangaben sind Beispiele aus den genannten Preisblättern, netto. Maßgeblich sind das Preisblatt und die Netznutzungsbedingungen deines Netzbetreibers. Eine vollständige Fachprüfung des Beitrags ist nicht ausgewiesen.






