Scope-2-Emissionen berechnen: So senkst du Scope 2 mit Ökostrom
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Scope-2-Emissionen berechnen: So senkst du Scope 2 mit Ökostrom

Was Scope 2 umfasst, wie du die Emissionen aus Strom und Wärme berechnest, worin sich standort- und marktbasierte Bilanz unterscheiden und wie Ökostrom hilft.

8 Minuten Lesezeit Quellen: GHG Protocol, Umweltbundesamt, CSRD Aktualisiert am 30. September 2026
Inhalt anzeigen
  1. Scope 1, 2 und 3
  2. Berechnung
  3. Standort- oder marktbasiert
  4. Ökostrom und Nachweise
  5. Emissionen senken
  6. Berichtspflicht
  7. Stromkostenrechner
  8. Prüfen lassen
  9. Häufige Fragen
  10. Fazit
  11. Quellen

Kurz gesagt: Scope-2-Emissionen sind die indirekten Emissionen aus eingekaufter Energie, also aus Strom, Wärme, Dampf und Kälte, die ein anderer für deinen Betrieb erzeugt. Das Greenhouse Gas Protocol verlangt dafür zwei Werte: einen standortbasierten mit dem Durchschnitt des Strommix und einen marktbasierten, der deine Stromverträge berücksichtigt. Der deutsche Strommix lag 2025 laut Umweltbundesamt bei 344 Gramm CO2 je kWh. Mit Ökostrom, der durch Herkunftsnachweise belegt ist, sinkt vor allem der marktbasierte Wert.

Kunden, Banken und Auftraggeber fragen Betriebe immer öfter nach ihrer Klimabilanz. Neben dem Kraftstoff für Fahrzeuge und dem Gas für die Heizung ist der Stromverbrauch dabei meist ein großer Posten. Die gute Nachricht: Bei den Scope-2-Emissionen hast du über deinen Stromvertrag einen direkten Hebel.

Hier erfährst du, was Scope 2 umfasst, wie du die Emissionen berechnest, worin sich standortbasierte und marktbasierte Bilanzierung unterscheiden und wie Ökostrom, Herkunftsnachweise und eigene Solaranlagen deine Bilanz verändern. Wir beraten deutschlandweit online, telefonisch und per WhatsApp.

Das Wichtigste in Kürze
  • Scope 2 umfasst die indirekten Emissionen aus eingekauftem Strom, Wärme, Dampf und Kälte.
  • Das GHG Protocol verlangt zwei Werte: standortbasiert und marktbasiert.
  • Emissionsfaktor deutscher Strommix 2025: 344 g CO2 je kWh (Umweltbundesamt).
  • In Europa belegen Herkunftsnachweise, dass Strom aus erneuerbaren Energien stammt.
  • Die CSRD gilt nach der Omnibus-Änderung für Unternehmen ab 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Mio. Euro Umsatz.

Scope 1, 2 und 3: die Emissionen eines Unternehmens im Überblick

Das Greenhouse Gas Protocol, der international verbreitete Standard für die Bilanzierung von Treibhausgasemissionen, teilt die Emissionen eines Unternehmens in drei Scopes ein:

  • Scope 1: direkte Emissionen aus eigenen Quellen, etwa aus der Gasheizung, einem Brennstoff im Prozess oder dem eigenen Fuhrpark.
  • Scope 2: indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie, also Strom, Fernwärme, Dampf oder Kälte, die bei einem Energieversorger erzeugt wird.
  • Scope 3: alle übrigen indirekten Emissionen in der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette, etwa aus Einkauf, Transport, Geschäftsreisen und der Nutzung deiner Produkte.

Scope 1 und Scope 2 zusammen bilden den Kern jeder Klimabilanz, auch Corporate Carbon Footprint genannt. Scope-3-Emissionen sind oft größer, aber schwerer zu erfassen, weil die Daten bei Lieferanten und Kunden liegen. Scope 1 und 2 lassen sich dagegen meist direkt aus den eigenen Rechnungen bilanzieren. Auch Berichtsplattformen und Initiativen wie CDP oder die Science Based Targets initiative (SBTi) arbeiten mit der Einteilung in Scope 1 bis 3.

Scope 2 Emissionen berechnen: Emissionsfaktoren richtig nutzen

Die Berechnung ist im Prinzip einfach: Energieverbrauch mal Emissionsfaktor. Für Strom nimmst du den Jahresverbrauch aus deinen Rechnungen und multiplizierst ihn mit einem Emissionsfaktor in Gramm CO2 je kWh. Welcher Emissionsfaktor gilt, hängt von der Methode ab.

Für die standortbasierte Methode nutzt du in Deutschland den durchschnittlichen Emissionsfaktor des Strommix. Das Umweltbundesamt beziffert ihn für 2025 auf 344 Gramm CO2 je kWh, 2024 waren es 353 Gramm. Eigene Rechnung: Ein Betrieb mit 100.000 kWh Stromverbrauch kommt standortbasiert auf 100.000 × 344 Gramm, also rund 34,4 Tonnen CO2 im Jahr.

Beispiel: Scope-2-Emissionen aus Strom
Stromverbrauch pro JahrStandortbasiert (344 g/kWh)
20.000 kWhrund 6,9 t CO2
100.000 kWhrund 34,4 t CO2
1.000.000 kWhrund 344 t CO2
Emissionsfaktor: Umweltbundesamt, deutscher Strommix 2025. Werte: eigene Rechnung.

Für Fernwärme, Dampf oder Kälte fragst du den Emissionsfaktor bei deinem Versorger ab. Dokumentiere alle Werte mit Quelle und Jahr, damit die Bilanzierung nachvollziehbar bleibt.

Standortbasiert oder marktbasiert?

Die Scope 2 Guidance des GHG Protocol verlangt in Märkten wie Deutschland, in denen du deinen Stromlieferanten frei wählen kannst, zwei Werte:

  • Standortbasierte Methode: Du rechnest mit dem durchschnittlichen Emissionsfaktor des Stromnetzes, in dem du verbrauchst. Dein Stromvertrag spielt keine Rolle.
  • Marktbasierte Methode: Du rechnest mit den Emissionen des Stroms, den du vertraglich einkaufst. Dafür brauchst du vertragliche Instrumente wie Herkunftsnachweise oder einen Liefervertrag mit Anlagenbezug. Für Strom ohne solchen Nachweis gilt der sogenannte Residualmix.

Für die marktbasierte Methode nutzt du lieferantenspezifische Emissionsfaktoren. Viele Versorger weisen in ihrer Stromkennzeichnung aus, wie viel CO2 ihr Strom verursacht. Die THG-Emissionen entstehen vor allem bei der Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen wie Kohle und Gas. Grünstrom mit Zertifikaten für erneuerbare Energien, in Europa also mit Herkunftsnachweisen, wird mit null Emissionen angesetzt.

Das bedeutet: Ökostrom senkt den marktbasierten Wert, der standortbasierte Wert bleibt gleich. Beide Werte gehören in eine vollständige Klimabilanz. Auch die Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung nach CSRD (ESRS E1) sehen für Scope 2 den standortbasierten und den marktbasierten Wert vor.

Ökostrom und Herkunftsnachweise richtig nutzen

In Europa sind Herkunftsnachweise das Instrument, mit dem belegt wird, dass eine bestimmte Menge Strom aus erneuerbaren Energien stammt. In Deutschland führt das Umweltbundesamt dafür das Herkunftsnachweisregister. Damit dein Ökostrom in der marktbasierten Bilanz zählt, sollte dein Lieferant für die gelieferte Menge Herkunftsnachweise entwerten und dir das bestätigen.

Achte beim Vergleich von Ökostromtarifen deshalb darauf, dass die Herkunftsnachweise zu deiner Liefermenge passen und für den richtigen Zeitraum entwertet werden. Wie sich echter Ökostrom von reinem Zertifikatehandel unterscheidet, erklären die Ratgeber Herkunftsnachweis Strom und Echter Ökostrom. Für große Verbraucher kann auch ein direkter Liefervertrag mit einer Wind- oder Solaranlage interessant sein, mehr dazu unter PPA Strom.

Scope-2-Emissionen senken: die wichtigsten Hebel

Verbrauch senkenJede eingesparte Kilowattstunde senkt beide Werte, den standortbasierten und den marktbasierten. Effizienz ist deshalb immer der erste Schritt.
Eigenen Solarstrom erzeugenStrom aus der eigenen Photovoltaikanlage musst du nicht einkaufen. Er verringert den Strombezug und damit die Scope-2-Emissionen.
Auf Ökostrom umstellenÖkostrom mit Herkunftsnachweisen senkt den marktbasierten Wert.
Daten sauber führenMonatliche Zählerstände, Rechnungen und Nachweise des Lieferanten an einem Ort sammeln.

Wie du mit einer eigenen Anlage startest, zeigt der Ratgeber Photovoltaik für Unternehmen. Weitere Effizienzideen findest du unter Energiekosten senken im Unternehmen.

Wer muss Scope 2 berichten?

Die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) wurde durch die Omnibus-I-Richtlinie geändert, die am 18. März 2026 in Kraft getreten ist. Danach sind EU-Unternehmen mit mindestens 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Millionen Euro Nettoumsatz berichtspflichtig, erstmals für das Geschäftsjahr 2027. Kleine und mittlere Betriebe sind damit meist nicht direkt verpflichtet. Sie werden aber oft von großen Kunden oder Banken nach ihren Emissionen gefragt, weil diese ihre eigene Lieferkette bilanzieren müssen.

Tipps & Tricks
  1. Frag deinen Lieferanten schriftlich nach der Entwertung der Herkunftsnachweise für deine Liefermenge.
  2. Nutze für die standortbasierte Rechnung immer den Emissionsfaktor des Berichtsjahres.
  3. Führe Strom, Wärme und Kälte getrennt auf.
  4. Halte fest, welche Standorte und Zähler zur Bilanz gehören.
  5. Prüfe vor dem Tarifwechsel, ob der neue Vertrag die Nachweise liefert, die dein Kunde verlangt.
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Die Ersteinschätzung ist für dich kostenlos. Für Angebote arbeiten wir mit ausgewählten Energieversorgern und Partnern zusammen. Deine Angaben geben wir erst weiter, wenn du uns das ausdrücklich bestätigt hast, wir fragen dich vorher. Kommt über uns ein Vertrag zustande, erhalten wir eine Vergütung vom Partner, die im Angebotspreis enthalten sein kann. Wir erstellen keine Klimabilanz und beraten nicht rechtlich.

Häufige Fragen zu Scope-2-Emissionen

Was sind Scope-2-Emissionen?

Indirekte Treibhausgasemissionen aus eingekaufter Energie, also aus Strom, Wärme, Dampf und Kälte, die ein anderer erzeugt und dein Unternehmen verbraucht.

Wie berechne ich Scope 2 für Strom?

Jahresverbrauch in kWh mal Emissionsfaktor. Standortbasiert nutzt du in Deutschland den Strommix, laut Umweltbundesamt 344 g CO2 je kWh für 2025.

Was ist der Unterschied zwischen standortbasiert und marktbasiert?

Standortbasiert rechnet mit dem durchschnittlichen Strommix, marktbasiert mit dem Strom, den du vertraglich einkaufst, belegt durch Herkunftsnachweise. Das GHG Protocol verlangt beide Werte.

Senkt Ökostrom die Scope-2-Emissionen?

Ökostrom mit Herkunftsnachweisen senkt den marktbasierten Wert. Der standortbasierte Wert sinkt nur, wenn du weniger Strom aus dem Netz beziehst.

Muss mein Betrieb Scope 2 berichten?

Nach der geänderten CSRD sind EU-Unternehmen ab 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Mio. Euro Umsatz berichtspflichtig. Kleinere Betriebe werden oft von Kunden oder Banken nach ihren Werten gefragt.

Gehört Gas zu Scope 2?

Nein. Gas, das du selbst verbrennst, etwa in der Heizung, zählt zu Scope 1. Fernwärme, die ein anderer erzeugt, gehört dagegen zu Scope 2.

Fazit: Beim Strom liegt dein direktester Hebel

Scope-2-Emissionen entstehen bei der Erzeugung der Energie, die du einkaufst. Du berechnest sie mit Verbrauch mal Emissionsfaktor und berichtest nach GHG Protocol zwei Werte. Den standortbasierten Wert senkst du nur über weniger Netzstrom, den marktbasierten zusätzlich mit Ökostrom und Herkunftsnachweisen. Sauber dokumentiert wird dein Stromvertrag so zu einem Teil deiner Klimastrategie.

Christian Grünefeld · Ganter Energie

Ganter Energie vermittelt Strom- und Gastarife für Haushalte und Gewerbe und begleitet Unternehmen bei Energiefragen, deutschlandweit online. Die Angaben beruhen auf den genannten Quellen, Stand 30.09.2026. Rechenbeispiele sind eigene Rechnungen. Keine Rechtsberatung und keine Klimabilanzierung.

Quellen und Stand der Angaben

Standards und Behörden · Abgerufen am 30. September 2026