Echter Ökostrom: Woran du erkennst, ob dein Tarif hält, was er verspricht
Fast jeder Stromanbieter verkauft heute Ökostrom. Welche Gütesiegel wirklich etwas bedeuten, wie du die Stromkennzeichnung auf deiner Rechnung liest und woran du echte Ökostromanbieter erkennst.
Inhaltsverzeichnis
Kurz gesagt: Echter Ökostrom erfüllt drei Bedingungen: Der Tarif stammt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien, er bringt die Energiewende mit einem festen Beitrag je Kilowattstunde oder neuen Anlagen voran, und der Ökostromanbieter ist nicht wesentlich mit Kohle- oder Atomkraftwerken verflochten. Ob ein Tarif das erfüllt, erkennst du an zwei Dingen: an einem strengen Gütesiegel wie dem Grüner Strom Label oder ok-power und an der Stromkennzeichnung auf deiner Rechnung. Ein Ökostromtarif, der nur Herkunftsnachweise kauft, belegt die Herkunft des Stroms, aber keinen zusätzlichen Ausbau.
- Kein Ökostrom aus der Steckdose: Physikalisch fließt immer der Strommix aus dem Netz. Ökostrom ist eine Frage der Bilanz und der Nachweise (Umweltbundesamt).
- Knappes Angebot: 2024 stammten 260,5 TWh Strom aus erneuerbaren Energien. Nur 11,4 Prozent davon waren ungefördert und hatten einen Herkunftsnachweis, 50,9 Prozent waren nach dem EEG gefördert (UBA, Stand 23.12.2025).
- Siegel machen den Unterschied: Das Grüner Strom Label verlangt bei Privatkund*innen mindestens 0,5 Cent je kWh für den Ausbau, ok-power einen Energiewendebeitrag und faire Vertragsbedingungen.
- Rechnung prüfen: Ein 100-Prozent-Ökostromtarif darf in der Stromkennzeichnung nur erneuerbare Energien ausweisen – mit oder ohne EEG-Förderung.
- Kohle-Stichtag: Das Grüner Strom Label schließt Unternehmen aus, die zum 1.1.2027 noch an Kohlekraftwerken beteiligt sind.
Was ist eigentlich echter Ökostrom? Drei Merkmale für echten Ökostrom
Der Begriff Ökostrom ist gesetzlich nicht geschützt. Fast jeder Stromanbieter hat heute einen Ökostromtarif im Angebot, auch Konzerne, die selbst Kohlekraftwerke betreiben. Damit du den Unterschied erkennst, lohnt ein Blick auf drei Merkmale, die sich in allen strengen Kriterien für echten Ökostrom wiederfinden.
1. Strom aus erneuerbaren Energien
Der Tarif besteht zu 100 Prozent aus Wind, Sonne, Wasserkraft oder Biomasse wie Biogas. Das muss die Stromkennzeichnung zeigen, nicht nur die Werbung.
2. Ein Beitrag zur Energiewende
Echter Ökostrom treibt den Ausbau erneuerbarer Energien voran: über einen festen Betrag je Kilowattstunde, über Strom aus neuen Anlagen oder über eigene Projekte des Anbieters.
3. Ein unabhängiger Anbieter
Ökostromanbieter mit strengem Siegel sind nicht wesentlich an Atom- oder Kohlekraftwerken beteiligt. So fließt dein Geld nicht indirekt in fossile Kraftwerke.
Nur das erste Merkmal ist über die Stromkennzeichnung gesetzlich geregelt. Die beiden anderen prüfen unabhängige Gütesiegel. Genau deshalb reicht der Hinweis „100 % Ökostrom" allein nicht aus, um echten Ökostrom zu erkennen.
Kommt Ökostrom aus der Steckdose? Was ein Ökostromtarif bewirkt
Aus deiner Steckdose kommt immer derselbe Strom wie beim Nachbarn. Strom aus Windrad, Solaranlage und fossilem Kraftwerk mischt sich im Netz. Das Umweltbundesamt schreibt dazu ausdrücklich, dass Herkunftsnachweise nicht belegen, dass der verbrauchte Strom physikalisch aus einer Erneuerbare-Energie-Anlage stammt. Ökostrom funktioniert wie ein Konto: Für jede Kilowattstunde Ökostrom mit Herkunftsnachweis, die dein Anbieter verkauft, muss irgendwo in Europa dieselbe Menge Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt und nachgewiesen worden sein.
Diesen Beleg liefert ein Herkunftsnachweis, eine Art Geburtsurkunde für eine Megawattstunde Ökostrom. Wie diese Nachweise ausgestellt, gehandelt und im Register des Umweltbundesamts entwertet werden, erklären wir ausführlich im Beitrag Herkunftsnachweis Strom. Für deine Tarifwahl reicht ein Punkt: Ein Herkunftsnachweis belegt die Herkunft einer Strommenge, aber nicht, dass wegen deines Tarifs eine neue Anlage gebaut wird.
Gütesiegel und Zertifikate: Welche Siegel echten Ökostrom zeigen
Ein Ökostrom-Siegel prüft, was die Stromkennzeichnung nicht zeigt: ob ein Tarif die Energiewende voranbringt und wie unabhängig der Ökostromanbieter ist. Die Siegel unterscheiden sich deutlich. Diese drei tauchen am häufigsten auf:
Grüner Strom Label
100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien mit Herkunftsnachweisen des Umweltbundesamts. Kernkriterium ist ein fester Förderbetrag: bei Privatkund*innen mindestens 0,5 Cent je verkaufter Kilowattstunde für den Ausbau erneuerbarer Energien, bei Gewerbekund*innen gestaffelt 0,1 bis 0,4 Cent. Ausgeschlossen sind Unternehmen mit Beteiligung an Atomkraftwerken und an Kohlekraftwerken zum Stichtag 1.1.2027. Tarife werden alle zwei Jahre überprüft.
ok-power
100 Prozent Ökostrom aus erneuerbaren Quellen. Keine wesentliche Beteiligung an oder Verflechtung mit Atomkraftwerken, Braunkohlekraftwerken oder neuen Steinkohlekraftwerken. Dazu Verbraucherschutz: keine Vorkasse, keine Mindestabnahme, keine langen Vertragslaufzeiten. Als Energiewendebeitrag wählt der Anbieter mindestens ein Modell, etwa Strom aus neuen Anlagen oder die Förderung von Energiewende-Projekten.
TÜV-Zertifikat
TÜV SÜD prüft Ökostromprodukte nach eigenen Standards. EE01 verlangt 100 Prozent erneuerbare Energien und mindestens 30 Prozent aus neuen Kraftwerken, alternativ eine Fondsabgabe oder einen Technologiemix. EE02 verlangt, dass die Anlagen zu jeder Viertelstunde mindestens so viel Strom erzeugen, wie die Kundschaft gleichzeitig verbraucht. Auch TÜV NORD zertifiziert Ökostromtarife – maßgeblich ist immer der jeweilige Prüfstandard.
Ein bestes Siegel gibt es nicht. Wenn dir der Ausbau am wichtigsten ist, achte auf einen festen Förderbetrag je Kilowattstunde. Wenn dir die Unabhängigkeit des Ökostromanbieters wichtig ist, sind Grüner Strom Label und ok-power die strengeren Gütesiegel. Bei einem TÜV-Zertifikat kommt es auf den Standard an: Nicht jeder verlangt Strom aus neuen Anlagen.
Stromkennzeichnung: Echten Ökostrom auf der Rechnung erkennen
Jeder Stromanbieter muss auf der Rechnung oder in einer Anlage dazu die Stromkennzeichnung zeigen (§ 42 EnWG). Sie ist die einzige gesetzlich vorgeschriebene Auskunft darüber, woher dein Strom rechnerisch stammt. So liest du sie:
Die Stromkennzeichnung zeigt also, ob der Strommix stimmt. Ob ein Tarif darüber hinaus Neuanlagen fördert, zeigt sie nicht. Dafür brauchst du das Siegel oder die Angabe des Anbieters, wie viel Geld je Kilowattstunde in den Ausbau fließt.
Echte Ökostromanbieter erkennen: Fünf Prüffragen
Mit diesen Fragen trennst du echte Ökostromanbieter von reinen Ökostromtarifen großer Versorger. Du brauchst dafür nur die Tarifseite, die Vertragsbedingungen und die Stromkennzeichnung.
- Welches Siegel trägt der Tarif? Grüner Strom Label oder ok-power sind die strengsten Hinweise. Fehlt ein Siegel, frag nach dem Grund.
- Wie viel fließt in den Ausbau? Seriöse Anbieter nennen einen Betrag je Kilowattstunde oder konkrete neue Anlagen.
- Wem gehört der Anbieter? Ein Blick ins Impressum und in die Unternehmensangaben zeigt, ob ein Konzern mit Kohle- oder Atomkraftwerken dahintersteht.
- Stimmt die Stromkennzeichnung? 100 Prozent erneuerbar im Produktmix – und wie sieht der restliche Mix des Unternehmens aus?
- Sind die Bedingungen fair? Keine Vorkasse, keine lange Mindestlaufzeit, eine klare Preisgarantie für Arbeitspreis und Grundpreis.
Ist echter Ökostrom teurer? Preisvergleich statt Bauchgefühl
Ökostrom ist nicht automatisch teurer als konventioneller Strom. Der Strompreis hängt vor allem von Netzentgelten, Steuern, Abgaben und dem Einkauf des Anbieters ab. Ökostromtarife mit Grüner Strom Label enthalten zusätzlich den Förderbetrag: Bei 0,5 Cent je Kilowattstunde und 2.500 kWh Jahresverbrauch sind das rechnerisch 12,50 Euro im Jahr.
Entscheidend ist der Preisvergleich mit deinem aktuellen Tarif. Wer noch beim Grundversorger ist, zahlt häufig mehr als in einem regulären Tarif, egal ob Ökostrom oder nicht. Vergleiche deshalb Arbeitspreis und Grundpreis auf Basis deines Jahresverbrauchs. Wie sich der Preis pro Kilowattstunde zusammensetzt, steht im Beitrag Strompreis pro kWh; worauf es beim Tarifvergleich ankommt, unter Stromtarif vergleichen.
Zu Ökostrom wechseln: In fünf Schritten zum besten Ökostromanbieter für dich
Der Wechsel zu einem Ökostromanbieter unterscheidet sich nicht von jedem anderen Anbieterwechsel. Deine Versorgung läuft ohne Unterbrechung weiter, und in der Regel kündigt der neue Anbieter deinen alten Vertrag.
Worauf du bei Wechselboni achten solltest, steht im Beitrag Stromanbieter wechseln mit Prämie.
Fünf Tipps, wie du echten Ökostrom sicher erkennst
- Siegel anklicken. Auf der Seite des Siegels steht, ob der Tarif wirklich zertifiziert ist – ein Logo auf der Anbieterseite allein reicht nicht.
- Nach dem Cent-Betrag fragen. Wie viel je Kilowattstunde fließt in neue Anlagen? Eine klare Zahl ist ein gutes Zeichen.
- Restmix ansehen. Viel Kohle und Erdgas im Unternehmensmix zeigen, dass der Ökostromtarif nur ein Teil des Geschäfts ist.
- Kurze Laufzeit wählen. Zwölf Monate oder monatlich kündbar – so bleibst du flexibel, wenn die Preise sinken.
- Einmal im Jahr prüfen. Neue Stromkennzeichnung, neuer Preis: Ein kurzer Blick nach der Jahresabrechnung genügt.
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Wir vergleichen Angebote aus unserem Partnernetzwerk, keinen vollständigen Markt. Für dich ist die Prüfung kostenlos; kommt ein Vertrag zustande, erhalten wir eine Vergütung. Wir versprechen keine bestimmte Ersparnis.
Häufige Fragen zu echtem Ökostrom
Die wichtigsten Antworten zu Siegeln, Stromkennzeichnung und Preisen.
Was ist echter Ökostrom?
Echter Ökostrom stammt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien, trägt über einen festen Betrag je Kilowattstunde oder neue Anlagen zur Energiewende bei und kommt von einem Anbieter, der nicht wesentlich mit Kohle- oder Atomkraftwerken verflochten ist. Das prüfen strenge Siegel wie das Grüner Strom Label oder ok-power.
Kommt Ökostrom wirklich aus meiner Steckdose?
Nein. Im Netz mischt sich Strom aus allen Kraftwerken. Ein Ökostromtarif sorgt dafür, dass für deine Verbrauchsmenge rechnerisch Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt und über Herkunftsnachweise belegt wird.
Welches Ökostrom-Siegel ist das beste?
Das hängt davon ab, was dir wichtig ist. Das Grüner Strom Label setzt auf einen festen Förderbetrag je Kilowattstunde, ok-power zusätzlich auf faire Vertragsbedingungen und einen Energiewendebeitrag nach Wahl. Beide schließen Anbieter mit wesentlicher Beteiligung an Atom- und Kohlekraft aus.
Ist Ökostrom teurer als normaler Strom?
Nicht automatisch. Der Preis hängt vor allem von Netzentgelten, Steuern, Abgaben und dem Einkauf ab. Vergleiche Arbeitspreis und Grundpreis auf Basis deines Jahresverbrauchs – oft ist ein Ökostromtarif günstiger als die Grundversorgung.
Woran erkenne ich echte Ökostromanbieter?
An einem strengen Siegel, an einer klaren Angabe, wie viel Geld in den Ausbau fließt, an der Eigentümerstruktur ohne Kohle- und Atomkraftwerke und an einer Stromkennzeichnung, die für deinen Tarif nur erneuerbare Energien ausweist.
Was steht in der Stromkennzeichnung?
Nach § 42 EnWG der Energieträgermix mit den Anteilen von Kernkraft, Kohle, Erdgas, Mieterstrom und erneuerbaren Energien, dazu CO2-Emissionen und radioaktiver Abfall je Kilowattstunde im Vergleich zum deutschen Durchschnitt. Bei Ökostrom mit Herkunftsnachweis stehen auch die Erzeugerländer dabei.
Ist Strom vom Grundversorger Ökostrom?
Das zeigt allein die Stromkennzeichnung deines Grundversorgungstarifs. Viele Grundversorger verkaufen einen Mix mit fossilen Anteilen. Wer echten Ökostrom will, wechselt in einen passenden Tarif mit Siegel.
Was ist der Unterschied zwischen Ökostrom und Regionalstrom?
Regionalstrom nutzt Regionalnachweise für EEG-geförderten Strom aus einem Umkreis von 50 Kilometern. Ökostromtarife nutzen Herkunftsnachweise. Über Förderbetrag oder Unabhängigkeit des Anbieters sagt Regionalstrom nichts aus.
Fazit
Echter Ökostrom erkennst du nicht am Wort „Öko" im Tarifnamen, sondern an zwei Belegen: an der Stromkennzeichnung, die für deinen Tarif nur erneuerbare Energien ausweist, und an einem strengen Siegel, das einen Beitrag zur Energiewende und die Unabhängigkeit des Anbieters prüft. Herkunftsnachweise allein belegen die Herkunft, nicht den Ausbau. Mit fünf Prüffragen und einem Preisvergleich findest du einen Ökostromtarif, der hält, was er verspricht.
Quellen und Stand der Angaben
- Umweltbundesamt: Strom-Herkunfts- und Regionalnachweise – Fragen und Antworten – 2024: 260,5 TWh erneuerbar, 50,9 % EEG-gefördert, 11,4 % mit Herkunftsnachweis; Stromkennzeichnung, Regionalnachweis (Stand 23.12.2025).
- Umweltbundesamt: Hintergrundwissen Ökostrom, Stromkennzeichen und Herkunftsnachweis – Import von Herkunftsnachweisen, Angabe der Herkunftsstaaten (Stand 04.05.2026).
- § 42 EnWG – Stromkennzeichnung, Transparenz der Stromrechnungen.
- Grüner Strom Label e.V.: Unsere Ökostromkriterien – Kriterienkatalog 2021, abgerufen am 24.09.2026.
- ok-power: Pflicht- und Wahlpflichtkriterien – abgerufen am 24.09.2026.
- TÜV SÜD: Ökostrom-Zertifizierung EE01 und EE02 – abgerufen am 24.09.2026.
Stand der Angaben: 24.09.2026. Siegelkriterien können sich ändern; maßgeblich ist die aktuelle Fassung beim Siegelgeber.






